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Wien | 28.1.2007 | 03:36 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Protestsongcontest 07: Die Vorausscheidung
  Alles bleibt besser. Wenn schon nicht in der Welt, dann zwangsweise beim Protestsongcontest. Einige neue Themen sind heuer hinzu gekommen: Klimawandel, Mozartjahr, Demonstrationskultur, DDR-Nostalgie, Natur pro und contra. Die Dauerbrenner waren natürlich auch wieder mit von der Partie: George Doubleyou, Bundeskanzler-Bashing, Aufruf zur Zivilcourage und Globalisierungskritik in unterschiedlichen Detailstufen.

Wie schon in den letzten Jahren ist bei freiem Eintritt zur Protestsongcontest-Vorausscheidung geladen worden. Nur die Halle hat gewechselt: Vom Kongresshaus am Wiener Margaretengürtel ist man heuer ins "Haus der Begegnung" im 15. Bezirk gewechselt. Wer schon in den Vorjahren dabei war, musste sich aber nicht groß umgewöhnen, denn die beiden Säle gleichen räumlich und optisch wie eine Holzvertäfelung der anderen.
 
 
 
Gleich geht's los. Das Publikum in gespannter Erwartung vor den diesjährigen Protestierern.
 
 
25 Vorfinalisten
  Auch heuer sind wieder weit über 200 Einsendungen eingetroffen, aus denen die Vorjury zunächst gewissenhaft 25 Vorfinalistensongs ausgewählt hat. Die knappe Hälte davon hat live im Haus der Begegnung gespielt, bei den CD-Zuspielungen waren bis auf wenige Ausnahmen die KünstlerInnen zumindest vor Ort anwesend.

Wie im Vorjahr hat auch heuer wieder Mathias Zsutty, Protestsongcontest-Koordinator seitens FM4, durch den Abend geführt. Die Jury hat sich im Vergleich zu 2006 mengenmäßig halbiert. Das erleichtert die Feedback-Runden und bringt es mit sich, dass sich jedes Jurymitglied gleich stark einbringt.
 
 
 
Jurymitglieder, von links nach rechts: Johannes Luxner (CITY), Manfred Gram (the gap), Anne Kathrin Fessler (derStandard.at).
 
 
Die Freischwimmer AG - der erste Liveact. "Eigentlich schade" meinen sie, dass dem fragwürdigen Treiben der Menschheit durch Naturgewalten bald ein Ende gesetzt wird.
 
 
Das Wienerlied ist beim Protestieren eine nicht unbeliebte Ausdrucksform. Heuer war Andreas Julius Fasching dafür verantwortlich, dass uns Gumpoldskirchner und Liptauerbrot im Hals stecken bleiben.
 
 
Bei dieser Formation hab' ich kurz meine objektive Berichterstatterrolle über Bord geworfen. Nein, nicht wegen der jungen Dame links im Bild, sondern natürlich wegen des Songinhaltes. Firewall (der Bandname alleine ist schon super) wettert im Song "Zuviel Natur" gegen den (elterlichen) Terror des Sich-in-Freien-erholen-müssens. Famos! Und zurecht im Finale.
 
 
Mitzifranz treten mit bissigem Zynismus gegen das Asylgesetz und den Umgang mit schwarzen MigrantInnen auf.
 
 
Auch, wenn es danach aussieht: Das sind keine Fotos von der Klaxons-Releaseparty am Badeschiff. Vielmehr handelt es sich um den "Lobauer Frühling", die Musikneigungsgruppe der Lobaubesetzer. Sehr sympathisch: Erregen von Aufmerksamkeit für politische Anliegen durch Musik und Unterhaltung.
 
 
Zwischenauswertung
  Um die 25 Musikstücke besser fassen zu können, sind die Songs in fünf Blöcke aufgeteilt. Nach jedem Musikblock wird die Jury um ihre Einschätzung gefragt. Die Meinungen sind dabei durchwegs kritisch und divergent. Eindeutige Favoriten kristallisieren sich bis zum Schluss nicht heraus, so dass es bis zum Ende der Veranstaltung - der Verkündung der zehn Finalisten - spannend bleibt.
 
 
 
So, was kommt als nächstes? - Mathias Zsutty ist nicht nur perfekt vorbereitet, sondern hat immer auch das wichtige Nachschlagezettelwerk bei der Hand. Ein zufriedener Grinser ist da mehr als legitim.
 
 
Bemerkenswert: Eine 16-jährige Niederösterreicherin, die in Begleitung ungewöhnlicher Instrumentierung davon singt, wie es ist, wenn man sich nicht traut, gegen vermeintlich Stärkere aufzutreten. Obwohl der Song musikalisch keineswegs aggressiv ist, wird er sehr persönlich und wütend vorgetragen.
 
 
Den kennen wir doch! Manuel Normal, der Uptempofunkhop-Shootingstar aus dem Soundpark, hat seinen schon einigermaßen bekannten Song "Sicher ned du" auch beim Protestsongcontest eingereicht. Zurecht: Der Song ist nun ebendort im Finale. Manuel verspricht, dass er dort dann mit einer vollwertigen Band die Bühne entern wird.
 
 
Jammer ned, hüpf! Das Ska-Quartett Rare'n'Tasty bringt die gerne kritisierte österreichische Raunzer- und Jammer-Mentalität aufs Tapet. Allerdings mit jeder Menge Verve und Elan, wie hier unschwer zu erkennen ist. Ebenfalls im Finale.
 
 
Vor jeder Performance bzw. jedem Song gibt's ein Interview. Hier mit D. Camillo, der sein Dasein als Fleischesser kritisch und reflexiv betrachtet und in einen Song gegossen hat. Für so manchen Nicht-Vegetarier wohl wesentlich ansprechender als so manch militantes Tierschutzlied.
 
 
Mieze Medusa rappt zu den Beats von Tenderboy zu Schein-Revolutionen im Alltag, die nicht die ihren sind. Dafür ist Bühnenpräsenz ihre Sache: Nur ein Mensch und Mikro sind on stage, und trotzdem wird jeder Platz auf der Bühne gleichwertig ausgenutzt.
 
 
Bühnenperformance soll beim Protestsongcontest nicht in die Wertung einfließen. Deshalb: Gar nicht zu viel schauen und lieber auf den Text achten!
 
 
Ein Abend voller Kurzweil
  Die Zeit vergeht auch dieses Mal wie im Flug. Gut vier Stunden sind schnell vergangen und alle 25 Protestsongs der Vorausscheidung präsentiert. Die Jury zieht sich zur Beratung zurück bis sich gegen halb zwölf das Endergebnis anbahnt ...
 
 
 
Ruhe vor dem Sturm: Das Publikum erwartet das Endergebnis der Jury.
 
 
And the winners are ...
 
Darm
DIESELMENSCH.
Firewall
Jumbokoffer
Manuel Normal
MGD9
Mieze Medusa & Tenderboy ft. Violetta Parisini
Pitch Pipe Project
Rare'n'Tasty
Tiefseetaucher
 
 
 
So sehen SiegerInnen aus: Links die Herren von Tiefseetaucher, rechts Mieze Medusa und Tenderboy - zwei der zehn Acts, die es ins Finale geschafft haben.
 
 
Auf ins Finale
  Am 12. Februar werden die 10 Finalisten live im Rabenhof-Theater gegeneinander antreten, um den Protestsong 2007 zu ermitteln. Das Finale wird live auf FM4 übertragen. Karten kosten 15 Euro pro Stück und sind über den Rabenhof zu beziehen.
 
 
 
Das Vorfinale on air
  Einen Nachbericht zum gestrigen Abend kann man übrigens heute (Sonntag, 28. Jänner) im FM4 Gästezimmer (15-17 Uhr) und später - besonders ausführlich - im FM4 Soundpark (1-6 Uhr) hören.
 
 
 
fm4 links
  www.protestsongcontest.at

Der Protestsongcontest 2007 auf FM4
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