fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 15.11.2005 | 10:39 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
Roböxotica 2005
  Die Roböxotica, das weltweit erste und zwangsläufig führende Festival für Cocktail-Robotik, wird von 16. bis 20. November 2005 veranstaltet. Alle sind geladen vorbeizuschauen und eine siliziumschwangere Barkonversation zu betreiben.

KünstlerInnen, TechnikerInnen und WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt präsentieren Cocktail-Robots und andere hedonistische Robotkonzepte.

Hast du dich jemals mit der Geschichte der Wissenschaft und Technik auseinander gesetzt? Wenn ja, dann hast du dabei sicher festgestellt, dass es hier immer Feedback-Schleifen mit der populären Kultur und der Fiktion gab.
Und so ist Titel und Thema des diesjährigen Roböxotica-Symposiums auch "Public Fiction".
 
 
 
 
 
Public Fiction
  Roboter für (fast) alle?

Der Titel Public Fiction verweist auf zwei Arten der kollaborativen Herstellung von technischen Artefakten und kulturellen Konventionen:

Auf der einen Seite ist damit angesprochen, dass Gesellschaft und Technik stets von gemeinsam hervorgebrachten Fiktionen mitstrukturiert wird. Es ist einsichtig, dass bestimmte technische Entwicklungsprozesse von Imaginarien mitgeformt werden, die der Populärkultur entlehnt sind. So wurden beispielsweise weite Teile der Artificial Intelligence-Forschung von Stanley Kubricks Film 2001 (1969) motiviert und die Vorstellungen des Cyberspace dockten am Cyberpunk der 80er Jahre (William Gibson, Bruce Sterling u.a.) an. Gerade die Robotik war von Anfang an populäre Imaginarien und politische Utopien gebunden: In ihr sind sowohl Posthumanismus-Phantasien als auch Hoffnungen auf eine Verbesserung der Gesellschaft durch Delegation (körperlicher wie geistiger) Arbeit aufgehoben. Trotz gegenteiliger Behauptungen seitens der EntwicklerInnen und Financiers entsteht oft der Eindruck, die Robotik - insbesondere, wenn sie die menschliche Erscheinung nachahmt - entwickle sich relativ losgelöst von den Nützlichkeitsparadigmen der Moderne. In den letzten Jahren entstanden entsprechend dem Paradigma, dass komplexe Prozesse nicht mit linearer Logik simulierbar seien die Ansätze der "social robotic", der das Symposium einen Schwerpunkt widmen wird.
 
 
 
  Dem im Rahmen der Veranstaltung abgehaltenen Symposium ist es darum zu tun, zu zeigen, dass die Praktiken der Technikentwicklung nicht von gesellschaftlichen Vorstellungswelten zu isolieren sind. Public Fictions haben darüber hinaus ein normatives Element: In ihren und durch sie wird festgelegt, was überhaupt gedacht und getan werden kann. Public Fictions haben außerdem einen Bezug zu EntwicklerInnenintentionen und Förderbegehren: Sie strukturieren, wofür sich EntwicklerInnen interessieren genauso, wie Ausschreibungs- und Einreichprosa. Eine der mächtigsten Public Fictions ist in diesem Zusammenhang wohl die Erzählung von der Zunahme des Wohlstands durch Technik, das die technische Entwicklung seit rund zweihundert Jahren antreibt. Das Symposium interessiert sich besonders für das Zusammenspiel von alten Erzählungen und ihre Aktualisierung in verschiedenen Medienformaten von Romanen über Statistiken, und Zeitschriftenartikel bis hin zum Film, Fernsehen oder Internetforen.

Ein zweiter Aspekt ist, dass die vernetzten, digitalen Technologien neue Möglichkeiten der kollaborativen Hervorbringung von Texten und Artefakten ermöglichen. "Public Fiction" ist hier ganz wörtlich zu verstehen: Welche kooperativen Fiktionen werden mit Hilfe nichtmenschlicher Akteure (Bots) in welchen Kontexten hervorgebracht und was bedeutet dies für Konzeptionen des künstlerischen "Werkes", für Poetologien und den Autorenbegriff?
 
 
 
 
 
Ausstellung und Festival
 
Eröffnung am Mittwoch, den 16. November 2005 um 19 Uhr im Freiraum/Museumsquartier.

Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag täglich ab 10:00 Uhr Ausstellung.

Nachmittags immer Workshops und Lesungen (u.a. mit Jake Applebaum und Cory Doctorow).
Abends Filmprogramm.

Am Sonntag, 20. November 2005 um 18 Uhr: ACRA 2005, der diesjährige Annual Cocktail Robot Awards

Genaue Timeline für Workshops, Lesungen und Filmprogramm online.
 
 
 
Symposium
 
Freitag:

14:00 - 16:30 Uhr: Symposium - Panel 1:

Social Robotics

Brian Duffy, Eurecom, School of Engineering and Research Center, France: Fundamental Issues in Social Robotics
Kommentar: Gernot Kronreif, Österr. Forschungszentrum Seibersdorf

Barbara Becker, Universität Paderborn, Deutschland: Emotional and expressive robots - fiction or reality?
Kommentar: Martin Pichlmaier, Technische Universität Wien

Moderation: Jutta Weber

18:30 Uhr:

Lesung: Cory Doctorow (SF-Autor, CAN)

Diskussion mit Jake Appelbaum (USA), Karl Svozil und Johannes Grenzfurthner (monochrom)

Samstag:

10:00 - 12 Uhr: Symposium - Panel 2:

Collaborative Fiction

Peter Asaro, Wissenschaftsforscher, Künstler, Galerie der Forschung, Wien: A.I. and Emotional Robots: Collaborative Fiction in Science and Film
Kommentar: Stefan Tiron, freier Kurator, Rumänien

Stefan Lutschinger, Equaleyes, POOOOL: Piercing the Veil of Corporate Imagery. Orson Welles as Testimonial Agent for Cybernetics of Human Waste
Kommentar: Beat Mazenauer, Essayist, Künstler, Schweiz

Moderation: Johannes Grenzfurthner, monochrom, Wien

14:00 - 16:30 Uhr: Symposium - Panel 3:

Public Fictions: Zur Verfertigung von öffentlichen Phantasien

Thomas Ballhausen, Filmwissenschaftler, Filmarchiv Austria, Wien: Normierte Körper des Begehrens und Gehorsams.
"The Stepford Wives" und die Stereotypien vermeintlicher Perfektion

Kommentar: Barbara Eichinger, Universität Wien

Felix Keller, Soziologe, Universität Zürich: Of Stars and Men. Mathematical Fictions of Society
Kommentar: Drehli Robnik, Kulturwissenschaftler und Journalist, Wien

Moderation: Karin Harrasser, Kulturwissenschafterin, Humboldt Universität, Berlin

17:00 Uhr: Round-up

Moderation: Günther Friesinger, Universität Wien
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick