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Wien | 20.10.2004 | 14:50 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
The Bubble Thing.
  Ich stehe auf 4,645,017. Gemeint ist selbiges US-Patent. Es erlaubt mir nämlich Seifenblasen zu machen, die Zeus erblassen lassen würden. Das Ding macht Blockbuster-Blasen. Superenorm Blasen. Blasen jenseits aller Vorstellungen. Blasen größer als Autos vor der Ölkrise. Ums kurz zu machen: Es handelt sich dabei um The Bubble Thing. Und um David Stein. Vor dem ich niederkniee und dann dreimal nach Maria Taferl wallfahre.

Aber beginnen wir mal mit den Basics.
 
 
Seifenblasen sind keine so einfache Sache.
  Betrachten wir das Phänomen mal mathematisch. Es überrascht wohl niemanden, wenn ich jetzt behaupte, dass das Universum es sich eigentlich immer recht einfach macht. Es will Energiezustände nicht ändern. It is most comfortable in its least energetic state. Physikalische Beispiele für dieses Gesetz gibt es genug: die Sonne verbrennt langsam ihren Brennstoff, Wasser gefriert (wenn es die thermale Chance hat), ein Schreibtisch füllt sich langsam aber sicher mit Papier (so meine These). Und genau dieses Prinzip war der Schlüssel für eines der größten Geheimnisse in physikalischer Geometrie: die Frage warum Seifenblasen sich so regelmäßig formen.
Die Regelmäßigkeit der Seifenblasen war eine lange bekannte Tatsache, aber erst 1873 machte Joseph A. Plateau (1801 bis 1883) die bahnbrechende Beobachtung, dass sich Seifenblasen nur in zwei bestimmten Winkeln verbinden können. Ein großer Haufen an Seifenblasen mag zwar unregelmäßig aussehen, aber der Winkel all dieser Abermillionen Blasen zueinander ist entweder 109 oder 120 Grad. Es gibt keine andere Möglichkeit.

 
 
 
 
Diese bizarre Präzision ...
  ... der Natur beschäftigte die Wissenschaft für 200 Jahre. Da wurde eifrigst getüftelt - an Verständnisansätzen und Gleichungen zur Lösung von "Plateaus Problem". Im Endeffekt mußten ganze Teilbereiche der Mathematik erst neu gegründet werden.
Oberflächenspannung und der blaseninnere Luftdruck sind eigentlich die wichtigsten Faktoren, die beachtet werden müssen. Die Schwerkraft spielt für die Blasenformung eine triviale Rolle, da die Masse wirklich verschwindend gering ist.
1931 publizierte Jesse Douglas eine 60-seitige Lösung und wurde sogleich mit der Fields Medal (sowas wie der Nobelpreis der Mathematik) gekrönt. Es stellte sich aber heraus, dass Jesses Beitrag nur eine teilgültige Lösung war - und die "Bubble Reality" nur vereinfacht darstellte.
 
 
 
Erst 1975 wurde das Problem ...
  ... von einer Gruppe Mathematiker an der Rutgers University vollständig geklärt. Ihr Modell scheint wirklich präzise alle Möglichkeiten der Blasenformgebung zu erklären. Es basiert auf dem Prinzip des "area minimizing". Das Prinzip sagt aus, dass Blasen die kleinstmögliche Form einnehmen. Menschlich betrachtet nehmen sie den Raum ein, zu dem sie durch die Oberflächenspannung gezwungen werden, aber sie tun das mit dem geringstmöglichen Energieaufwand. "The Law of Least Effort" tritt immer und überall auf. D'Arcy Thompsons Buch "On Growth and Form" ist der Klassiker zu diesem Thema. Und er erklärt recht schön, warum das Prinzip nicht nur auf die Blasenbildung zutrifft, sondern auch auf die Farbgebung von Giraffenhälsen, die Organisation von Bienenstöcken oder die Risse in getrocknetem Erdreich.
Jedenfalls nicht uninteressant.

 
 
Und jetzt die Populärkultur.
  David Steins Motivation die Monsterblasenmachinstrumentarien zu erzeugen waren natürlich die eigenen Kinderchens. Seine kleine Tochter gaffte irgendwann mal einem seifenblasenmachenden Menschen hinterher und trat damit scheinbar eine Lawine los mit der auch ich ziemlich heftig mitgerissen wurde.

David Steins Gedanken waren folgende: Um eine große Blase zu machen muss man möglichst viel Seifenwasser in der richtigen Form in kurzer Zeit in die Luft bringen, und um das machen zu können braucht man einen großen Reifen, der aber auch verkleinerbar sein sollte, damit er in einen kleinen Behälter eingetaucht werden kann. Und nach einem Besuch im Werkzeug- und Bastelladen und einigen Stunden Arbeit tat er es dann das erste Mal. Und plötzlich, nach etwas Geplantsche in Seifenlauge, schwebt da - an einem kalten Tag in Maine - eine zweieinhalb Meter große Seifenblase über die Straße. Leute bleiben stehen, Autos halten an und starren den riesigen regenbogenhaft schimmernden unwirklichen Gebilden nach. David realisiert gar nicht, dass er eben die größte Blase gemacht hat, die je auf diesem rostigen Planeten erzeugt wurde. Er sieht dem Ding einfach nur nach und hört ein paar Kinder fragen: "What's that bubble thing?" ... und daher auch der Name.
 
 
 
 
 
  Grundsätzlich würde ich ja raten sich einfach das "Bubble Thing" zuzulegen. Das Seifenblasenmachteil kostet nur 10 Dollar inklusive Begleitbuch -- mit allen möglichen Tricks und Background Infos. Dies ist wirklich eine Empfehlung.

"The Unbelievable Bubble Book"

>>> www.bubblething.com <<<




Epilog:

"Das mit der Blase ist so eine Sache." (Hademar Bankhofer)

"Das ist in der Luft." (Lizzi Engstler)
 
 
 
Falls jemand sich das Ding ...
  ... zulegen sollte, meldet euch bitte bei mir. Ich überlege mir nächstes Jahr im Frühjahr oder Sommer irgendwo eine kollektives Gigantenseifenblasenmachen zu organisieren. Ihr hättet also noch ein halbes Jahr Zeit um zu üben. Grins.

Koordinationspage: www.monochrom.at/bubble
(ist zwar nur ein Rudiment, aber das reicht mal)
 
 
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