Ort und Zeit: Wien, Lugner City, 23:40. Eine für diese Uhrzeit stattliche Gruppe Menschen, knapp 100 an der Zahl, stehen traubenförmig vor dem Videospiel-Geschäft und warten auf das Ungewöhnliche: Den Mitternachtsverkauf.
Die Gamer-Euphorie aus Japan, wo bereits zu Zeiten von Super Nintendo und Mega Drive Menschenschlangen vor den Geschäftslokalen gecampt, gewartet und gefeiert haben, um die neueste Spiele-Hard- oder Software als Erste/r zu ergattern, ist vor einigen Jahren auch aufs Europäische Festland übergeschwappt.
Maßgeblich verantwortlich für die Zelebrierung des Mitternachtsverkaufs hierzulande war bereits die originale Veröffentlichung von 'World of WarCraft' (WoW) im Jahr 2004. Heute, über vier Jahre später, ist die Begeistung mindestens ebenso groß: 'Wrath of the Lich King' (WOTLK), das nunmehr zweite Erweiterungspaket für das mit Abstand erfolgreichste Online-Rollenspiel der Welt (mittlerweile über 11 Millionen User) bringt die Menschen dazu, ihre Kopie des Games Wochen vor der Veröffentlichung vorzubestellen, teils lange Anfahrszeiten auf sich zu nehmen und vorzuschlafen. Auch der eigens genommene Urlaub, der sicherstellen soll, dass ausgiebig und ohne Ablenkung die erweiterten WoW-Inhalte gespielt werden können, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr.
Fast alle der Wartenden in der Lugner City haben ihr Exemplar von 'Wrath of the Lich King' bereits vorreserviert und angezahlt. Gut für sie, denn die anderen gehen heute leer aus: Alles ausverkauft.
Die meisten sind in der Gruppe gekommen: Die Gilde beim Real Life-Ausflug, der eingeschworene SpielerInnen-Freundeskreis, die gemeinsam zockenden Familienmitglieder. Für eine Gamer-Gruppe sieht man auffallend viele Mädchen und Frauen, die Herrschaften über 30 sind in der Minderheit, allerdings ebenfalls vorhanden. Bald werden sie alle wieder nach Azeroth abtauchen, sich genussvoll dem neu aufgeflammten Spiele- und Hochlevel-Fieber hingeben und sich freuen, dass die WoW-Bekanntschaft von früher nun plötzlich wieder online ist.