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Wien | 11.5.2008 | 15:36 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Philosophieren über Computerspiele
  Computer- und Videospiele sind immer wichtiger werdende Kulturprodukte und seit vielen Jahren ein finanzkräftiger Arm der Unterhaltungsindustrie. Dementsprechend gibt es auch im Ausbildungsbereich vielfältige Angebote, die unterschiedliche Aspekte der Videospiel-Entwicklung lehren.

Geisteswissenschaftliche Überlegungen und Forschungen sind dabei noch vergleichsweise unterrepräsentiert. Das beginnt sich langsam zu ändern, etwa mit international besetzen Tagungen wie der Philosophy Of Computer Games-Konferenz, die kürzlich auf der Uni Potsdam stattgefunden hat. Anlässlich dazu gibt es hier nun eine Mini-Serie zu drei unterschiedlichen Denkansätzen aus dem Bereich der game studies. Den Anfang macht ein Gespräch mit Leif Rumbke* über Games und Kinetik.
 
 
 
Games und Kinetik
  Was ist Kinetik?

Kinetik ist die Lehre der begründeten Bewegung. Bezieht man das auf Video- und Computerspiele, dann untersucht die Kinetik, wie sich welche Elemente auf dem Bildschirm bewegen und in welcher Relation zueinander sie es tun.

In welcher Form sind dabei der Spielablauf (Gameplay) und die jeweiligen Herausforderungen im Spiel relevant?

Ich glaube, dass das Gameplay massiv von der kinetischen Gestaltung abhängt, weil in vielen Spielen - etwa in allen Spielen, die in irgendeiner Weise geschicklichkeitsorientiert ablaufen - Erfolg oder Misserfolg von der Bewegung, also der Kinetik, abhängt.

Wieso ist dieser Schwerpunkt für dich wichtig?

Er ist aus einer künstlerischen Auseinandersetzung entstanden. Ich habe auch viel mit Spielentwicklung zu tun und versuche unter anderem mit diesem Ansatz, mich aus den Zwängen des game development zu befreien.

 Leif Rumbke
 
 
  Was reizt dich an den game studies, der geisteswissenschaftlichen Erforschung von Computer- und Videospielen?

Das liegt an meinem persönlichen Werdegang: Als gamer, als developer ... alles, was mit Computerspielen eben zusammenhängt, reizt mich, und das Alter (33, Anmerkung) bringt es jetzt vielleicht mit sich, dass es in die Theorie hinüber geht.

Eine Anregung in Bezug auf deine Ausführungen zu Kinetik in Games brachte das Thema Kinästhetik und in weiterer Form Tanzwissenschaften auf. Wie siehst du das fächerübergreifende, crossdisziplinäre Wesen der game studies?

Finde ich äußerst spannend, ist aber natürlich auch schwierig zu handhaben. Immer, wenn es etwa in die Ästhetik geht, wird es schwierig, weil es auch sehr subjektiv wird. Meine bisherigen Überlegungen, wie vorgeschlagen, mit Tanz zu verbinden, hatte ich ohnehin schon auf dem Plan - ich habe es nur bisher rausgeschoben, unter anderem, weil ich selbst kein Tänzer bin.

Welcher Zugang zu den game studies ist für dich der interessanteste?

Der eigenständige Zugang. Ich finde es problematisch, wenn an Spielen vor einem fremddisziplinären Hintergrund aus geforscht wird. Wenn sich Film-, Medien- oder LiteraturwissenschaftlerInnen dem Thema annähern: Gut und interessant, das ist aber für mich nicht game studies. Für mich bedeutet es, dass man wirklich von dem Spiel ausgeht und nicht von einer fremden Disziplin.
 
 
 
  * Leif Rumbke arbeitet seit 1998 als Freelancer in den Bereichen Programmierung, Konzeption, Gamedesign, Grafik, Animation und Schulung. Seine Arbeiten und Projekte wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet. Seit 2003 nahm er an über 20 Kunst- und Technologieausstellungen teil, beispielsweise an pong.mythos.
 
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