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Wien | 19.12.2008 | 19:49 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Techno dank Porno
  Warum ist das Internet so schnell? Wieso benutzen so viele Menschen digitale Tauschbörsen? Und weshalb sind Videostream-Plattformen so fortgeschritten und beliebt? Jeder weiß die Antwort, bloß sagen trauen es sich nur die wenigsten: Wegen der Pornos natürlich!
 
 
 
Digital Erotica
  Seit dem ersten großen Videoformat-Krieg Mitte der 1970er Jahre hat die Erotikfilm-Industrie maßgeblich den technologischen Fortschritt mitbestimmt und war verantwortlich dafür, welche Technologien sich am Markt durchsetzen. Heute sind Porno und Technik mehr miteinander verwoben denn je. Das Internet und seine Vorgänger haben sich dabei als neueste und gleichzeitig lukrativste Ausformung erwiesen.

Vor 20 Jahren war noch alles anders: Es mussten Hemmschwellen überwunden werden. Der Gang in die Videothek oder den Sexshop war ein großes Hindernis, das viele aus Scham nicht überwinden wollten oder konnten. Pornografie am Computer zu konsumieren war Anfang der 1990er noch höchst ungewöhnlich und mit viel technischem Aufwand verbunden.
 
 
 
  Johannes Grenzfurthner von der Wiener Künstlergruppe monochrom war seiner Zeit aber in vielen Dingen voraus, und so auch in diesem Fall. Im FidoNet beobachtete er damals minutenlang den zuckelnden Aufbau eines Schmuddelbildchens. Das hat, im Gegensatz zum üblichen Vorwurf an pornografische Inhalte, seine Fantasie aber eher beflügelt anstatt eingeschränkt: "Ich wusste, dass da Porn kommt. Aber es war vollkommen abstrakt. Da waren erst drei Zeilen von irgendwelchen verpixelten Dingen. Aber alleine zu wissen, dass da jetzt Porn runterkommt, war genug für meine überbordende Fantasie und den darauf folgenden, sofortigen Orgasmus."

 
 
Forschung und Analyse
  Heute fallen Zwischenschritte bei der Konsumation von Pornografie weg. Via Web sind die Inhalte direkt verfügbar, die Folge ist eine weitaus weitreichendere Auseinandersetzung mit Pornografie.

Das zeigt sich etwa in der Popkultur, wo oft sexuell aggressive und an Pornoästhetik angelehnte Sujets in Werbung oder Musik zu sehen und hören sind. Die einfache technische Verfügbarkeit hat auch dafür gesorgt, dass Kinderpornografie so einen guten Nährboden finden konnte.

Doch die "Öffnung" von Pornografie in den Mainstream bringt auch eine durchwegs positive Entwicklung mit sich: Forschung und Analyse. Aufsätze über historische und wissenschaftliche Aspekte von Pornografie werden in den letzten Jahren verstärkt publiziert. So entsteht langsam eine neue, transdisziplinäre Forschungsgattung.

Die Wiener Künstlergruppe monochrom hat anlässlich des von ihr ins Leben gerufenen Porno- und Technik-Festivals 'Arse Elektronika' (seit 2007) kürzlich ein eigenes Buch namens 'pr0nnovation' mit verschiedenen Aufsätzen zum Thema veröffentlicht.
 
 
 
Antike Vibratoren, hochmoderne "Fucking Machines"
  Einer der Autoren des Buches, der auch beim 'Arse Elektronika'-Festival in San Francisco vorgetragen hat, ist der österreichische Schriftsteller und Filmwissenschaftler Thomas Ballhausen. In seinem Text beschreibt er einen ungewöhnlichen Trend bei Pornofilmen, der seit Anfang der 1990er Jahre existiert. Statt billiger Produktionen mit schlechten oder nicht vorhandenen Geschichten, werden aufwändige Porno-Remakes von bekannten Hollywood-Filmen gedreht. Aus 'Pirates of the Carribean' etwa wird der Sexfilm 'Pirates'. "In dem Film wird dann das eingelöst, was die ursprüngliche Vorlage nur andeutet. Da kriegt sich das Paar dann in jeder nur erdenklichen Hinsicht", so Ballhausen.

 
 
  Andere Themen des Festivals und im Buch beschäftigen sich etwa mit der historischen Entwicklung der Vibratoren, den Erbauern von sogenannten "Fucking Machines" und unterschiedlichen Blickwinkeln auf die moralischen und ästhetischen Werte von Pornofilmen. Die wissenschaftliche Disziplin der Porno-Forschung ist noch jung, erklärt Thomas Ballhausen.

"Es beginnt sich in den 1970er Jahren ein Diskurs auszubilden, der eher aus einer gesellschaftskritischen, feministischen Haltung kommt. Das hat sich weiterentwickelt zu den sogenannten 'Porn Studies', wie ein Sammelband heißt, der kürzlich bei einer amerikanischen Universität erschienen ist. Das ist eine durchaus seriöse, konstruktiv-kritische Auseinandersetzung. Eine neue 'PorNO'-Kampagne wäre auch der falsche Weg. Mit einer Kriminalisierung und Stigmatisierung kommt man dem Feld nicht bei. Pornografie ist ein wesentlicher Teil etwa der Film- und Literaturgeschichte und auch der Zensurgeschichte und der Geschichte der Verbote. Gleichzeitig ist es weiterhin wichtig, ein kritisches Bild auf dieses Feld zu haben und nicht zu behaupten, es sei alles cool und ginge auch alles."
 
 
 
Porn for the win!
  Wir verlosen fünf Exemplare vom Buch 'pr0nnovation' unter all jenen, die uns folgende Frage nach Belieben beantworten: Welche Porn Studies-Vorlesung würdest du gerne auf der Schule/Uni/FH/Berufsschule hören, wenn es eine gäbe?

Einsendungen werden an game.fm4@orf.at geschickt, inklusive vollem Namen, Telefonnummer und Postadresse. Im eigenen Interesse lieber nicht "porno" in die Betreffzeile schreiben - wer weiß, was der Spam-Filter damit macht. Einsendeschluss ist Montag, 22. Dezember, um 15 Uhr.

fm4 links
  www.monochrom.at/arse-elektronika
Infos zu Buch und Festival, inklusive MP3s der Vorträge
   
 
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