Wien | 11.11.2003 | 12:39 Rauben, Brandschatzen und schöner Leben
Ich weiss nicht, was ich sagen soll
Das ist alles so arg und ich kann das nicht einfach so und überhaupt. Egal: also eh klar, dass ich da aufgeregt war und mich gefreut habe, wie ein ..., wie ein ... - mirdochwurscht.
Ich hab' mich ure gefreut, dass Dave Gahan in Wien spielt, weil ich ihn ja noch von Depeche Mode kenne und die mag ich ja auch sehr und vor ein paar Wochen habe ich mit ihm ein Telefon-Interview gemacht und danach war ich überzeugt, dass er von Jahr zu Jahr netter wird und einfach ein super Typ ist. Ist er wahrscheinlich auch. Jedenfalls wollte ich ein Interview machen gestern. Also für die "Sendung ohne Namen" im Fernsehen (Donnerstag Nacht).
Ich steh' da also herum im Backstage-Bereich vom Gasometer. Mit David Pfister (FM4), Plattenfirmen-Menschen und FreundInnen.
Falscher Gahan! Der echte heißt nicht Andrea.
Ui, da is' einer schlecht gelaunt
Dann heißt es, das Interview ist nicht wie ursprünglich vereinbart zwanzig Minuten, sondern nur zehn Minuten lang. Und nicht fürs Fernsehen allein, sondern TV und Radio in einem. Das ist nicht schlimm, das macht mir nichts und ich freu' mich immer noch.
Dann heißt es, das Interview schiebt sich nach hinten, und man hört den Grund: Dave Gahan telefoniert sehr engagiert und emotionell. Alle tuscheln, und der große Alex, der Security macht und sehr groß ist (englisch: "big"), raunt jemandem ins Ohr: "Ich war schon zwei Mal mit Depeche auf Tour, aber so hat er sich noch nie aufgeführt."
Dann kommt der Tourmanager 'rein und sagt, man solle in eigenem Interesse keine Fragen zu Depeche Mode stellen. Nur zu Dave und seiner Soloplatte. Nochmal: Keine Fragen zu Depeche Mode. Bitte, ihr könnt es ruhig probieren, aber in eurem eigenen Interesse: Keine Fragen zu Depeche Mode, nur zu Daves Platte, "paper monsters".
So, dann kommt Dave endlich in das Kämmerchen, in dem wir warten, ihm zu huldigen.
Er ist nicht gut gelaunt. Vielleicht war der Empfang von seinem Handy sehr schlecht. Oder seine Frau hat absichtlich sehr leise gesprochen, damit er sie nicht versteht. Vielleicht hat er auch ein Wurstbrot gegessen und es hat ihm nicht geschmeckt, weil sich die Wurst nicht vorgestellt hat. Keine Ahnung.
Der "Big Alex". Der hat mitgefilmt, statt Security zu machen. Ich sag's weiter!
Dave kommt herein, setzt sich hin, murmelt, er wolle nur und ausschließlich über Musik reden und wir hätten zehn Minuten. "Go", so lautet sein Befehl in fließendem Englisch.
Na gut, das mit dem Nur-über-Musik-reden könnte schwierig sein, für die "Sendung ohne Namen", die sich nicht a priori mit Musik per se befasst (nur falls wer glaubt, ich kann nicht zwei lateinische Fremdworte in einem Satz unterbringen. Liebe Grüße an Albert).
Ich erkläre Herrn Gahan wortreich das Konzept und die Aussage der Sendung. Er meint darauf, er wolle keinen "Teenie" Schas machen.
Naja, die "Sendung ohne Namen" ist keine Teenie-Sendung in dem Sinn und da müssen wir jetzt durch, sorry. Die erste Frage handelt von Geld und was man sich davon kaufen kann und was nicht. Sehr philosophisch und der Sendung würdig. Vielleicht war die Ausführung missverständlich. Als nicht käuflich setzte ich Schönheit und Intelligenz voraus und fragte, ob er denn lieber ugly oder stupid wäre, hätte er die Wahl. Sagt er doch: "next question".
Is' ok, die nächste Frage weiß ich nimmer, jedenfalls hat er dann gesagt, er ist 42 und zu alt für so einen Blödsinn und er ist ja nicht der Robbie Williams. Dann ist er aufgestanden und rausgegangen. Schade, es hätte noch sehr interessant für ihn werden können.
Zweimal Gahan im Bild. Einmal böse, einmal lieb.
Das Konzert war super
Aus mehreren Gründen: Der Dave Gahan hat sich endlich wieder so aufgeführt wie bei alten Depeche Mode Tourneen und ist nicht wie angewurzelt rumgestanden (wie er das auch schon öfters gemacht hat letztlich). Die Lieder von seiner eigenen Platte hat er auch gesungen, aber nicht sehr viel und nicht sehr lange. Wirklich ausgeflippt sind alle in der Halle (Ein Reim! Wie schön ...) wie er von "Walking In My Shoes" über "Never Let Me Down", "Policy of Truth" und "Enjoy The Silence" praktisch mehr Depeche Mode Nummern gespielt hat als auf jedem Depeche Mode Konzert. Die gute Laune der Menschen hat ihm sichtlich gefallen und er hat sich ausgiebig feiern lassen. Sogar ein Zugaben-Set in Akustik-Besetzung wurde gegeben und man hörte ein "just can't get enough".
Das ist nicht nur Depeche Mode, sondern sogar Vince Clarke 1980. Wie man da den Nerv haben kann, zu verlangen, man wolle nicht über Depeche Mode reden, finde ich lustig aber nicht verständlich. Das ist wie wenn Gabriele Kerner mit "99 Luftballons" auf Tour geht und meint, sie wolle nicht über Nena sprechen.
Aber wie gesagt: Ich glaube, er war nur schlecht gelaunt. Vielleicht auch zu lange auf oder so. Und die Tour ist sicher auch anstrengend.
Wahre Freunde
Wir sind dann zu viert beim Bier und dem einen Spritzer gestanden und sind zu dem Schluss gekommen, dass das eigentlich eh to-tal super vom Gahan war, das Interview abzubrechen, weil das ure ehrlich war und viel besser, als sich zu verstellen und er ist ja schließlich auch nur ein Mensch und bis jetzt war er immer super nett und das Konzert war wirklich super. Hoffentlich geht's ihm eh gut!
Ein echter David. Zwar kein Gahan, kann aber auch singen, bricht Interviews nicht ab und Pfister klingt auch schön.