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Wien | 10.8.2008 | 20:18 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Make your own disco
  "So ist das eben: Wenn man ein Zehntel der Gage der Großen bekommt, hat man eben auch nur ein Zehntel des Publikums!" scherzt der Elektropop-Alleinunterhalter acid.milch&honig, der noch bei Tageslicht die kleine Bühne des SonneMondSterne-Festivals bespielt.

Dabei gibt es gar keinen Grund für Galgenhumor: Der Mann hat ausgeprägte Musikbastel- und Entertainer-Qualitäten und entpuppt sich während seines Gigs zum Geheimtipp: Was ist denn das da unten? Da schauen wir hin!
 Der Fliegenpracker - das neue Raver-Accessoire?
 
 
Der Elektropop-Emopunk am Werk: acid.milch&honig strotzt vor Performer-Leidenschaft.
 
 
Before sunset
  Bevor es wieder dunkel wird über den Zirkuszelten des SMS, kann man noch locker und schnell zwischen den Orten des Geschehens wechseln. Doch die Partymeute steht schon in den Startlöchern und lädt nur noch die Batterien voll auf, damit für die kommende Nacht wieder genug Arschwackel-Energie vorhanden ist. Bis es soweit ist, kann man noch im Broken Harmony-Tent zu Drum'n'Bass-Beats den ausladenden Ausdruckstanz üben. Viele sind heute noch nicht hierher gekommen, und gebrochene, schnelle Beats sind generell nichts, was in Deutschland auf breites Interesse stößt.
 
 
 
Spiegelungen im Broken Harmony-Zelt.
 
 
 
 
Females at the front
  Frauen sind unter den Artists spärlich gesät - wenn dann gleich drei Bands mit weiblichen Frontpersonen in Serie auftreten, ist das eine unübliche, erfreuliche Ausnahme. Während auf der großen Open Air-Bühne Mieze von Mia. Tücher durch die Luft wirbelt, bürsten im Main Circus zuerst Großstadtgeflüster ihr Publikum gegen den Strich, das danach von Klee mit versöhnlicheren, dafür stellenweise wiederum etwas zu zahmen Popsongs in harmonischere Gefilde geleitet wird.
 
 
 
Großstadtgeflüster
 
 
Klee
 
 
Surfing the people
  Nun ist es aber Zeit für gepflegten Wahnsinn. Es werden übergroße Rettungsringe, Schlauchboote und Trampoline auf die Bühne getragen und breite Stufen aufgebaut, wie man sie aus TV-Shows kennt. Die Menschendichte im großen Zelt nimmt rasant zu und bald schon hört man erste "Deichkind"-Chöre. Nach gewissenhafter Finalisierung des Bühnen-Setups schallen dann auch schon die Stadion-Tröten gen Publikum, das das laute Intro mit einem gleichlauten Gröhlen auch sofort erwidert.
 
 
 
Ein neues Deichkind namens Ferris
 
 
  Keine Frage: Die Live-Dynamik der Elektro-HipHopper mit der Garantie zur Brachialparty - Deichkind eben - sucht ihresgleichen. Die Crowd ist innerhalb weniger Minuten zum ultimativen Freakout mobilisiert und stellt sich willig als lebendes Meer für die Bootsfahrten der Deichkinder zur Verfügung. Nachdem ich rund 40 Minuten Zeuge dieses Happenings geworden bin, stelle ich die Verblüffung wieder ein, mache meinen Mund zu und schlage mich geistesgegenwärtig von knapp vor der Bühne zum Ausgang des Zeltes auf der anderen Seite. Dieses Unterfangen nimmt geschätzte zehn Minuten in Anspruch. Als ich draußen bin, habe ich kurz Lust so ein T-Shirt mit "Ich habe ... überlebt"-Aufdruck tragen zu wollen.
 
 
 
Skandal und Remmidemmi
 
 
Ruhe am Wasser
  Ich suche mir Entspannung am Stausee, wo verliebte Pärchen vor dem 'Freshboat' - dem Techno-Schiff mit Live-DJ - in den romantisch blinkenden Sternenhimmel schauen und sich vorstellen, es wären LEDs auf der Drummachine.
 
 
 
 
 
  A propos Drummachine: Im Cocoon-Zelt ist in dieser Nacht auch wieder einiges los in Sachen perkussivem Drone und kühl knatterndem Techno-Funk: Der dunkle Lord des Düster-Minimals, Johannes Heil lädt zu seinem Live-Set, das er uns hochkonzentriert eineinhalb Stunden lang serviert. Leider kommt das, so wie am Vortag bei Extrawelt, wieder etwas zu geradlinig daher und nicht so divers wie auf Platte. Trotzdem macht sich der Heilstyle auch in der Live-Version bezahlt.
 
 
 
Johannes Heil
 
 
Slow grooves for dark nights
  Je tiefer die Nacht, desto kälter das Festivalgelände. Etwas ärgerlich, dass Massive Attack, die mit ihren langsamen, düsteren Grooves, stets kontrastreich mit seelenvollem Gesang gebrochen, uns 20 Minuten frieren lassen anstatt uns mit guter Musik zu wärmen. Spätestens nach dem zweiten Song sind die negativen Gedanken aber wieder verflogen: Massive Attack präsentieren ein aufwändiges und vielseitig gestaltetes Konzert, mit zwei Drummern, vier Sängern/Sängerinnen, Gitarren und diverser Elektronik. Die entspannte, aber zu jedem Zeitpunkt sehr intensive Atmosphäre des Konzertes bestätigt den langjährigen, exzellenten Ruf des Acts, der sich der TripHop-Schublade schon länger erfolgreich entledigt hat.
 
 
 
Massive Attack
 
 
Und kurz nachdem Robin aus dem Batcave kroch, fand er sich am Tanzmusikfestival wieder.
 
 
  So wie Weihnachten ist auch das SonneMondSterne schneller um, als einem lieb ist. Nach dem Massive Attack-Konzert folgt noch das traditionelle Feuerwerk über dem See, das diesmal einen perfekten Spannungsbogen verpasst bekommt: Erst nach ein paar Minuten folgen die wirklich großen Leuchtkugeln, die die dazugehörigen "Aaahh!"s und "Ooohh!"s evozieren.

Danke, SMS, es hat wieder Spaß gemacht und du hast erneut vielen Leuten ein unterhaltsames Wochenende zwischen Konzertgenuss und Tanzextase beschert.
 
 
 
Look up ...
 
 
... and party on!
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  Das SonneMondSterne-Festival auf fm4.ORF.at

www.sonnemondsterne.de
   
 
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