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Wien | 21.11.2003 | 11:50 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
Das Jahr 2000 ...
  Die USA werden von einem diktatorischen, der Öffentlichkeit enthobenen "Präsidenten" regiert. Brot und Spiele: Um die quasiproletarischen Massen bei Laune zu halten, findet jährlich das groteske "Transkontinentale Autorennen" statt: Fünf Zweierteams rasen von New York nach Los Angeles, verbrennen nicht nur massig Gummi und (kostbares?) Benzin, sondern sammeln auch ganz besondere "Bonuspunkte" - für jeden überfahrenen Passanten gibt es einen Score, Frauen und Kinder zählen besonders hoch.
 
 
 
 
 
"Death Race 2000" ...
  ... ist ein überaus schönes Beispiel für einen Seventies-Exploitationer der Klasse Roger Corman: Der Film casht, im Fahrwasser des aufwändiger produzierten "Rollerball" mit den gleichen Sujets im Grind-Circuit der Autokinos und Z-Kinos ab: Dystopische Sport-SciFi, aufgepeppt mit allem, was das "Kino des schlechten Geschmacks" (und der niederen Instinkte) zu bieten hat. Und das sind, wie so oft bei Corman, Maschinen (diesmal Autos, DR2k ist kein Bikermovie!), Mädels (Mathilda the Hun, die Naziwalküre, Calamity Jane als Cowgirl in Warhol-Anmutung) und natürlich exzessive Gewalt. Was wohl am meisten überrascht ist der Humor, den wohl der Corman-Protége Paul Bartel (verstorben 2000) zu verantworten hat: Sein Talent zur Satire, gepaart mit einem antibourgeoisen Sinn fürs Groteske macht DR2k zu einem wundervoll sarkastischen Stück Science-Fiction, das ganz im J.G. Ballard'schen Sinne die Gegenwart (1975, die Zeit der Ölkrise, des ökonomischen Zweifels und einer ruinösen US-Außenpolitik) meint, wenn es von der Zukunft spricht. Und außerdem ist DR2k ungleich lustiger als der dröge "Logan's Run" und auf jeden Fall weniger prätentiös als, um Äpfel mit Birnen zu vergleichen, Ridley Scotts "Gladiator", wenn es darum geht, Massensport als die fundamentale Phantasie autoritärer, spektakelhafter Politik (also des Verschwindens von Politik?) zu begreifen. Oder vielleicht ist das alles zu weit gedacht - wahrscheinlich gehts eh eher darum, ein Bier für jeden Passanten aufzumachen und sich über Rollennamen wie Mathilda the Hun und Nero the Hero, oder eine frühe Rolle Syvester Stallones zu freuen...

Wer weiß.

Michael Loebensteins Vortrag bietet vielleicht Lösungsansätze.
 
 
 
 
 
Vortrag und Screening
  Michael Loebensteins Einführungsvortrag beginnt am Sonntag, den 23. November 2003 um 20:30 bei uns im monochrom-Raum im MQ (siehe Lageplan). Danach Screening des Films.
 
 
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