Heute ist der letzte Tag der "Game Developers Conference" in San Francisco, an der das famose "Indie Games Festival" gekoppelt ist. Dort reichen unabhängige Spieleentwickler-Teams ihre Werke ein. Anschließend werden Nominierungen vergeben und in zwei Kategorien Gewinner gekürt. Die heißen heuer "Gish" und "Wik and the Fable of Souls", zwei charmante Geschicklichkeitsspiele mit hübscher Grafik, feinen Ideen und guter Wiederspielbarkeit.
Der Indiegamer
Anlässlich dieser Auszeichnungen wollen wir mal den Blick von der Industrie hin zum dazugehörigen Spielertyp machen. Denn wenn es Indiegames gibt, gibt es auch dazugehörige Indiegamer.
Wie beim Hören von Musik oder dem Ansehen von Filmen kann man auch beim Spielen von Computer- und Videospielen zwei Hauptgruppen unterscheiden: Für die einen ist es eine unkomplizierte Freizeitbeschäftigung nebenbei, für die anderen ein wichtiger, identitätsstiftender Teil des Alltags, in den sie sich oft und gerne eingraben. Und je mehr das passiert, desto mehr Auswahl und Abgrenzung findet statt, werden Nuancen von "gut" und "böse" ausgelotet, manche Dinge in den Himmel gelobt, andere mit verächtlichen Blick abgelehnt. Das Wesen des Indiegamers erzählt Geschichten von bewusster und unbewusster Distinktion sowie vielen Ikonen und Feindbildern.
Große Games-Konzerne, die viele und vor allem massenkompatible Spiele auf den Markt werfen, sind nicht der Freund des Indiegamers. Die Firma Electronic Arts ist hier in der Regel das Feindbild Nummer Eins.
Mögen sollte man hingegen von unabhängigen Teams entwickelte Spiele mit innovativen Konzepten, wenig Budget und dem Verzicht auf Ausreizen aktueller Technik. Je mehr Spiele im Verborgenen man kennt, desto leichter gestaltet sich im Fachkreis die obligate Frage: "Hast du schon das Demo von soundso gespielt"?
2) "Meine Lieblingsspiele? Rez und ICO!"
Wer für individuelle Spiele schwärmt, muss beide Titel zumindestens angespielt haben. Vor allem in einschlägigen Mailinglisten kann man seine Credibility stark steigern, wenn man (auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick gar nicht passt) ab und zu Sätze wie "ICO hat kein Level-Design, das ist Architektur!" oder "Die abstrakte Immersion von Rez sucht nach wie vor ihresgleichen." fallen lässt.
3) "Wo sind die klassischen Point'n'Click Adventures hinverschwunden?"
Indiegamer sind so gut wie immer auch Spiele-Historiker und meistens auch nostalgisch veranlagt. Früher waren viele Game-Genres eben doch spritziger und einfallsreicher. Und vor allem ging's da noch um's Spiel und nicht nur um Technik-Schnickschnack!
Der größte Rückschlag für den Alternativ-Spieler ist allerdings die Tatsache, dass das 2D-Point'n'Click Adventure tot ist und nur durch die Fan-Community am Leben erhalten wird (die von gutem Storytelling leider meist nicht so viel Ahnung hat wie die Macher der alten kommerziellen Adventures).
4) "Meine EDGE ist mir heilig!"
Die Bibel aller Indiegamer nennt sich EDGE. Die EDGE ist ein britisches Fachmagazin für Spielkultur, dass selbst für Insider und Nerds nach komplettem Durchlesen jeder Ausgabe keine Fragen mehr offen lässt. Bis das aber soweit ist, am besten immer in der Tasche tragen und hier und da mal die eine oder andere Review oder Kolumne lesen.
5) "Asien ist spitze!"
Asien und im Speziellen Japan ist bekanntermaßen das Mekka der Gaming-Kultur, was dazu führt, dass Spielgeräte und -software dort wesentlich früher oder überhaupt exklusiv erscheint. Da hilft nur die Anschaffung einer Importkonsole und der Online-Shop des Vertrauens.
Damit sich Zoll und Einfuhrumsatzsteuer dann auch bezahlt machen, kann man an die Bestellung ja noch ein rares Zelda-Plastikfigürchen, einen N64-Schlüsselanhänger oder einen Gamepark-Mug dranhängen.