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Wien | 18.4.2003 | 16:01 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
"Wir sind Sternenstaub!"
  Carl Sagan ist und bleibt wohl mein einziges mediales Idol.

Komme was wolle.



"If you wish to make an apple pie from scratch, you must first invent the universe."


 
 
 
 
 
Carl Sagan
  Der US-amerikanische Astronom Carl Sagan wurde am 9. November 1934 in New York geboren.
Sagan war einer der ersten Forscher auf dem Gebiet der Exobiologie. Seine akademische Fachrichtung war die Planetologie und er war an den meisten unbemannten Weltraummissionen, die unser Sonnensystem erforscht haben, beteiligt. Sagan war Professor und Labordirektor an der Cornell University im amerikanischen Bundesstaat New York und einer der Gründer der Planetary Society. Er war zudem Mitherausgeber der ersten wissenschaftlichen Arbeit zum Thema "Nuklearer Winter" und erkannte die globale Erwärmung als eine zunehmende, vom Menschen erschaffene Gefahr, die er immer wieder mit den Zuständen auf dem Planeten Venus verglich.

Neben zahlreichen Büchern schrieb und moderierte er auch die dreizehnteilige TV-Serie "Cosmos".
Und da sind wir schon beim Punkt.

 
 
Als seine Serie "Unser Kosmos" ...
  ... 1983 erstmals im ORF ausgestrahlt wurde (immer nach dem obligatorischen Katzen-und/oder-Fische-"In Kürze Unser Kosmos"-Wartebild), wurden die dreizehn Folgen akribisch von mir aufgezeichnet. Auf unserem legendären Sharp-Videorekorder, der mit manueller Knopf-Druck-Energie noch die Kassetten auswarf. Das ist aber eine andere Geschichte. "Unser Kosmos" war die erste Serie, die ich wie einen Schwamm in mich aufsog. Wort für Wort. Der achtjährige Grenzfurthner, der jede Folge verschlang und, dank des Wunders der elektromagnetischen Bandaufnahme, Dutzende Male anschaute. Tatsächlich kenne ich noch heute viele Teile jeder Folge auswendig.

1994 musste Carl Sagan ein Interview mit mir leider absagen. Zu dieser Zeit war er schon schwer krank. Ich lernte ihn nie persönlich kennen.
1996 starb er an Myelodysplasie. Die "Pathfinder"-Mission konnte er persönlich gar nicht mehr miterleben.
Hier ein Artikel über Sagans Einfluss aus der NY Times aus dem Jahr 1998.
 
 
 
Eine persönliche Hommage an ...
  ... die Wissenschaftlichkeit.
Bis heute ist mein Begriff von Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten irgendwie von der "Unser Kosmos" Rezeption geprägt. Ob ich das jetzt gut oder schlecht finde ist erst einmal egal. Physikalische Phänomene, Biologie, Chemie, Astronomie. Viele der angeschnittenen Themen begeistern mich noch heute. Seinetwegen war ich auch der einzige, der in seinem Volksschul-Aufsatz zum Thema "Was ich einmal werden möchte" Astrophysiker, Nukleartechniker und Zellbiologe hinschrieb. Jaja, und was ist aus mir geworden? Ein Yussie halt, wie das der geschätzte Herr G. Larson so schön definiert. Ein young urban scientist.

 
 
  ... Carl Sagans Eyes.
Wo immer auch "Unser Komos" sein mag, für lange Zeit war mein Kosmos in Carl Sagans Augen. Denn mit deren Leuchtkraft und Begeisterung verstand er es, das Interesse an den Grundlagen unseres naturwissenschaftlichen Gebäudes zu entflammen. Im wahrsten Sinne - denn während Physik im Schulunterricht so vorhersehbar (auch der olle Hawking hat sich mal darüber beschwert) ist, wie die Bewegungen eines Waggons auf der Achterbahn, war Physik bei Sagan die elementarste Sache der Welt, die Anwendung der Mathematik auf die von uns beobachtete Welt und damit die Grundlage für den Schritt in den Weltraum, der uns unendliche Weiten und die unendliche Suche nach fremdem Leben verspricht. Sagan war das Stargate meiner Generation zum Traum vom Universum. Und wenn sich herausstellen sollte, dass es keine grünen Männchen gibt? Na und, es gab Carl Sagan.
 
 
 
  ... den Musikgeschmack.
Die Musikschmankerl waren immer perfekt abgestimmt. Kein Verdi ohne nicht an "40 Sekunden Evolution" denken zu müssen und wie da aus ein paar Amöben die Menscherl gemorpht werden. Herrlich.


... die Grafik.
Carl Sagans Haus-und-Hof Grafiker Jon Lomberg ist immer noch mein Favourit in punkto wissenschaftlicher fotorealistischer Malerei. Und Dank der Grafiken, Effekte und visuellen Spielereien interessierte ich mich schon sehr bald womit das eigentlich alles gemacht wird. Langsam aber sicher schaff' ich das jetzt auch. Aber jetzt interessiert das ja keinen mehr.


... sein Ausdruck.
Er hat dauernd mit den Händen geredet und alles doppelt und dreifach mit den Fingern erklärt. Böse Zungen behaupten, auch das hätte ich mir abgeschaut. Wer weiß.


... die Kleidung.
Glockenhosen, Parkers und Jacken in beige und rot. Was will man mehr, top quality fashion auf die ich heute noch stehe - obwohl ich sie nicht trage. Long live the Schnürlsamt. Long live Sagan.

 
 
Was soll ich noch mehr sagen?
  Vielleicht noch eine kleine Anekdote, weils gar so schön ist.

Tycho Brahe - der Mann, der Kepler die empirischen Daten zur Verfügung stellte, auf denen er dann seine Planetenbewegungsgesetze ausarbeitete - war ein netter Wissenschaftler und hat dauern mit den Fingern gegessen. Außerdem starb er einen gar eigenwilligen Tod ...(Zitat "Unser Kosmos" S. 71 unten: "... bis Tycho bei einem Bankett des Barons von Rosenberg die Höflichkeit über die Gesundheit stellte und seinem natürlichen Drang nicht stattgab, da er es unschicklich fand, das Gelage in Anwesenheit des Barons auch nur kurzfristig zu verlassen. Die Folge war eine Harnvergiftung.")
.... sowas merk' ich mir ein Leben lang.
 
 
 
 
 
Carl Sagan Gedenkwochenende
  Langer Pathos, kurzer Sinn:
Wer "Unser Kosmos" nicht kennt und gerne mal sehen möchte, warum der Grenzfurthner da so ein Autoretro-Theater aufführt, kommt doch am Samstag und am Sonntag um jeweils 19:30 in den monochrom-Raum ins Museumsquartier (siehe Lageplan).
Am Samstag (19. April 2003) wird der Wissenschafts- und Kulturphilosoph Thomas Brandstetter einen Vortrag halten, danach zeigen wir zwei der dreizehn Folgen. Am Sonntag (20. April 2003) gibt es eine kurze Lesung, dann zeigen wir nochmal zwei Folgen, vielleicht auch noch eine kleine Bonus-Überraschung.

Und wer sich schon jetzt anmeldet kommt in einen Gewinntopf. Es gibt nämlich potenziellen Gewinn. (Das war jetzt eine Wortwiederholung.) Zwei Bücher nämlich.

Egal.

Sei ein Scientist.
 
 
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