... ist ein guter Film. Das sollte man/frau in Rezensionen eigentlich immer erst ein wenig später bemerken, aber was solls. Ist ja schließlich ein DVD-Tipp.
Black Box BRD ist mittlerweile schon sieben Jahre alt, aber die derzeit in Deutschland geführten Diskussionen zeigen wieder einmal die endlose Brisanz des Stoffes.
Was sich hier in 107 Minuten Laufzeit ausbreitet ist ein kleines politisches Universum. Dabei schafft es Regisseur Andres Veiel nahezu bravourös jedem Fettnäpfchen, das sich bei dessen Darstellung anbietet, auszuweichen. Und Fettnäpfchen, angefangen von den polemischen über die reißerisch-dramatischen bis zu den heftig-emotionalisierenden, hätte es bei dieser Grundidee sicher genug gegeben: Black Box BRD schneidet die Lebensgeschichte zweier Männer quer. Der eine ist Alfred Herrhausen, der nach dem Besuch einer Nazi-Eliteschule eine steile Karriere beginnt und schließlich Vorstandssprecher der Deutschen Bank wird.
Der andere ist Wolfgang Grams, der aus einfachen Verhältnissen stammt und als Jugendlicher gegen das bürgerliche Leben rebelliert, der die Welt verändern möchte und sich schlussendlich der RAF anschließt. Herrenhausen wird Ende der 1980er Jahre in seiner Limousine von RAF-MitgliederInnen in die Luft gesprengt, Grams wird von Beamten der Polizei durch einen Kopfschuss getötet.
Alfred Herrhausen
Andres Veiel, Diplompsychologe und mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilmer (etwa "Die Überlebenden", 1996) hat es, obwohl das schwierig wirken mag, geschafft, einen nicht-parteiischen Film zu machen. Ohne Off-Kommentar, nur durch die Berichte und Erzählungen von FreundInnen, KollegInnen und Verwandten wird die Lebensgeschichte der beiden Männer dargestellt. Dabei ist Black Box BRD aber ein Film, der sich nicht zu einer mit Tränen und Leid aufgeladenen Faktensammlung degradiert. Wenn interviewte Personen weinen, dann wird das nur deshalb gezeigt, weil sie noch nicht fertiggesprochen haben, nie aus voyeuristischer Intention. Es gibt keine Spielszenen. Nur ein paar persönliche Bilder auf Super-8, sonst Bahnhöfe, Krankenhäuser, Straßen, Glasfassaden und Mercedes-Autokonvois, die in einer raffinierten (aber keineswegs manipulierenden) Weise verwoben sind.
Andreas Veiel
Durch die Aneinanderreihung für den Erzählprozess unwesentlicher und oft auch stark verfremdeter Bilder wird der Fokus auf die Tonspur gerichtet. Diese hält den Film zusammen - und bildet aus der Menge von Schilderungen, Auslegungen und Interpretationen schließlich ein Ganzes.
Es geht Veiel keineswegs darum, das Leben eines (potentiellen) Mörders dem seines (potentiellen) Opfers gegenüberzustellen. Black Box BRD ist ein Film über zwei rastlose Männer und die Zeit in der sie lebten. So einfach ist das.
"Es war faszinierend, zu entdecken, was von diesem deutschen Idealismus bleibt und wie er sich an zwei vollkommen unterschiedlichen Punkten der deutschen Realität auswirkt", so Andres Veiel. Mehr gibt es nicht zu sagen, außer, dass dieser Film nicht für revolutionäre NostalgikerInnen gedacht ist - und auch keine Antworten liefert.
Wolfgang Grams
Black Box BRD Mit: Traudl Herrhausen, Rainer Grams, Hilmar Kopper, Rolf E. Breuer, Werner Grams, Ruth Grams
Im guten (Online)Fachhandel und in zahlreichen Videotheken erhältlich.