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Wien | 9.11.2008 | 22:19 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
World Cyber Games 2008
  "Die Olympischen Spiele im eigenen Land. Gibt's etwas Besseres?" schwärmt der deutsche Trainer Josh Vögeding. Er leitet sein 40-köpfiges Team aus Computerspiel-Sportlern, die bei den diesjährigen 'World Cyber Games' (WCG) in fast allen der 14 Disziplinen stark vertreten sind.

Das große, deutsche Team ist die Folge der jüngsten Host-City des WCG-Finales: Köln. Die größte internationale Veranstaltung für elektronischen Sport, eine Erfindung aus Südkorea, wird ihrem Namen seit 2003 gerecht und bereist die Welt.
 
 
Traditionen der echten Olympischen Spiele werden übernommen. Auch in Halle 8 der riesigen 'koelnmesse' werden während der 'World Cyber Games' jede Menge Fahnen getragen, auf- und umgehängt.
 
 
Open up
  Bewusstsein und Respekt dafür, dass professionelles Computerspielen sportliche Disziplinen sein können, formt sich in Europa erst langsam. Nach dem eher mauen Europa-Debüt der WCG im italienischen Monza 2006 (FM4 hat berichtet) ist das Publikums- und Medieninteresse zwei Jahre später besser. Das liegt auch am Standort: Köln arbeitet schon seit einiger Zeit an seinem Plan, die wichtigste Stadt für Games-Kultur im deutschsprachigen Raum zu werden. Hier sitzen Electronic Arts, GIGA TV und ab 2009 findet die Videospielmesse 'GAMESCom' statt. Abgesehen davon gilt Deutschland als Europas erfolgreichste eSports-Nation.
 
 
 
Der Einzug der Nationen. Es sind so viele, dass bald der Eingang versperrt ist.
 
 
Rising high
  Obwohl nach wie vor Skepsis vorhanden ist und etwa das ZDF in einem Beitrag über die WCG moniert, dass es gut sei, dass Jimi Hendrix 'Guitar Hero' nicht mehr miterleben musste (fragt sich nur: warum?), gibt es wenig Anlässe dafür, die CyberathletInnen-Veranstaltung nicht ernst zu nehmen. Veranstalter und Hauptsponsor bieten (fast) alles, was echte Olympische Spiele brauchen: International vernetzte Organisation, stattliche Preisgelder, straffes Regelwerk, gute Kontrolle und natürlich viele teilnehmende Länder. Über 70 sind es heuer, darunter auch vier afrikanische Staaten. Nur das Olympische Feuer ist verhältnismäßig mickrig ausgefallen: Es pixelt links neben der großen Bühne etwas müde vor sich hin.

 
 
 
 
Schwer zugänglich
  Ein aufmerksamer Rundgang durch die große Messehalle, in denen die WCG stattfinden, macht schnell klar, dass es hier wenig Attraktionen gibt, die für Uneingeweihte Sinn machen oder gar Unterhaltung bieten. Die Games-Disziplinen werden in abgegrenzten Bereichen gespielt, bei denen der Zutritt für Nicht-Spieler verboten ist. Wer als Zuseher ein Match mitverfolgen möchte, muss hoffen, dass sie oder er einen guten Platz hinter der Umzäunung ergattert. Selbst in pole position gestaltet sich das Mitverfolgen eines Spieles sehr mühsam. Wer wann gegen wen wo spielt, ist nicht klar ersichtlich, eine direkte Sicht auf die Screens ist nicht selbstverständlich. Es gibt keine Ankündigungen und Großbildschirme, selbst der Zeitplan ist nur via Web herauszufinden oder durch mühsames Durchfragen bei den Schiedsrichtern.

Genau gegenteilig ist der Zustand bei der Hauptbühne: Es gibt große Vidiwalls, Sitzgelegenheiten für mehrere hundert Personen und die Matches werden allesamt kommentiert (im Saal: Landessprache, im Web: Englisch und Koreanisch). Auch die legendären Glaskobel für die Spieler, die man als Europäer sonst nur von Bildern und Videos her kennt, sind aufgebaut.
 
 
 
 
 
Bronze für Team AUT
  Für Kenner, Teilnehmer und Trainer sind die 'World Cyber Games' freilich auch abseits der großen Bühne ein jährlicher Höhepunkt, bei dem eine spannungsgeladene Situation der nächsten die Hand gibt. Clemens Schneidhofer, Leiter von Team Österreich, zeigt sich am zweiten Spieltag von der bisherigen Leistung seiner 16 Schützlinge zufrieden. In den Titeln 'FIFA 08', 'Command & Conquer 3', 'Project Gotham Racing 4' und 'Virtual Fighter 5' werden die Gruppenphasen überstanden. Zwei Tage später ist klar: Einer der jüngsten heimischen Teilnehmer, Stefan Königsmark alias SteVeK, holt sogar Bronze.
 
 
 
Der zweite 'Project Gotham Racing'-Spieler aus Österreich und mit 27 einer der älteren Teilnehmer übersteht die Gruppenphase leider knapp nicht. Dafür hat er die Freude, auf der Hauptbühne spielen zu dürfen. (Übrigens heißt der Mann 'Wildauer', nicht 'Wildaner'.)
 
 
Dabei sein ist alles: Laurenz Brand alias Bananenbrot (rechts) gewinnt in Köln nur eine Plastikgitarren-Partie, kann sich trotzdem zum stolzen Stab der rund 800 WCG-Finalisten zählen.
 
 
Ungleiche Verhältnisse
  Ganz ausgeglichen sind die Kräfte trotz olympischen Sitten leider nicht. Aufgrund der Tatsache, dass die WCG nahezu gänzlich von privaten Sponsoren finanziert werden, variert die Größe der nationalen Teams stark. Manche Länder können nur eine Handvoll SpielerInnen ins Rennen schicken, andere wiederum haben aufgrund einer besseren Sponsorsituation markante Startvorteile. Österreich hat hier (trotz anhaltendem "Underdog"-Status) eine vergleichsweise gute Position. Gegen das eSports-Kernland Südkorea sowie die Deutschen, die neben dem umfangreichen Team auch über diverse Besonderheiten wie Teambus und Therapeutinnen verfügen, ist dennoch wenig Kraut gewachsen.

Trotzdem fällt das Gesamtergebnis vielfältig aus und die Medaillen sind breit gefächert: Von italienischen Plastikgitarrenmeistern und britischen Rennprofis bis hin zu asiatischen Strategiezauberern und skandinavischen Schießexperten werden die diesjährigen 'World Cyber Games' ihrem hohen Anspruch gerecht: Dem Kennenlernen von Menschen über Ländergrenzen hin.

 
 
Jubel beim koreanischen 'Counter-Strike'-Team beim Sieg über Brasilien. Wirklich gewonnen hat dann aber jemand anderer.
 
 
Expansion Pack
  Wer über detaillierte WCG-Geschehnisse in Sachen 'StarCraft' und unsere diesbezügliche neue Spieler-Hoffnung lesen möchte, sei auf diesen, von mir aktuell verfassten Fachbericht verwiesen.
 
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