Am Anfang haben wir uns überhaupt nicht ausgekannt. Dann sind wir den vielen Projekten, Performances, Lectures, Symposien, Installationen und Events langsam auf die Spur gekommen. Jetzt, am vierten Tag der Ars, sind wir schon recht selbstsicher. Trotzdem entdeckt man hier in Linz täglich neue Dinge, sei es im Programmfolder oder direkt an den Orten, wo die Werke gezeigt werden und ausgestellt sind.
Theorie und Praxis
So wie jedes Jahr ist die Ars auch heuer wieder eine recht ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis. Brummt einem nach mehreren Conferences in Serie der Kopf, geht man in das Ars Electronica Center, das Brucknerhaus, auf den Linzer Hauptplatz oder in das Architekturforum und lässt die dort präsentierten Dinge auf sich wirken.
Auch im O.K Centrum für Gegenwartskunst werden einige der diesjährigen Kunstwerke der Ars präsentiert, und zwar jene der Kategorie "CyberArts". Das sehen wir uns näher an.
Gerlinde spielt "TFT Tennis V180" mit Dirk Eijsbouts aus den Niederlanden, der das Teil ersonnen hat.
Hierbei handelt es sich um eine Pong-Variante im EyeToy-Zeitalter: Jeder Spieler bewegt seinen Bildschirm, der gleichzeitig Schläger ist, im Halbkreis um so den virtuellen Ball zu retournieren. Charmant.
Die Flammen in diesen Vogelkäfigen haben eine Besonderheit: Sie können sprechen. Radioansprachen aus den 30er Jahren (Stalin, Hitler, Mussolini, Roosevelt) werden auf ihre elektrischen Signale zerlegt, die dann die Gasflammen so modulieren, dass diese die Ansprachen wieder in hörbare Schallwellen umwandeln. Beeindruckend.
Bei "gravicells" wird die Schwerkraft digital simuliert. Bewegungen der Besucher verändern Sound, Licht und Visuals. Hübsch.
Wie klingt Homer Simpson?
Das Motto der heurigen Ars ist "Hybrids". Da kommt "SonicWireSculptor" von Amit Pitaru aus den USA gerade recht.
Der SonicWireSculptor ist eine Mischung aus 3D-Zeichentool und Musikinstrument und funktioniert sehr intuitiv. Alles, was man zeichnet, wird als Klang wiedergegeben. Ein Punkt etwa ist eine kurze Note, perkussiv. Bleibt man mit dem Stift länger auf dem Bildschirm, zeichnet man eine lange Note und der Sound klingt dann eher flächig.
Das virtuelle Zeichenblatt ist gleichzeitig auch Notenblatt: Unten ist es bassig, je weiter oben man zeichnet, desto höher die Frequenz. Die eingegebenen Linien und Striche formen dann immer einen Loop, der sich wiederholt. Gelungene Stücke können per Knopfdruck gespeichert und ebenso schnell wieder abgerufen werden. Einige Zeichentalente waren schon vor Ort und haben unter anderem bewiesen, dass Homer Simpson recht schrullig klingt. Wie passend!
Ein ausgewogenenes Klangbild: Amit Pitaru führt sein Projekt vor und füllt das gesamte Frequenzspektrum. Vorbildlich.
Bei "MILKproject" wird per GPS-Satellitennavigation der Transport der Milch von lettischen Milchbauern bis hin zum Verbraucher in den Niederlanden kartografiert. Wer ist aller an der Transportkette beteiligt, was sind die Geschichten und Lebensumstände dieser Personen? Spannend.
Einer der heurigen Besuchermagneten ist "Run Motherfucker Run" von Marnix de Nijs, ebenfalls aus den Niederlanden. Lichtsensoren auf dem Laufband bemerken, ob man schnell, langsam oder gar nicht läuft, ebenso das projizierte Video. Schweißtreibend.