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Wien | 7.9.2005 | 20:16 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Österreich spüren
  Im Jubeljahr wollen nicht alle jubeln. Oder zumindestens nicht so, wie es uns von politischer Seite nahe gelegt wird. In all dem Trubel um Österreich als Staat, Österreich als freies Land, Österreich als europäisches Land, usw. drängt sich die Frage auf, was dieses Österreich denn eigentlich ist. Was formt eine Nation, was ist ihre Identität? Und am wichtigsten: Wie kann man ein Land, eine Nation spüren?
 
 
 
Nationalhymnen von A bis Z
  Miki Malör, Wiener Performance-Künstlerin und quirlige Querdenkerin nutzt die diesjährigen Feierlichkeiten dazu, die Nationenfrage auszuweiten - auf die ganze Welt. Sie hat sich durch alle 194 Nationalhymnen gehört, die es weltweit gibt und sie auf Herkunft, Ästhetik und Wirkung hin analysiert. Gut ein Viertel davon gibt es im Theaterstück "nationalHYMNEN" zu hören. Vorgetragen werden die Musikstücke entweder von Miki Malör selbst oder dem 31-köpfigen Gegenstimmen-Chor. Der stellt quasi das Volk, die Menschen dar, für die die Hymnen gedacht sind und gemacht wurden.

"Es ist eine Art Visualisierung. Das Interface zum kleinen Bürger, um sowas Abstraktes wie einen Nationalstaat empfinden und wahrnehmen zu können.", so Johannes Grenzfurthner von monochrom.

 
 
Die Hymne als Über-Pop
  Das Wiener Künstlerkollektiv monochrom sorgt bei "nationalHYMNEN" für den theoretischen Überbau. Grenzfurthner und Harald List sitzen im Stück an einem Tisch und philosophieren über das Wesen und die Wirkung einer Hymne.

Das dient dramaturgisch vor allem zur Auflockerung der Hymnen-Performance. Miss Malör und der Chor sorgen im Laufe der Aufführung zwar durch das unterschiedliche Vortragen der verschiedenen Hymnen, einer vielseitigen Choreographie und dem Spielen mit Requisiten für Abwechslung - trotzdem wird das Stück stellenweise monoton. Denn fast alle der Nationalhymnen - ob sie nun aufpeitschend, erhaben, heiter oder feierlich angelegt sind - sind sich in vielen Punkten ähnlich. Sie sind pathetisch und völlig kompromisslos. Eine Nationalhymne muss immer berühren, das "Wir sind die Besten"-Gefühl möglichst direkt emotional vermitteln. Diese Gemeinsamkeit ist in jedem Musikstück zu hören.

 
 
Die Visuals sorgen dafür, dass das Publikum weiß, welche Hymne gerade vorgetragen wird. Auch wichtige Diskursfetzen von Grenzfurthner und List poppen dort auf.
 
 
Feine Idee, bestmögliche Umsetzung
  Die Idee, sich mit Nationalhymnen auseinanderzusetzen und die fragwürdigen Elemente und Worte, die mit der Verbildlichung einer Nation per se verknüpft sind (Vaterland, Kampf, Einzigartigkeit, Ewigkeit, etc.) herauszunehmen und darzustellen, ist großartig.

Auch die Umsetzung ist, von stellenweise etwas plakativen Darstellungen abgesehen, gut gelungen. Obwohl "nationalHYMNEN" keine Geschichte erzählt und es im Stück keine klar definierten Figuren gibt, entwickelt man im Laufe der Aufführung wegen der abwechslungsreichen Choreographie einen vertrauten Bezug zu den SpielerInnen.
 
 
 
 
 
10 Vorstellungen
  nationalHYMNEN ist noch acht Mal im Wiener dietheater Künstlerhaus zu sehen. Die Termine sind 8.-10. und 13.-17. September.
 
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Das Theater

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Der Chor

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Die Theorieneigungsgruppe
   
 
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