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Wien | 18.4.2007 | 13:44 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
"To Be Or Not To Be"
  "Lubinski, Kubinski, Lominski, Rozanski & Poznanski - wir sind hier offensichtlich in Polen. Und zwar in Warschau. Es ist August 1939. In Europa herrscht Frieden. Noch. Zur Zeit geht das Leben in Polens Hauptstadt seinen gewohnten Gang. Aber plötzlich muss irgendetwas passiert sein. Sehen diese Polen ein Gespenst? Warum hält dieses Auto plötzlich? Alle starren in eine Richtung. Die Leute sind verblüfft, erschrocken! Einige hat die Panik erfasst. Das kann doch nicht wahr sein. Es muss aber wahr sein! Kein Zweifel: Der Mann mit dem kleinen Schnurrbart ist - Adolf Hitler. Adolf Hitler in Warschau? Wo doch zwischen beiden Ländern Friede ist? Und so ganz allein? Seltsamerweise scheint ihn die ganze Aufregung, die er verursacht, gar nicht zu berühren. Gilt sein Interesse etwa Maslowskis Würstchen? Unmöglich. Er ist doch Vegetarier. Wenn er sich auch nicht immer an seine Diät hält. Wenn er gerade Appetit hat, schluckt er ganze Länder. Will er etwa auch Polen verspeisen? Wie kommt er überhaupt hierher? Was ist geschehen?"
 
 
  So beginnt der Film "To Be Or Not To Be" von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942. Propagandafilme waren eine effektive Waffe im zweiten Weltkrieg und Propagandakomödien waren die Speerspitze des geistigen Angriffskriegs.

Nachdem im Jänner der Film "Mein Führer" von Dani Levy mit Helge Schneider in der Hauptrolle in die Kinos gekommen ist, und für bildungsbürgerlichen Aufruhr gesorgt hat, war es uns ein Anliegen, die komödiantische Gegenwartstaktik mit der Propagandahumoreske aus den Vierzigerjahren zu vergleichen. Die feinere Klinge führt eindeutig Lubitsch: Seine Art, die gesamte Nazi-Maschinerie zu einem rasanten Theaterstück Shakespeare'scher Provenienz zu machen, ist einzigartig und reiht den Film in die ewigen Top 10 der politischen Entertainment-Filme, der noch dazu mit tolldreisten Handlungssträngen punktet. Komödie, Spannung, Intrige! Bei allem Vergnügen, das der Film bereitet, weicht er niemals von seiner Härte ab. Fast scheint es, als spielten die Schauspielerinnen und Schauspieler in der Handlung um ihr Leben.

Lubitsch nutzt seinen Film, um dem NS-Regime Werte entgegenzusetzen, die er aus den Figuren und ihrer Geschichte erwachsen lässt: Solidarität, Humanität und Lebensfreude. Wenn es hart auf hart kommt, kann die Schauspielertruppe im Film durch nichts entzweit werden. Da ziehen der glücklose Hamlet-Darsteller Josef Tura, der mutige englische Flieger Lt. Stanislav Sobinski und der geniale Theaterregisseur Dobusch an einem Strang und mit viel Geschick können sie ein von der polnischen Regierung zuvor abgesetztes Stück über die Gestapo nutzen, um ihr Leben zu retten. Der Hauptgegenspieler, der deutsche Doppelagent Prof. Alexander Siletsky, kann mit Theaterdonner endlich in die Irre geführt werden. Und so nebenbei wird auch Hitler beseitigt - natürlich im Theater.
 
 
 
Wie, wann, wo?
  Am Donnerstag, den 19. April 2007 um 20 Uhr im Rahmen der "Projektion".

Franz Ablinger wird einen einführenden Vortrag halten. Danach Screening und Diskussion.

Im Museumsquartier, QDK (gleich neben dem monochrom-Office.)

 
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