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Wien | 9.11.2008 | 22:19 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
I <3 SC
  Nach den Feierlichkeiten anlässlich des 10. Geburtstags von 'StarCraft' (SC) stellt sich die Frage, wie lange die von Südkorea ausgehende Euphorie in der gegenwärtigen Intensität halten wird. Zweifellos ist SC die Blaupause dafür, dass eSports mittlerweile reif für klassische Disziplinen ist, die über Erscheinungsdaten und Verkaufsstatistiken erhaben sind.

Gemeinsam mit 'FIFA' als einziges Spiel seit den Beginn der 'World Cyber Games' (WCG) im Jahr 2000 mit dabei, deutet weiterhin nichts darauf hin, dass die Popularität des Echtzeitstrategie-Königs schwinden sollte. Im Gegenteil: Die SC-Matches auf der großen WCG-Bühne in Köln waren immer auffallend gut besucht. Die Fans wollen Fans bleiben, jetzt wohl erst recht, wo man erstmals auf eine längere, sportliche Geschichte zurückblicken kann - etwas, dass bei so vielen anderen Games schon zu Frust geführt hat, weil im darauffolgenden Jahr ein neuer Teil erschienen war oder sich das jeweilige Spiel als doch nicht so toll entpuppt hat. 'StarCraft' ist geblieben und bleibt weiterhin.
 
 
Wieder erwachtes Interesse
  Leider wird beim dauernden Beschuss der Industrie mit neuen Produkten auch der beständigste Titel irgendwann mal in die hinteren Reihen gedrängt. Bevor 'StarCraft II' Mitte 2007 angekündigt wurde, ist die Popularität des Originals außerhalb Koreas auf ein Minimum gesunken, was natürlich auch daran lag, dass wir seit 1998 nun mindestens schon bei der dritten Spieler-Generation angekommen sind. Generationenkonflikt gab's seither keinen. Wie auch? Man hat sich untereinander ohnehin nie ausgetauscht. Kaum jemand, der von 99 bis 01 SC gespielt hat, kann mit heutigen Spielern und Matches etwas anfangen und umgekehrt.

Der 22-jährige Niederösterreicher Rupert Soyka alias ETBrood, den ich bereits beim Österreich-Finale der WCG im Wiener Rathaus begleitet habe, ist demnach aus einem Vakuum gekommen, aus einer Szene, die es hierzulande nicht mehr gibt. Der letzte Mohikaner, der sich bemerkenswerter Weise trotz dieser Leere nach oben pushen konnte. Seit 2005 gab es für Österreich keinen WCG-Slot für SC mehr, die 2008er Teilnahme wäre also beinahe nicht mehr als eine nette Geste gewesen.

 Rupert Soyka alias ETBrood
 
 
Aufstieg ohne Ballast von früher
  Doch es kam anders. Rupert übte und studierte SC akribisch, um sich jenem Profiniveau anzunähern, das er aus der echten Welt überhaupt nicht kannte. Weder der Besuch von LAN-Parties, noch heimische Vorbilder waren vorhanden, die ein vorhandenes Talent entsprechend auf Feinschliff hätten bringen können. Passiert ist es von selbst. Vielleicht war das nicht mehr vorhandene (heimische) Spieler-Umfeld auch ein Segen. Ich erinnere mich, dass die "Old School"-Generation, von der eigenen Eitelkeit der früheren Erfolge blockiert, nicht im Ansatz reif dazu gewesen wäre, professionell zu trainieren, um mit dem rapide wachsenden Niveau ab 01, 02 mithalten zu können. Nun ist wieder Tabula Rasa: Die womöglich notwendige leere Tafel, von der - genügend Talent, Tapferkeit und Tatenkraft vorausgesetzt - ein neuer Jungstar ohne Vorab-Hindernisse entspringen kann.
 
 
 
 
 
Jeder ist gleich
  Das Fehlen von jeglicher Arroganz gepaart mit starken mentalen Kräften und hoher Konzentrationsfähigkeit, das gleichwertige Ernstnehmen jedes Spielers, hat schnell Früchte getragen. Als "Nobody" in die Gruppenphase gekommen, hat Terran-User ETBrood bald für die erste Sensation gesorgt: USA-Favorit NonY, der später bis ins Viertelfinale vorgedrungen ist, wurde besiegt. Die drei weiteren Matches waren souverän, obwohl sich leider die Chance auf einen Aufstieg aufgrund eines hartnäckigen Zergs aus Panama und einem weiteren Terra-Favoriten aus China nicht erfüllen konnte. Endergebnis für Rupert: Ein höchst respektables 2-2, das mehr als die Feuerprobe für den Einstieg in die ungemein hart umkämpfte 'StarCraft'-Profiwelt ist. Es ist ein solider Grundstein für weitere Turnier-Teilnahmen in den nächsten Monaten und Jahren -- so es die Lebenspläne von Rupert Soyka zulassen bzw. zulassen wollen.
 
 
 
Müdes Finale
  Im Finale der WCG regierte dann selbstverständlich die altbekannte Show der Südkoreaner, denen in SC nach wie vor niemand das Wasser reichen kann. Fantastisch dabei die Leistung von Ievgen Oparyshev alias STRELOK aus der Ukraine, der sich gegen LoveTT (China) durchsetzen und so Bronze holen konnte.

Im Finalspiel gab es dann das Aufeinandertreffen des Vorjahressiegers Stork (der in superspannenden Matches am Vortag seinen Landsmann JaeDong [Zerg] in einem 2-1 aus dem Turnier warf) gegen Herausforderer Luxury. Der hatte mit seinen Zerg gegen Protoss leichtes Spiel, nachdem sich Stork für einen Gamer auf diesem hohen Niveau unwürdige Patzer geleistet hatte: Zuerst sind mit dem Bauen unnötig vieler Corsairs Ressourcen verschwendet worden, dann wurden einige High Templar in den Tod geschickt, noch ohne, dass diese etwas zum Duell beitragen hätten können. Ein langweiliges 2-0 Finale zu Gunsten Luxury also, auf einem Level allerdings, für das Rupert alias ETBrood noch viel trainieren wird müssen. Die Voraussetzungen zum Gleichziehen sind aber - vermutlich erstmals bei einem österreichischen 'StarCraft'-Spieler - eindeutig vorhanden.

 Byung-Gu Song alias Stork
 
 
Jae-Dong Lee alias JaeDong
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