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Wien | 13.6.2008 | 12:37 
Das (monochrome) Ende der Nahrungskette

HansWu, Trishes, Pinguin

 
 
Das Visum
  Durch meine Arbeit an Sowjet-Unterzögersdorf: Sektor 2 lernte ich die Leute kennen, die nun schon zwei Mal in Wien den "Visum Club" gestalten. Und da am Samstag, den 14. Juni 2008, im Wiener Lokal Derwisch das nächste "Visum" zelebriert wird, wollte ich mal nachfragen.
 
 
 
 
 
Was ist Visum? Und was macht ihr?
  Ein Visum ist prinzipiell mal ein Papier zur Legitimation einer Grenzüberschreitung. Und während wir auf den Plattentellern und der Tanzfläche von Wien über Berlin, Warschau und Belgrad nach Moskau und wieder zurück springen, überwinden wir auch die "historische" Trennung der Welt in Ost und West, weil wir uns, als dem so genannten "Westen" Angehörige, bevorzugt mit Musik aus dem so genannten "Osten" beschäftigen...
 
 
 
Woher kam die Idee zum Visum Club?
  Die Idee zum Visum Club nahm ihren Ursprung beim Hören eines alten Schlagers, der unsere Schallplattenunterhalterin (DJs in der DDR hießen SPUs, Anm.) "Zistra Kalbaszaa" in ihre DDR-Kindheit zurückversetzte und in ihr den Wunsch weckte, Wien mit "exotischer" Musik aus dem "Arbeiter- und Bauernstaat" zu bereichern. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt das Visum in seiner heutigen Form.
 
 
 
Visum ist also eine Ostalgie-Party?
  Nein, Visum ist nicht nur Musik mit Vergangenheitsbezug oder eine abgeänderte "Russendisko". Diese Party klingt außerdem nach der ungebrochenen Begeisterung für Zukunft und Technik, die man im russischen New Wave der 1980er heraushören kann, nach dem gegenwärtigen (weil zeitlosen) Protest, der von Brecht bis Biermann und von Feeling B. bis Die Firma (nicht zu verwechseln mit der Hiphop-Band!) vertont wurde, oder auch der überholten Leichtmütigkeit des deutschen demokratischen Schlagers und der sogenannten "NDW". Visum-kompatible Musik reicht ja auch bis in die Gegenwart von Ska, Pop und Elektronik.
 
 
 
Wie geht ihr mit der politischen Dimension der Musik um?
  Wir greifen Walter Ulbrichts Kritik am "Jejeje und wie das alles heißt" (seine Umschreibung für die "West-Musik" der Beatles) und J. R. Bechers "Lied der Partei" ("Die Partei, die Partei, die hat immer Recht") auf und stellen ihnen den verbotenen oder verpönten Punk und Twist aus eben derselben Zeit direkt gegenüber. Hochtrabend könnte man "politische Dekonstruktion" dazu sagen...
 
 
 
Wo seht ihr Visum im Jubiläumsjahr 2009... 20 Jahre Fall der Mauer?
  Wenn es nach unserem Willen geht, immer noch im schönen Derwisch in Wien 16, nebst unseren grandiosen Nachbarsveranstaltungen Club Vagabund und UFO Club. Wir fühlen uns nämlich seit den Anfängen der Party als Teil der Derwisch-Familie, und wir glauben nicht, dass Visum ohne das Derwisch Visum sein kann...
Und feiern müssen wir ja mindestens so lange, bis auch die "geistige" Mauer fällt, also ist uns wohl ein langes Bestehen sicher.


 
 
 
Also...
  ... schaut doch am Samstag, den 14. Juni, ab 20 Uhr ins Cafe Derwisch (Lerchenfeldergürtel 29, 1160 Wien).
Diesmal mit speziellem Gast-SPU Mario Lang (Stimmgewitter Augustin!), Ost-Visuals, Ost-Deko, Begrüßungswodka und (übertretbarer) Vorschrift der (nicht-militaristischen) Ost/DDR-Verkleidung.
 
 
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