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Wien | 30.12.2008 | 17:54 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
rewind 2008 << Games
  "Welche Konsole soll ich mir kaufen?" - diese Frage hörten Kollege Burstup und ich dieses Jahr immer wieder, innerhalb und außerhalb der FM4 Redaktion. Kein Wunder: PlayStation 3, Wii und Xbox 360 haben 2008 in Europa ihr erstes, gemeinsames Jahr erlebt. Anfängliche Hypes waren vergangen, überhöhte Preise sind moderat geworden und die Zahl der Spielesoftware ist von Woche zu Woche für alle Plattformen gestiegen. Die Geräte konnten nun ihre Besonderheiten nachhaltig hervorkehren und waren erstmals perfekt vergleichbar.

"Kommt darauf an, was du willst" war deshalb immer unsere Antwort, gefolgt von der mehr oder weniger langen Liste an pro und contra-Argumenten. Nachdem sich Nintendo weitgehend von der traditionellen Gamer-Kultur entfernt hat und damit bahnbrechenden Erfolg hat, war die Wii für leidenschaftliche Spielerinnen der alten Schule aber bald ohnehin keine Option mehr. Damit ist der aktuelle (und möglicherweise letzte, weil viel zu teure) große Ringkampf der "Höher-Schneller-Weiter"-Konsolen in die Vollen gegangen und wird sich nach 2009 nahtlos fortsetzen.
 
 
Magie der Community
  Währenddessen kennt unter Windows der 'World of WarCraft'-Höhenflug kein Ende. Die Erweiterung 'Wrath of the Lich King' verkauft sich innerhalb von sechs Wochen knapp drei Millionen mal. Der Schlüssel zum Erfolg: Ein perfekt auf die mittlerweile 11,5 Millionen Menschen große Community angepasstes Spieleerlebnis.

Auf den Konsolen kann man von so einer Kundenbindung weiterhin nur träumen, ebenso wie im Bereich der lukrativen Zwischendurch-Spielchen. Wo auf PC/Mac kostenlose (dafür mit Werbung gespickte) und günstige Flash- und Browsergames fröhliche Urständ feiern, machen die Community-Games auf PS3 und Xbox 360 gerade mal ihre ersten Baby-Schritte.

 
 
Verspieltes Volk
  So mancher Videospiel-Held der alten Schule versteht bei all diesen neumodischen Spielereien die Welt nicht mehr. Oft gibt es gar keine wirklichen Ziele oder Herausforderungen im Game mehr, das Herumspielen steht im Vordergrund.

Wie auch bei Musik oder Film ist der Fan eine gespaltene Persönlichkeit: Einerseits will man die Nichtkenner für die eigene Leidenschaft interessieren, andererseits soll der exklusive Experten-Kreis nicht durch Unwürdige durchbrochen werden. Wii und Mini-Games haben dafür gesorgt, dass sich nun Senioren ebenfalls als Spielende begreifen und Werbung für Games auch außerhalb der einschlägigen Medien etwas Selbstverständliches geworden ist (Beispiel [1], [2]). Viel zu kiefeln also für den schizophrenen Core-Gamer, der einerseits Anerkennung einfordert aber beim Anblick einer Wii-Mote ein säuerliches Schnoferl zieht.

 
 
Es gibt immer was zu tun
  Gut, dass die Ablenkung von diesen widersprüchlichen Gedanken auf dem Fuße folgt. Denn 2008 war abseits der lockeren Kost auch ein weiteres, gutes Jahr für umfangreiche Vollpreis-Titel. Mit einfachem Durchspielen und ein paar Stunden Multiplayer-Spaß war es heuer aber nicht getan - man musste auch selbst kreative Hand anlegen. Wo individuell zusammengebaute Gefährte ('Banjo-Kazooie: Schraube locker') oder das Gestalten von Holzklötzchen-Türmen ('Boom Blox') noch moderate Formen des D.I.Y.-Konzeptes in Games sind, geht es beim Rocksong-Editor ('Guitar Hero World Tour'), dem Erschaffen originärer Lebensformen ('Spore') und dem ultimativen Videospiel-Baukasten ('LittleBigPlanet') schon intensiver zur Sache.

Das hat selbst für hedonistische Mayas und faule Willis Vorteile: Wer nämlich nicht selbst bauen und basteln möchte, lädt sich mit wenigen Tastendrückern die Werke der Community herunter - denn die sind teilweise erstaunlich ausgereift. Wenn es die Games-Industrie 2009 auch noch schafft, brauchbare Filter- und Bewertungssysteme zu entwickeln und darüber hinaus Copyright-Probleme transparenter löst (momentan werden etwa 'LittleBigPlanet'-Levels, die nach 'Super Mario', 'Tomb Raider' und Co. anmuten, kommentarlos gelöscht), ist diese Entwicklung in jeder Hinsicht erfreulich.

 
 
Indie-Aufwind
  Aber nicht nur Hobby-Spieledesigner konnten sich 2008 austoben. Es war auch das Jahr der kleinen Teams und unorthodoxen Ideen, die es in die digitalen Schaufenster der Konsolen-Hersteller und Games-Webportale geschafft haben. Unabhängig entwickelte Spiele-Perlen wie 'N+', 'Braid', 'World of Goo', 'Lost Winds' sowie aus Studenten- und Kunst-Projekten entwachsene Titel wie 'Portal: Still Alive', 'de Blob' oder 'echochrome' hatten sich dieses Jahr so gut gegen den im großen Stil produzierten Mainstream behaupten können wie schon lange nicht mehr.

 
 
Next Level
  Vieles ist an- und aufgebrochen, das 2009 verstärkt, verfeinert und weitergeführt werden wird. Es erwartet uns ein neues Jahr ohne neue Games-Hardware - da bleibt Zeit für qualitative Spiele. Die aktuelle Konsolengeneration werden wir technisch ausgereizter erleben, doch der PC könnte uns durch Bombast-Titel wie 'Diablo III' und 'StarCraft II' vielleicht schon im kommenden Jahr längere Zeit vom Fernseher weglocken.

Eine hohe Bandbreite an Spielereien mit jeder Menge Auswahl also, sowohl hinter als vor uns. What's your f***ing game?

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