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Wien | 9.8.2008 | 16:09 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Fast so wie damals
  Wie jedes Festival, das seinem Namen alle Ehre machen möchte, liegt auch das SonneMondSterne (SMS) inmitten des charmanten Nichts, eingebettet in Wald, Wiese und Stausee des in Thüringen, Deutschland, gelegenen Örtchens Saalburg. "So hat das ja auch alles angefangen!" erwidert mir das deutsche Minimal-Duo Extrawelt, als ich sie auf die Open Air-Tradition des SMS anspreche. Früher hätten sie ihr ganzes Equipment auf illegale Parties geschleppt, die oft auch auf ländlichem Boden stattgefunden haben. Das ist jetzt weitgehend vorbei, die Traditionen wollen Extrawelt trotzdem hochhalten - zumindest musikalisch. Hier etwa, bei einem Elektronikmusik-Festival, das zwar ganz offiziell ist, wo es den Herren aber auch ganz gut gefällt.
 
 
 
Eigentlich musikalisch zu herausstechend, um mit dem beliebig gewordenen "Minimal"-Stigma behängt zu werden: Extrawelt, die live allerdings wesentlich geradliniger daher kommen als auf Platte. Da drauf klingen die Tracks weitaus hymnenhafter.
 
 
Eingehüllt im Cocoon
  Obwohl Extrawelt gar nicht exklusiv an Sven Väths Label Cocoon Records gebunden sind - sie veröffentlichen vielmehr auf einer Vielzahl von Labels - spielen sie diese Nacht im Cocoon-Zelt. Das erfreut sich bereits seit frühen Abendstunden großer Beliebtheit und büßt selbst von Partygrößen wie Simian Mobile Disco oder Fettes Brot, die derweilen die Hauptbühne bespielen, nichts von seiner Faszination ein. Die gutaussehende Tanzmeute ist über viele Stunden hinweg beseelt von bester Laune und rhythmischen Körperzuckungen.
 
 
 
 
 
 
 
Feeling So Real
  Der große Höhepunkt in dieser Nacht hat den harten Kontrast vom urbanen Manhattan hin zum ruralen Thüringen auf sich genommen und steht an, ein exklusives, über eineinhalbstündiges Live-Set abzuliefern. Da könnte man müde werden, wenn man sich gleich zu Beginn zu sehr auspowert, doch Moby ist das wurscht: Er läuft und springt von Anfang an wie ein überdrehtes Stehauf-Manderl quer über die Bühne, zieht wilde Grimassen, trommelt und tippt auf Drums und Keyboards. Verausgabung ohne Unterlass. Die als exklusiv angekündigte "LIVE:REMIXED"-Show stellt sich zwar als eher konventionelles Moby-Konzert heraus, das lässt dafür wie so oft kein Auge trocken.
 
 
 
"Dance, I say!"
 
 
  Was mich besonders freut: Der früh mit Techno in Berührung gekommene Mr. Hall hat zurück zu seinen Wurzeln gefunden und präsentiert alte und neue Rave-Hommagen aus seinem vielfältigen Repertoire - von Go über Feeling So Real bis hin zu neuen Stücken wie Disco Lies. Es wirkt so, als ob Moby während seines Gigs der Schalk im Nacken sitzen würde, wenn seine poppigen Songs, die live zusätzlich von einer Sängerin gestützt werden, dann mittendrin plötzlich mit kräftig gewebten Techno-Rhythmen verziert werden, die vornehmlich aus wild um sich schlagenden Congas, flirrenden Dance-Pianos, breiten Synthiespuren und natürlich der perfekten Bassdrum, bestehen. Dazu will der Meister aber auch eine entsprechende Reaktion. "Put your hands in the air!" - sprachs, und öffnete die gestreckten Arme gen Himmel.
 
 
 
Moby, leuchtend von nah ...
 
 
... und fern.
 
 
Wetter: wechselhaft
  Die Gatsch-Festspiele vom Vorjahr noch in guter Erinnerung, habe ich dieses Jahr nicht gezögert, die Gummistiefel einzupacken, um weitere Zerstörung von zart besaitetem Schuhwerk zu verhindern. Trotzdem habe ich mich nach genauer Beobachtung von Himmel und Zustand des Bodens schließlich doch für die bequemeren Chucks entschieden. Das geht bis circa Vier Uhr Früh auch gut, dann aber wird die immer kühler werdende Nacht von kontinuierlichem Regen begleitet - was dafür sorgt, dass nicht nur ich von den Open Air-Bühnen zurück in die Zelte flüchte. Doch das ist natürlich keine Notlösung - im Gegenteil. Selbst Live-Acts spielen um diese Uhrzeit noch, etwa die treuen Buben von Digitalism, die sich in bester Boyband-Manier gleich von Anfang das Mikro greifen und schmachtend hinein singen.
 
 
 
Im Spotlight des großen Zeltes: Jence von Digitalism
 
 
Yeah, woo-hoo, there's something in the air!
 
 
There is a party going on
  Es geht weiter: Mit Acts wie Großstadtgeflüster, MIA., Massive Attack und Johannes Heil. Den akustischen Tagebuch-Eintrag dazu gibt es morgen Sonntag im FM4 Festivalradio (13-17 Uhr) zu hören, Eindrücke in Wort und Bild danach selbstverständlich an dieser Stelle. Rave on!
 
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  Das SonneMondSterne-Festival auf fm4.ORF.at

www.sonnemondsterne.de
   
 
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