"The Crazies", auch als "Codename Trixi" im Verleih, wurde 1973 gedreht. Regie, Buch und Schnitt stammen von Georg A. Romero, der ja für seine sozialkritischen Zombie-Filme (hört, hört!) bekannt ist.
Karin Heide präsentiert den Film am Sonntag in der monochrom'schen "project speis" im Museumsquartier.
Nach einem Flugzeugabsturz...
...einer Maschine der US Regierung in der Nähe der Stadt Evans City in Pennsylvania tritt aus den an Bord mitgeführten Behältern der Kampfstoff mit dem Codenamen "Trixie" aus und kontaminiert das Grundwasser der Umgebung. Der auf diese Weise mit unbeabsichtigter Effizienz freigesetzte biologische Kampfstoff führt bei einer Ansteckung im besten Fall zum sofortigen Tod der Betroffenen. Wem dieses Schicksal nicht vergönnt ist, der verwandelt sich in einen hochgradig gewaltbereiten Psychopathen, was aber auch noch immer eine bessere Option zu sein scheint, als "normal" zu bleiben und den sich ausbreitenden Wahnsinn in der Stadt Evans City bewusst mitzuerleben.
Nachdem das Militär anrückt und den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt, gerät die Situation völlig außer Kontrolle. Bei dem Versuch den Vorfall zu vertuschen und die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, greifen die eingesetzten Spezialkommandos zu Mitteln, die sich vom Verhalten der infizierten Einwohner nicht mehr unterscheiden. Die Grenzen des Wahnsinns verschwimmen, Evans City wird zu einem Schlachthaus, der eine Gruppe Nichtinfizierter zu entkommen versucht, während die Regierung bereits erwägt eine Atombombe auf die Stad zu werfen und Evans City von der Landkarte zu löschen. Auch der fieberhafte Versuch ein Gegenmittel zu entwickeln scheitert.
Katastrophenfilm oder Splattermovie?
Der Plot des Films könnten den Schluss nahe legen, dass es sich bei "The Crazies" um einen Film handelt, der in der Tradition der Katastrophenfilme der 70er Jahre zu verankern wäre. Ein Genre, das gerade in diesem Jahrzehnt eine Hochblüte erlebte, bzw. sich als solches herausbildete (trotz der natürlich schon seit den Anfängen des Films immer vorhandenen Lust Katastrophen auf die Kinoleinwand zu bringen).
Die Tatsache, dass es aber in diesem Film keine echten "Guten" gibt, niemand die genre-immanente, von großen persönlichen Verlusten geprägte Wandlung zum Helden vollzieht und auch dass vom stümperhaft und unprofessionell agierenden Machtapparat / Militär keine Rettung zu erwarten ist, verunmöglichen diese eindeutige Zuordnung. Die im klassischen Katastrophenfilm übliche "Werbung für die Grundpfeiler des Systems" (Andreas Reimann in seinem Aufsatz "Katastrophale Normalität" auf Jungle World) entfällt hier ganz. Eventuell könnte man aber in der Systemkritik, die in "The Crazies" immer wieder auch als redundant kritisiert wurde, einen Vorgriff auf die Wiederbelebung des Katastrophenfilms in den 90er Jahren finden.
Die expliziten...
...Gewaltdarstellungen, die aber auf jene beruhigende und zur Distanz einladende Highend-Optik der heutige zur Verfügung stehenden digitalen Renderingmöglichkeiten völlig verzichten (müssen), in ihrer Eindeutigkeit aber keine Wünsche offenlassen, rücken den Film dann doch eher in die Nähe des Splatter-Genres. Doch auch zu diesem Genre ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich. Trotz einer großen Nähe zum Fleisch, fehlt in diesem Film die Überhöhung der Ursachen und die (ironische) selbstreferenzielle Komponente, die Splatter-Movies innewohnt.
Vielmehr scheinen die Bilder auf beunruhigende Weise real und gegenwärtig. Vergleiche mit Bergen von brenneden BSE-Rindern oder die Vogelgrippe-Impressionen aus den jüngsten Nachrichten drängen sich beunruhigenderweise stärker auf, als das Lachen über somnambule Zombies oder ein anständiges Chainsaw Massaker.
Vortrag und Screening
Karin Heide hält einen einführenden Vortrag über "The Crazies". Karin ist Visualistin und Lehrbeauftragte an der FH Joanneum (Studiengang Informationsdesign).
Ich werde wohl auch ein wenig über das Projekt "Arad-II" sprechen.
Programmstart ist am Sonntag, den 15. Jänner 2006, um 20:00 in der monochrom'schen "project speis" im Museumsquartier.