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Wien | 25.12.2008 | 10:48 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Unterwegs mit Justice
  Impromptu-Rapper auf der Straße, flackernde Lichter, ausgelassene Konzertstimmung, Stagediving, Prügeleien, Alkohol über nackte Oberkörper. Bereits der Trailer der neuen Justice Tour-DVD, die kürzlich veröffentlicht wurde, gibt die Essenz des Filmes preis. Er zeigt die so oft beschworene Vermengung von Elektronik und Rock-Artefakten in der Wirklichkeit. Der Club ist auf der Bühne angekommen, die riesigen Boxenwände blasen die Partymeute mindestens so kräftig weg, wie das Turn it up to eleven!-Plektron der Metaller. "They are the new Rock'n'Roll!" hört man einen Besucher begeistert nach dem Erleben eines Justice-Konzertes sagen. Wie wahr.
 
 
 
Vom Remixer zur Rampensau
  Bei 'A Cross The Universe' erleben wir nun die Geschichte der Nordamerika-Tour März/April 2008 von Justice alias Xavier de Rosnay und Gaspard Auge, die innerhalb von wenigen Jahren von schüchternen Remixern zu Über-Rockstars wurden, in all ihrer Eindringlichkeit mit. Dank stampfendem Elektro, bösen Digi-Distortions, dem weißen Riesenkreuz, das immer dabei ist und der ausgelassenen Show verkaufen Justice riesige Venues in den USA aus - das verblüfft innerhalb der ersten halben Stunde der DVD am meisten.

 
 
Das ganz normale Tourleben
  Eine "Dokumentation" nennt sich der Film von Musikvideo-Regisseur Romain Gavras ('Stress') und Ed Banger-Grafiker So-Me. Es wird allerdings schnell klar, dass hier - wohl, weil's lässig ist und wenig Arbeit verursacht - einfach mit einer Handkamera draufgehalten wurde. Das passiert frei von Scheu und ohne Rücksicht auf Verluste. Nur die Gesichter manischer Groupies werden verschleiert und die Namen des Tour-Personals eingeblendet. Unverständliches Gebrabbel (vor allem jenes von de Rosnay und Auge) wird per Untertitel nachvollziehbar gemacht.

Man macht Bekanntschaft mit dem schrulligen Busfahrer, der für den "Wer-kann-die-tiefste-Note-treffen"-Wettbewerb übt, den durchgeknallten Aggro-Tourmanager, dessen Waffenfanatismus ihn schlussendlich zurecht in eine höchst unangenehme Lage bringt und natürlich den beiden Protagonisten. Die ziehen ihre Lederjacken nie aus, reden selbst dann nicht, wenn sie gefragt werden, grinsen und posen gerne. Konzert-Footage ist toll, wird aber nach höchstens 20 Sekunden langweilig, deshalb kommt anschließend mit einer berechnenden Verlässlichkeit der Schnitt in den Backstage-Raum, wo man meist irre Gören beim Grölen, Knutschen, Schnaps herumschütten oder Ausgreifen der Stars beobachten darf. Man nimmt aber auch am Alltag der Justice-Buben teil. Die klopfen im Rhythmus vorm Laptop den Takt der Musik, klimpern verträumt am Klavier, genießen in palmenbesetzten L.A.-Alleen den Fahrtwind im Cabrio und tragen das 'American Apparel'-Sackerl in den Bus.

 
 
Rock'n'Roll Fadesse
  All das löst weder Empörung noch Euphorie aus, der Unterhaltungsfaktor ist mäßig. Geschichten werden keine erzählt, stattdessen werden wahllos aneinandergereihte Anekdoten zum Fraß vorgeworfen. Eine "Doku" über Motörhead würde genauso aussehen, nur mit Lemmy statt Gaspard und Metal statt Bassdrum. Das ist wohl auch die Idee dahinter, im Gegensatz zur Justice-Langeweile schaffen es Altprofi-Metaller à la Ozzy Osbourne oder eben Herr Kilmister, das Comedy-Element aber immer auch als Teil ihrer Performance und ihres Lifestyles nach außen zu tragen.

Um dahin zu kommen, müssen Gaspard Auge und Xavier de Rosnay trotz ihrer Leistung beim Aufbrechen popmusikalischer Verzahnungen noch einiges aufholen. Bis es soweit ist, freuen wir uns aufs zweite Album.

 
 
  'Justice - A Cross The Universe' von Romain Gavras, So-Me und Justice ist bereits im Handel erhältlich.
 
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