'Enemy Mine' - Geliebter Feind (USA 1985)
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Edward Khmara
Buchvorlage: Barry B. Longyear
Der geschätzte Hannes Auinger wird am Sonntag (9. Mai 2004, 20:30) in unseren monochrom-Gemächern im MQ Wien seinen Einführungsvortrag zu 'Enemy Mine' halten, danach werden wird der Film projiziert.
Hier seine Kurzintro ...
"Na, wird's dir zu heiß, Krötenfresse?"
DAS BOOT war gestern. TROJA wird morgen sein. Jetzt ist 'Enemy Mine' angesagt.
Mitte der 80er Jahre ist die Kulturindustrie damit beschäftigt, Spannung ab- und nicht aufzubauen, namentlich die des Kalten Krieges. Alle hatten das Gefühl, dass die Zeit der großen Konfrontationen zwischen Ost und West dem Ende zuging und keiner hatte Lust, dieser großen Spannung durch irgendeinen lächerlichen Fehler im System noch zum Opfer zu fallen. Also wurden Geschichten erzählt, die dem Feind genau das wieder zurück geben sollten, was man ihm konsequent über Jahrzehnte genommen hatte: ein Gesicht.
In meiner Jugenderinnerung ist 'Enemy Mine' vor allem mit meinem mangelnden Fremdsprachenverständnis abgespeichert: Lange Zeit hieß der Film für mich ENEMY MIND. Geist, Gedanke, Verstand, Psyche und Seele des Feindes. Das war für mich ein schlüssiger Titel. Schließlich war das auch das Thema des Films.
Erst viel später habe ich das eigentliche Wortspiel begriffen. Mein Feind, aber auch die Mine des Feindes. Eine Anspielung auf den beschwerlichen Weg, den die menschliche Psyche freiwillig gehen muss, um an die Wurzel der Vorurteile zu kommen. "Working in a coal mine..."
Beeindruckt hat mich ...
... vor allem eine völlig neue Erfahrung des Genres Science Fiction. Der Weltraumcowboy war plötzlich nicht Grundhaltung sondern Ausgangspunkt einer Entwicklung. Das Ziel des stur verfolgten Auftrages mag ja integer sein, aber in den Raumschlachten davor hatten die Hindernisse, die zum Erreichen des Zieles ausgeschaltet werden mussten, keine eigene Biografie. Und wenn sie eine hatten, war es keine gute. Bei 'Enemy Mine' war das anders.
Der Anfang des Films erinnert an eine Melange der Weltraumfantasien von Carpenter und Kubrick. Ein Schwenk über ein Planetensystem. Eine Erzählerstimme berichtet uns davon, dass man sich im 21. Jahrhundert (wir auch) und im Weltraum (wir kaum) befindet und dort Terror herrscht (das können wir überall ganz gut).
Der Erzähler ist der Kampfpilot William E. Davidge. Wie die meisten Krieger verteidigt er seine Heimat dort, wo er möglichst weit von ihr entfernt ist. In seinem Fall irgendwo im Weltraum.
Während man sich noch an den Gedanken der Weltraumkolonien gewöhnt, wird die scheinbare Idylle des Frontierdaseins durch umherschwebende Trümmer und die übel zugerichtete Leiche eines Menschen im Raumanzug endgültig zerstört.
Schön, dass alles beim alten geblieben ist: Der Mensch kommt, nimmt und sorgt dafür, dass kein anderer mehr was davon hat: "MEINS!".
Allerdings: Wenn einer die Idee hat, meins zu sagen, ist ein zweiter nie weit.
In 'Enemy Mine' heißt die Personifizierung des zweiten Meins Jeriba "Jerry" Shigan. Ein Drac. Eine Anspielung auf DRAChe im Deutschen oder DRACo im Englischen.
Echsenartige Aliens, die den Menschen ihren Kolonialisierungsanspruch streitig machen.
William und Jerry ...
... sind nach einem dramatischen Luftkampf in der Anfangssequenz auf demselben Planeten notgelandet.
Unter dem Einfluss zweier Sonnen und sechs Monden entwickelt sich auf dem vierten Planeten des Fyrine-Systems ein Kammerspiel zwischen zwei Feinden, die unter dem Einfluss einer feindlichen Umwelt langsam zu Freunden werden und am Ende sogar gemeinsam ein Kind in die Welt begleiten. Aber davon will ich nicht mehr verraten.
Vereinfacht gesagt ist es die alte Schulhofgeschichte: Zwei Burschen hauen sich so lange gegenseitig aufs Maul, bis sie draufkommen, dass man sich auch ohne Faust anfassen kann.
Petersens Verfilmung von Barry B. Longyears Geschichte ist eine Weltraumversion von Daniel Defoes Abenteuerklassiker. Robinson Crusoe nennt seinen Freitag Froatface (bzw. in der deutschen Synchronfassung noch weniger schmeichelhaft: Krötenfresse.)
Die Geschichte ist eine zutiefst humanistische. Es geht um die kulturelle Annäherung und das Erkennen des Liebenswerten im Abstoßenden. Die Krötenfresse wird vertraut, wenn man das "menschliche Wesen" dahinter erkennt und sich darauf einlässt. Und der Drac kann die hässliche Fratze des Menschen in seiner Nähe ertragen, weil er lernt, hinter sie zu sehen. Eine einfache und zutiefst menschliche Haltung. Und eine, an der sich der Filmkritiker Roger Ebert gestoßen hat, weil der Außerirdische menschlicher als die meisten Erdlinge auftritt.
Übrigens ...
... menschlich: William entdeckt auf einer Wanderung das wichtigste Zeichen für Zivilisation - Müll. Eine leere Pepsi-Dose im Design des 21. Jahrhundert zeigt an, dass es noch Hoffnung auf Rettung geben könnte.
In der Bavaria gedreht und mit amerikanischem Geld finanziert, gilt 'Enemy Mine' als Meilenstein in der deutschen Science Fiction Geschichte. Die Rahmenhandlung ist nicht immer hundertprozentig gelungen. Aber das Hauptstück - die Kulturclashstory zweier Entwurzelter - hat einige wirklich zauberhafte Szenen zwischen den beiden Hauptdarstellern. Louis Gosset jr. und Dennis Quaid laufen teilweise zur Höchstform auf.
Unvergesslich die Szene, die sich mit der Position von Mickey Mouse im Religionskosmos der Menschheit auseinandersetzt.
Im Streit beleidigt William den großen spirituellen Führer der Dracs - Shizumaat. Jerry will sich rächen, indem er den einzigen Namen beleidigt, den er bis dahin von William aus der Kultur der Menschen kennen gelernt hat und den er für das spirituelle Gegenstück der Menschheit hält: "Irkmann, your Mickey Mouse is one big, stupid dope."
Dem actionreichen Ende des Films, das den Nebenrollenoberfiesling Brion James (Bladerunner) einführt, muss man in seiner oberflächlichen Gut-Böse Zeichnung vorwerfen, dass es zu wenig aus sich selbst (also dem eigenen Film) heraus gelernt hat. Aber geht uns das nicht allen so - gleichgültig zu wievielen Monden wir suchend hochsehen?
Einführung und Projektion
Wie oben erwähnt am Sonntag, 9. Mai 2004, 20:30 Uhr. monochrom-Raum im MQ Wien.