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Wien | 25.3.2005 | 14:30 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
"Der Profi"
  Versuch über die Rache und ihre Narrative

"Warten und Hoffen" - das Motiv der Rache erfährt in der Erzähltheorie des Abendlandes von Homers "Ilias" bis Alexander Dumas "Der Graf von Monte Christo" höchste literarische Würdigungen. Doch Georges Lautners Geschichte vom Rachefeldzug des Top-Agenten Joss Beaumont (Jean-Paul Belmondo) gegen seine Verräter und korrupten Vorgesetzten von den "Wilden Brigaden", die im Diskurs eines postkolonialen Konflikts im Frankreich der 80er Jahre situiert ist, sperrt sich gegen Hermeneutiken der unteren Preisklasse.
 
 
 
Auge um Auge?
  Wenn Rache süß ist, wie ein volkstümlicher Gemeinplatz nahe legt, dann wäre die apriorische Bedingung der Möglichkeit ihrer Erfahrung die postume (und nicht posthume) Verkostung. Aber den Handlungen des Protagonisten Joss liegen im hoffungslosen Kampf gegen seinen übermächtigen und tödlichen Feind, so gilt es zu zeigen, vielmehr multipolare Strategeme zu Grunde, da innerhalb der narrativen Matrix des "Profis" dessen eigenes "nacktes Leben" der Preis der Vergeltung - und damit der Erfüllung des Narrativs - geworden ist. Gegen das vordergründige Sujet des "Rachefeldzugs" müssen daher komplexere Erklärungsmodelle zur Dechiffrierung der Storyline in Betracht bezogen werden: Eine Reflexion über relevante spieltheoretische Prämissen soll dies verdeutlichen. Die bedeutendste Fehleinschätzung im strategischen Denken der Spieltheorie der Militärs liegt nach Michael Wilson ("Nationale Sicherheit und infrastrukturelle Kriegsführung") in der Verwendung einer eingeengten Spielterminologie, insbesondere des bipolaren Verständnisses von Sieg und Niederlage.

 
 
Wargames als Narrative
  Soll ein Spielmodell "die Realität" abbilden, so muss man zwei weitere strategische Positionen hinzufügen: "Not Lose" (NL, nicht verlieren) und "Not Let Them Win" (NLTW, die anderen nicht gewinnen lassen). Während nicht verlieren (NL) genau das ist, wonach es klingt - das Hauptziel ist, am Leben zu bleiben, da Tote nicht zum Zug kommen - bedeutet, die anderen nicht gewinnen lassen (NLTW), dass man alles unternimmt, damit der Gegner keinen Sieg erringt und dass er für seine Teilnahme am Spiel teuer bezahlen muss. Eine Art von NLTW, "Mutually Assured Destruction" (MAD), war auch die Strategie der beiden Supermächte USA und UdSSR während des Kalten Krieges im Atomzeitalter. "Der Profi" und seine spieltheoretischen Narrative sind Produkte ihrer Zeit, die als hintergründige Parabel von einer Welt erzählen, in der Komplexität nicht auf ein polarisiertes Weltbild reduziert wird, nicht auf den binären Diskurs von "Gut" und "Böse", des Narrativs der aktuellen politischen Konstitution der Gegenwart, reduziert werden kann.
 
 
 
 
 
Vortrag und Screening
  Programmstart ist am Sonntag, den 27. März 2005, um 20:00 im monochrom-Raum im Museumsquartier.
Die Einleitung hält Stefan Lutschinger.
Danach wird gemeinsam der Film geglotzt.

Stefan Lutschinger ist Kurator der Equaleyes Sehschule (http://www.equaleyes.org) und Mitglied des VisualistInnen-Kollektivs POOOOL.

[By the Way: Equaleyes 5: Analogue Night, 26. März 05, Ovalhalle, Museumsquartier Wien.]
 
 
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