Social Software wie MySpace, Facebook, Twitter und Co. sind ja dazu da, dass wir dort selbst die Inhalte gestalten können und uns gegenseitig kennenlernen und in Kontakt bleiben. Leider ist es mit der inhaltlichen Substanz der Web 2.0-Plattformen trotz hoher User-Beteiligung aber meist nicht weit her und oszilliert um belanglose Mitteilungen wie "nice pic!!1" oder "bin gerade einkaufen".
Busuu.com spielt in einer anderen Liga: Hier geht es vorrangig ums Sprachen lernen. Allerdings nicht mittels verstaubter Frontal-Didaktik, sondern einer intuitiven, interaktiven Oberfläche: Die User sind gleichzeitig Lernende und Lehrende.
Sprechen mit Muttersprachlern
Der Name Busuu kommt von einer Sprache aus Kamerun, die angeblich derzeit von nur von acht Menschen weltweit gesprochen wird. Auf busuu.com konzentriert man sich derzeit aber noch auf gängige Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch. Die Aufgaben sind: Vokabeln lernen, Sprachverständnis üben, Schreiben, und vor allem: mit Muttersprachlern reden. Die Möglichkeiten von Web-Communities sind fürs Sprachen lernen wie geschaffen. Bisher ist aber niemand so wirklich auf die Idee gekommen, eine passende Plattform einzurichten, und so haben zwei ehemalige Betriebsökonomie-Studenten, Adrian Hilti (Liechtenstein) und Bernhard Niesner (Österreich) von Madrid aus die Initiative ergriffen.
Neuer Markt
Die beiden Jungunternehmer haben schnell aus einer Idee eine kleine Firma gemacht. Weil sie selbst keine Fachkompetenz als Lehrende haben, sind professionelle Ausbildner engagiert worden, die die Inhalte und Übungen auf busuu.com erstellt haben. Die User eigene Lerninhalte erstellen zu lassen - das wäre dem Team in Bezug auf seriöse Didaktik, der Busuu trotz aller Verspieltheit zu jeder Zeit treu bleiben will, aber zu riskant.
Doch auch so gibt es auf der Plattform viel zu tun. Der Claim lautet "the language learning community". User füllen Sprachübungen aus und verbessern ihrerseits mit der Kompetenz der eigenen Muttersprache die Übungen der anderen. Die Plattform ist erst seit Mai 2008 online, doch weil die Konkurrenz noch auf sich warten lässt, haben sich bis heute weit über 20.000 User registriert, von denen immer zwischen 50 und 100 eingeloggt sind. Die Nachfrage ist groß.
Freier Zugang
Derzeit ist Busuu ist in der offenen Beta-Phase. Die meisten Inhalte sollen auch weiterhin kostenfrei verfügbar bleiben, langfristig setzt man aber auch auf kostenpflichtige Zusatzangebote. Das Ausprobieren der Plattform zahlt sich aus: Busuu ist in der Benützung zugänglich, hat eine freundliche, einladende Optik und ein intuitives Design. Per Voicechat ist man in wenigen Klicks mit anderen Usern in Sprachverbindung - sofern man das möchte.
Wenn alles gut geht, wird die Anzahl der Sprachen bald expandieren. Schon jetzt kann man einen Ersteindruck davon bekommen. Die Busuu-Macher haben als charmanten Marketing-Gag Informationen und eine erste kleine Übung zur Pfeifsprache Silbo Gomero online gestellt, die auf der hügeligen, spanischen Insel La Gomera zwecks Kommunikation über große Distanzen hinweg gepfiffen wird. Busuu verschafft der fast ausgestorbenen Sprache so einen frischen Popularitätsschub. Da sage noch einer, die Sprachkultur des Web beschränke sich auf mit verkümmerten Satzteilen gespickte Chaträume.