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Wien | 14.11.2007 | 17:31 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Kraftvolles Kinderspielzeug
  "It's an education project, not a laptop project." wird Nicholas Negroponte, der visionäre MIT-Forscher und Gründer des "One-Laptop-Per-Child" (OLPC) Projektes nicht müde zu betonen.

Diesen Satz muss man sich bei dem ambitionierten Projekt, das Anfang 2005 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, immer wieder vor Augen halten. Denn der in der Produktion billige Laptop aus preisgünstigen Komponenten, der Kinder in Ländern der zweiten und dritten Welt in Kontakt mit moderner Kommunikationstechnologie bringen soll, ist zwar nur Mittel zum Zweck. Und trotzdem: Das Gerät ist an sich schon so faszinierend, dass man zuerst mal zehn Minuten begeistert damit hantiert, bevor man wieder zum eigentlichen Sinn der ganzen Sache zurückkommt.
 
 
 
 
 
  Auch die österreichische Außenstelle von OLPC, die sich erst im Juni dieses Jahres formiert hat, stellt beim Besuch im FM4 Studio nach meiner sofortigen Begeisterung über die beiden mitgebrachten "100-Dollar-Laptops" gleich klar, dass das gesamte Design des Gerätes auf die Menschen und die infrastrukturellen Umstände in Ländern wie Peru, Uruguay oder Indien zugeschnitten ist.

Was als erstes auffällt: Der Laptop ist optisch und haptisch auf Kinderhände und rauhe Verhältnisse abgestimmt. Der "XO-1", so der offizielle Name des Gerätes, ist spritzfest, auffallend robust und in alle Richtungen dreh- und klappbar. Der Bildschirm ist von hoher Qualität, selbst wenn die Hintergrundbeleuchtung komplett deaktiviert ist. Direkte Sonneneinstrahlung, die auf üblichen Laptops dazu führt, dass man nichts mehr sieht, bietet beim XO-1 beste Arbeitsbedingungen.
 
 
 
Warum der Laptop "XO" heißt? Einfach das Logo mit dem stilisierten Kind näher betrachten ...
 
 
  Apropos Bildschirm: Direkt hinter dem Display ist die gesamte restliche Hardware versteckt. Der Grund dafür ist das in handelsüblichen Laptops oft lose Kabel, das die Komponenten mit dem Bildschirm verbindet und in weiterer Folge vermeintlich kaputte Geräte zur Folge hat. Webcam und Mikrophon sind eingebaut, Prozessor und Grafikchip für einfache Anwendungen optimiert. Festplatte gibt es gar keine - dafür einen ein Gigabyte großen Flash-Speicher. Geht dem langlebigen Akku mal der Strom aus, kann er mittels Muskelkraft (Jojo-artiges Ziehen am String Power Generator) wieder aufgeladen werden.

Ebenso verblüffend wie das Hardware-Design des XO-1 ist sein Betriebssystem. Werksseitig ist Linux installiert, das - wie gewohnt - frei konfiguriert und erweitert werden kann. Sollte durch zu viel Experimentieren mal nichts mehr gehen, ist per einfachem Tastendruck die Grundeinstellung wieder hergestellt. Besonders ins Auge sticht die spezielle Bedienoberfläche namens Sugar. Mit ihr wird das Arbeiten mit dem Laptop - auch gemeinsam mittels WLAN - so intuitiv wie möglich gemacht. Die alte Unterscheidung zwischen Programmen und Dateien wird dabei nach außen hin völlig aufgehoben, was bleibt sind reine "activities", wie etwa das (gemeinsame) Schreiben eines Textes.
 
 
 
Simon Dorner (links) und Christoph Derndorfer von OLPC Austria beweisen: Den 100-Dollar-Laptop kann man drehen und wenden wie man will.
 
 
Logistische Herausforderung
  Die finale Version des XO-1 wird bereits produziert und kann seit kurzem in den USA und Kanada bestellt werden (futurezone.ORF.at hat berichtet). Dabei gibt es zwei grundsätzliche Methoden: Einerseits Give One Get One, bei denen Privatpersonen den Laptop kaufen können und einen weiteren mitbezahlen müssen, der gespendet wird. Bei Give Many können Massenbestellungen ab 100 Geräten geordert werden - dieses Programm gilt allerdings nur für Regierungen und Bildungsinstitutionen und nicht für Private.

Weil derzeit noch nicht klar ist, wie groß die Nachfrage sein wird, ist der angepeilte Preis von 100 US-Dollar pro Gerät momentan nicht erzielbar. Zur Stunde kostet ein XO-1 circa das doppelte, laut OLPC Austria rechnet man aber mit einer Preissenkung bis auf 50 Dollar. Auch, wie die Geräte an die jeweiligen Zielorte geliefert werden und wer sie dort dann an die zuständigen Institutionen weiterleitet, ist derzeit eine noch unzureichend geklärte Frage.
 
 
 
Ebenso praktisch wie der 100-Dollar-Laptop selbst: Die von Helga Schmidt entworfene XO-1 Tasche Hänsel & Gretel.
 
 
Selbst mitmachen!
  OLPC ist eine der größten globalen non-profit Bildungsinitiativen - dementsprechend ist jede Unterstützung gerne willkommen. Egal, ob man als Programmierer Software (weiter)entwickeln möchte, Taschen entwirft (siehe oben) oder einfach nur Ideen einbringen möchte: Das Team von OLPC Austria freut sich über euer Engagement.
 
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  OLPC Austria
News und Infos über das Projekt sowie Kontaktmöglichkeit.

wiki.laptop.org
Das OLPC-Wiki mit allen technischen Details.
   
 
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