Der Nationalfeiertag wird bei FM4 seit fünf Jahren anders gefeiert. Musikalisch nämlich: Am 26. Oktober 2001 ist der Soundpark erstmals im Netz und natürlich auch im FM4 Radio aufgetaucht: Als Label für "homegrown music" aus Österreich und Umgebung.
Der Soundpark hat in seinen ersten fünf Jahren gezeigt, wie vielfältig und umfangreich die hiesige Musikszene ist und so war es auch kein Wunder, dass die große Geburtstagssause, der FM4 Soundpark-Clash, zu einem Spektakel wurde, an das sich die BesucherINNEN wohl noch länger zurückerinnern werden.
Weiße Bühne versus Rote Bühne
Das Konzept ist so einfach wie genial: Mehrere Bands spielen live - allerdings nicht bloß auf einer Bühne, sondern auf zwei, die sich gegenüberliegen. Bevor man sich selbst im Wiener WUK ein Bild davon machen konnte, war das ja trotz der simplen Idee nicht so ganz klar vorstellbar. Doch gestern, am Feier-Donnerstag, stand dann recht schnell fest: Es war ernst gemeint!
Dort, wo normalerweise das große Mischpult steht, ist plötzlich eine zweite Bühne - die Techniker haben sich zwischen den beiden Bühnen an den Rand des Raumes verzogen. Noch bevor der eigentliche Clash los geht, spürt man die Neugier und Spannung im großen Veranstaltungssaal des WUK. Wie das wohl werden würde?
Lange Schlange: Der Vorverkauf für den Soundpark-Clash war zwei Tage davor bereits ausverkauft. Die Abendkassa hatte bereits ab 18 Uhr regen Zulauf ...
Trishes on the decks: Bevor es clashte, zeichnete sich Soundpark-Urgestein Stefan Trischler für die Musikauswahl im großen Saal veranwortlich.
22 Uhr
Dass hier etwas anders ist, merkt man zum ersten Mal, als man sich überlegt, wo man stehen soll. Eher nach vorne gehen? Nach hinten? Aber halt - vorne ist hinten und hinten ist vorne! Doch die Mitte? Viel Zeit zum Nachdenken und Herumgehen bleibt aber ohnehin nicht. Der große Saal ist gesteckt voll und schließlich ist es soweit. Zwei Moderatoren - für zwei Bühnen - läuten den etwas anderen Konzertabend ein.
Auf der linken Bühne: Gerald Votava.
Auf der rechten Bühne: Mirjam Unger.
The Staggers vs. Beautiful Kantine Band
Die erste Begegnung: The Staggers, Psychobillys aus Graz, treffen auf die Beautiful Kantine Band aus dem Burgenland, die sich dem Sixties-Pop verschrieben haben. Beide Bands beziehungsweise deren Mitglieder sind keine Kinder von Traurigkeit, und so kommt es, dass bereits in den ersten Minuten des FM4 Soundpark-Clashs eine unglaublich intensive und euphorische Stimmung entsteht: Wild und gut gelaunt wirbeln beide Bands in ihren schicken Outfits mit ihren Gitarren über die zwei Bühnen und werfen sich kecke Kommentare zu. Als dann sogar eine Nummer gemeinsam gespielt wurde, ist der Abend bereits innerhalb von 20 Minuten zu etwas ganz besonderem geworden.
The Staggers
Beautiful Kantine Band
"Schaut mal, da drüben!"
"Traut euch nur, Kantine!"
Silicone Pumpgun vs. Zeebee
Nach dem Rocknroll- und Beat-Wahnsinn wird es wesentlich weiblicher, ruhiger und elektronischer: Soundpark-Celebrity Zeebee, die für ihre Vocal-Remixes von diversen Soundpark-Artists bekannt geworden ist, trifft auf die sleazy Elektropopband Silicone Pumpgun.
Barca Baxant von Silicone Pumpgun, wie immer auf der Bühne in eifriger Bewegung.
Zeebee
Waxolutionist vs. Mediengruppe Telekommander
Als durch die Anmoderation klar wird, dass in der dritten Paarung die Mediengruppe Telekommander die Bühne entern wird, geht ein fröhliches Jubeln durch die Menge. Es wird klar: Die gemütlichen Turntableisten von den Waxolutionists werden keinen leichten Stand gegen den Kreischelektropunk der beiden Telekommandierer haben. Doch ganz so klar ward das Match dann doch nicht geschlagen ...
Bild dir deine Meinung!
Die da?
Oder doch wir?
I-Wolf vs. Attwenger
Die vierte und letzte Paarung sieht auf den ersten Blick als die experimentellste aus: Verschrobener und gegen den Strich gebürsteter Ziehharmonika-Pop gemeinsam mit irie Groove-Elektronik? Doch bekanntermaßen ziehen sich gerade die scheinbaren Gegensätze besonders an. I-Wolf und Attwenger haben schon vor dem Soundpark-Clash gemeinsam Musik gemacht. Kein Wunder also, dass hier keinerlei Berührungsängste zwischen den beiden zu spüren sind, wenngleich es schon etwas schräg ist, wenn da ein englisch rappender MC auf Markus Binders oberösterreichischen Dialekt-Dada-Gesang trifft.
Wolfgang Schlögl, der I-Wolf, hat bereits im Vorfeld des Clashes verraten, dass die beiden Acts gemeinsam das sogenannte droning vollziehen werden, was soviel bedeutet, wie, dass man sich in langen, tranceartigen Stücken verliert. Und das passiert dann auch: I-Wolf versus Attwenger wird der längste Clash des Abends, aber auch der gemeinsamste: Fast immer spielen die beiden mitsammen und synchron im Beat.
Dreh und drück: I-Wolf an den Gerätschaften.
Ohne die Quetschn undenkbar: Attwenger
Geglückter Abend
Nach zwei Stunden Doppelbühnenaction ist es klar: Die wilde Idee des Soundpark-Clashes hat auch in der Praxis perfekt funktioniert und es wäre kein Wunder, würde FM4 diesem Projekt schon bald einen zweiten Teil verpassen.
Das Ensemble verabschiedet sich ...
Ka-ra-o-ke
Doch halt, es ist noch nicht vorbei: In der kleinen Halle wartet noch die Beautiful Kantine Band gemeinsam mit DJ Drehli Robnik und Indiekaraoke-Experten Albert Farkas auf mutige Freiwillige für den Austro-Karaoke Wettbewerb ...
Zehn Songs gibt es zur Auswahl, "rip" probiert einen der Schwierigsten von ihnen: "Ganz Wien" von Falco. Am Anfang haperts ein bisschen beim Einsatz, aber die wilden Gesten machen alles wieder wett. Selbstsicherheit ist eben alles!
Auch FM4 Stars zeigen ihre Gesangeskünste. Hermes (links) geht es noch dezent an, aber Martin Blumenau kann seine Trällerleidenschaft einfach nicht mehr länger im Zaum halten ...
Entspannt und entspannend: Andreas Ederer aus der Musikredaktion beschallt den großen Saal nach dem Clash mit langsam-dubbiger Elektronik. Rechts zu sehen: Festivalexpertin und House-of-Painerin Nina Hofer.