=>Ante Scriptum: Hab ich eigentllich nachher geschrieben, gebe es trotzdem vor dem eigentlichen Text (digital ist wirklich besser). Wegen der nicht geplanten Überlänge und der daraus ergebenden Gefahr, den einen oder anderen interessierten Leser unterwegs zu verlieren, möchte ich vorab auf einige Dinge hinweisen:
1) Es gibt was zu Gewinnen!!! In der Mitte des Textes steht mehr dazu.
2) Es gibt etwas zu kaufen! Das neue Monochrom natürlich. Infos am Ende des Textes
3) Es gibt was zu Feiern!! Die Erscheinung des neuen Monochroms natürlich. Infos am Ende des Textes
4) Es gibt was Tolles und Seltenes zu ersteigern!! Infos am Ende des Textes
Über Ein Kilo in drei jahren
Drei Jahre brauchte es, um über ein Kilo monochrom zusammen zu bekommen. Darauf ist Johannes Grentzfurthner besonders stolz (Der mich ja, seit ich mich bereit erklärt habe, über den Sachverhalt zu schreiben, im Stundenrhythmus anruft, wann wohl folgendes Geschreibsel endlich zu lesen sei). Genauer gesagt, bringt das neue monochrom 1300 Gramm auf die Waage. wir sprechen hier von einer Zeitschrift, die, wie das "Zeit" vor der "Schrift", verlangt, periodisch zu erscheinen hat. monochrom, das Magazin, war das erste Produkt, dass ich von der Gruppe mitbekommen habe und das ist schon lange her. Es war wahrscheinlich die dritte Ausgabe, die ich im Jahr 1995, bei der ersten zufälligen Begegnung mit Grentzfurthner, Fra und Homolka am FM4 Messestand auf der Ifabo in die Hand gedrückt bekommen habe
=>(Beim gleichem Messestand, im Stil "Jugendzimmer" natürlich, hatten wir auch einen Flipper aus dem ORF Fundus stehen, eigentlich kenne ich Flipper ja nur als Einrichtung bei ausgebauten Dachgeschosswohnungen von besserverdienenden Werbegrafiker oder so, aber nicht als Inventar von Jugendzimmer, auf alle Fälle wurde uns von irgendeinem Kontrollator, der das Ganze stundenlang beobachtet hat, ein großer Batzen Vergnügungssteuer aufgebrummt, wegen dem das damals ohnehin schon magere FM4 Budget ziemlich belastet wurde, ich hab dann vom damaligen FM4-Chef, Mischa Zickler, deswegen Schimpfer bekommen, obwohl der Flipper, gut gemeint, die Idee der ORF-Bühnenbildnerin war, aber das ist jetzt wirklich eine ganz andere Geschichte)
Mein erster Gedanke war:" Ah, ein Fanzine". Was falsch war, weil ein Fanzine ja von irgendetwas Fan sein sollte. Fritz Ostermayer hatte das damals noch handkopierte (glaub ich zumindest) Magazin, samt gleichnamiger Produzentengruppe, auch schon kennengelernt gehabt und sprach von der "besten und außergewöhnlichsten Schülerzeitung", die er je gelesen hatte, was natürlich auch falsch war, erstens, weil keine Lehrerzitate und Schulballberichte drinnen waren und, zweitens, alle Monochromisten damals schon den Schulabschluss hinter sich gebracht hatten. Auf alle Fälle dürfte irgendwie so die Verbandelung von monochrom mit so manchen Teilen von FM4 begonnen haben. Auf alle Fälle machten die (damals noch vorwiegend) Jungens auch viel mit Internet und auch das machte im 95er Jahr interessant.
Monochrom 3
=>(Martin Pieper erzählt ja gerne neuen FM4-Mitarbeitern bei der Einschulung, durchaus nachvollziehbar, dass der Erfolg von FM4 mit dem Timing der Entstehung zu tun hat, drei Ereignisse nennt er stellvertretend für den Umbruch am "Markt", die den Sender begünstigte: Der Tod von Kurt Cobain davor, der Höhepunkt der Club- und Ravekultur und das Aufblühen von Deutsch-Hiphop. Ich würde natürlich den Durchbruch des Internets auch dazufügen. Irgendwann erzählte mir eine Bekannte, dass sie FM4 nicht mehr hören würde, weil sie als Nicht-Internetnutzerin sich ausgeschlossen fühlte. Monochrom auf alle Fälle tat viel mit Internet. Zwei Mitglieder kannten sich sogar aus dem Fido-Netz(Store'N'Forward), was ja noch wirklich ultrapioniernerdig ist, weil es noch vor dem Internet passierte. Auf alle Fälle hatten sie, während andere e-mail toll fanden, einen aus Lego gebastelten Roboter auf Rädern mit Kamera, den man von der Website aus durch die Wohnung steuern konnte. Das fanden wir natürlich toll und haben Monochrom und Roboter ins Studio eingeladen. Die kamen mit Rechner und wollten sich ins Internet anstoppeln, das ja damals auch beim ORF ganz neu war. Der Techniker wusste nicht einmal ob der ORF eine Firewall hat, oder nicht. Auf alle Fälle bewegte sich dann der Legoroboter durch das Internet von Hörern gesteuert für einige Stunden durch das FM4 Studio. Heute geht das natürlich nicht mehr, da darf man sich nicht einmal WinZip selber installieren)
Was ist die Leistung eines Rhizoms?
In Unternehmen, die einen auf modern tun, gibt es ja die sogenanntet KPIs, die Key Performance Indicators. Also Schlüsselindikatoren, mit der die Leistung von Abteilungen oder Mitarbeiter gemessen werden: Umsatz, abgeschlossene Verträge, Presseerwähnungen der Marke, Zugriffe, Fernsehquoten.
=> Bei FM4 gibt es ja dafür bekanntlich Chefcontroller Martin Blumenau, der ja jahrelang, immer wenn Monochrom zu Gast war, immer nur "Iiih, die Nerds, die Nerds, die Nerds" von sich gab, übrigens gibts im neuen Monochrommagazin, dass ich hier eigentlich beschreiben wollte, ein sehr gelungenes Foto von Martin Blumenau, so in der Art, wie die persönliche Homepage von Martin Pieper. Nun gut, wo sind wir stehengeblieben?
Ach ja, Leistungsindikatoren. Wie vorher erwähnt, umfasst das neue Monochrom-Magazin 436 Seiten zu einem Gewicht von 1300 Gramm. Magazin 3 aus dem Jahr 1995 umfasste im Vegleich dazu nur 68 Seiten. Wenn man jetzt annimmt, dass im Magazin Kreativität, Sammellust und Mobilisierungsvermögen (auch die Autoren sind mehr geworden) widergespiegelt wird, so hat man einen brauchbaren Leistungsmesswert über das gesamte Kollektiv. Und dieser hat sich eben in neun Jahren von 68, wenn man die Seitenanzahl jetzt hernimmt, auf 436 gesteigert, ganz zu schweigen von den 1300 Gramm, das sollte irgendein Aktienindex mal nachmachen.
Monochrom 4/5
Monochrom über die Jahre: Weinrot: Seitenanzahl; Blau: Gramm. Na, das nenn ich Performance
=>Aber eigentlich ist der oben gezeigte Aufwärtstrend bei näherer Betrachtung erstunken und erlogen. Die 1300 Gramm und die 436 Seiten stimmen natürlich. Die Betrachtungsweise über die Leistung über die Jahre stimmt nicht. Richtiger wäre eigentlich die untere Grafik. Wer weiss warum UND dazu noch schreibt, warum er gern das neue Monochrom lesen will, kann eines der neuen 1300 Gramm Exemplare gewinnen. "Weil ich das lustige Foto von Martin Blumenau sehen möchte", gilt übrigens nicht. Beiträge dazu ins Forum. Gewinnen tut man mit der richtigsten und besten Antwort. Wir bestimmen, wer gewinnt. Es werden nur Messages mit einem Postzeitpunkt vor dem 10.2.2004; 0.09 Uhr berücksichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Mono 6/7
Das ist wäre eigentlich die Leistung des Unternehmens monochrom, wenn Seitenanzahl und Gewicht der Puplikation als KPIs annehmen würde. Traurig, aber eh nicht so wahr. Traue keinem Excel, niemals!
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Schwachsinn, also, das Ding mit der Leistung und eigentlich sollte ich ja über den Inhalt schreiben, was ich bis jetzt, wegen Anekdoten und Excelspielereien mit keinem Wörtchen gemacht habe. Monochrom, das sich selber unter anderem als staatlich geprüftes Rhizom bezeichnet, praktiziert die lebendige, wuchernde Mannigfaltigkeit. Dieses ist das neue Monochrom auch. Mannigfaltigkeiten haben keine Inhaltsangabe, irgendwo aufgeschlagen, blättert man sich durch eine Vielheit von Text und Bild, auf Seiten, die geschnitten und geklebt oder im Photoshop arrangiert wurden oder geschnitten und geklebt und danach im Photoshop arrangiert wurden. Lange Autorentexte, Übernommenes, Gefundenes, Zerstückeltes, neu zusammengesetzt. Eine Enzyklopädie ohne Ordnung, Hierarchie, Format und Anspruch auf Vollständigkeit. Eine Vielheit von Sichtweisen gestaltet in verschieden intensen Inhaltlichkeiten. Hier eine stark verkürzte Liste der Beiträge (Wem es zu lang ist, einfach die nächsten 2 Absätze überspringen):
mono 8/10
Inhaltliches (stark verkürzte Liste)
=>Zitronenfalter und Bestechungen, Shigellen, Dübel und Blut, zur Ökonomie des intellektuellen Besitzes, die Schönheit der impliziten Kaputtheit der Selbstverständlichkeit, das linguistische Gegenstück zur Eva-Theorie, als Schneider einmal richtig Angst hatte, Pernerstorfer über Schmeichler und Parasiten im griechischen Theater, Rucksackpriester, voraus eilende
Phantasie, SMS-Notgeilheiten und andere Kommunikationsburlesken, Phoenix' psychologischer Comic-Krieg in Vietnam, Forschungsstelle "selbstgestaltete
Namensanstecker", das Star Trek-Universum (voller heldenhafter Menschen, faschistischer Cardassianer und geldgieriger Ferengi), Foto Hienze, die Geschwister Hofmann (Sprechblase A und B), Physik und Größe in biologischen Systemen (und was das mit Kuchen und Gulliver zu tun hat), Schnürsenkelaufbewahrungsorte, die Historie der Menstruation, Volkswagen und Pink Floyd, Tullipans Seepferdchen, nötige Polemiken gegen bestimmte
Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse, Meat Loaf und Des Moines, Rappaport der lustige Kontext), zum ästhetischen, politischen und soziokulturellen Niedergang eines Milieus (und einer Essstörung), Jimi Hendix und die Virtual Reality, die schönsten bewaffneten Auseinandersetzungen der USA, der Akt des Sprechens an sich, das periodische Haiku-System der Elemente, das kleine Wörterbuch nach Wencke Myhre, Links- und Rechtsverkehr im geschichtlichen Abriss, typographische Mitschuld, besoffene Igel, zum Staatsroman in der Weimarer Zeit, der Prolog zur Fahnenweihe, Hass und Kommunikationslösungen und Ryan Air, phänomenologische Wolllust, Raubkopierer 1986, die Geophilosophie der Immanenz, Unsittlichkeiten, aerodynamische Analyse des Schmetterlingsflugs, Manuals for Modern Living, die Geschichte der wilden Kinder, Lektion 11 (Szene 1 bis 5), Monarchie und Alltag und Fehlfarben, Zungenbrüche, ein Golf und ein Deinocheirus, Zeitphänomene privat, widerrechtliche Vorgänge,
Charles Mansons Gerichtsstenogramm vom 19. November 1970, die geteilte Luft der sozialen Lichtung, Wirklichkeit und Simulation und Hyperrealität, Bürgerbildung, Last Exit Disneyland, eine Lenin-Mär aus dem Ural, Ana-Grammatologie, das Ende von Endor, absoluter Apostrophenmissbrauch, die Bildergeschichte von Fritze Klump (featuring Wachmeister Kasulke), the Medium is the Monotheismus, Bundesverband Schleppen&Schleusen, zu den sozio-politischen Themen bei den Schlümpfen, Scotty beim Wachsen zuschauen, Martinas neue Niere, die Wikinger in Amerika, Jean Francois Sudres Solresol, Anderland-Siff, idiosynkratische Notizen zur Graphic Novel, Florian Berndl und das gleichnamige Bad, Rudi Ross vs. Klarabella Rec. (und die Erfindung des ABS), feministische Betrachtungen aus dem musikjournalistischen Alltag, Zahlensysteme, neunzehn Heilige aus der Legenda Aurea (von Helena bis Johannes, dem Abt), Wissen ist Mast, psychomedizinische Betrachtungen zu teuflischen Telefonschnurfesseleien, drei Geschichten von Herrn Keuner, Säugetiergelaber, Fundstücke aus Alltag und Süddeutschem Rundfunk, Calvin, Hobbes und Fight Club, Bamberger Kreisräte, Gespräch mit dem Vorsitzenden der amerkanischen Schöpfungsgesellschaft, Calvin, Hobbes und Fight Club,
Die Rezension und die Welt
Ein Kernstück der 436 Seiten sind die Rezension. Rezensiert werden nicht nur Bücher, Musik und Filme, sondern eigentlich fast alles. "Und da die Philosophen die Welt nur verschieden verändert haben, kommt es darauf an, sie zu rezensieren", steht über dem 80-seitigen Rezensionsteil. Und so gibt es Besprechungen von Ökosystemen, Organisationen, Betrieben und Mailordergeschäften, Chemikalien, Büchern und Dickdruck, sozialer Praxis, Naturgesetzen, Rezensionsfloskeln, Vorschlägen zur Verbesserung der Menschheit, Uhrzeiten, Lebewesen, Menschen und Teile derselben, Börsencrashs, Genoziden, Eingangsphantasien für Masturbationen.
Die Rezensionen verschiedener Uhrzeiten (z.B.: 0.09, 15.32 und 9.30) sind überraschenderweise sehr interessant (wirklich). In der Rezension von "Mein Kampf" taucht die Frage auf, wie der Autor richtig bibliografisch, zum Beispiel für eine historische Arbeit, angegeben werden soll: "Hitler, Adolf" etwa? Weiters das Ergebnis eines Versuches, im selbigen Werk zehn normale und harmlose Sätze zu finden, Sätze, wie der Autor der Rezension meint, man z.B. einem Fremden auf der Loveparade ohne weiteres ins Ohr brüllen kann. Der Versuch misslingt, soviel kann hier schon verraten werden. Die 95 Thesen von Luther wird als fades, sich immer wiederholendes Fanzine bewertet.
Der Ansatz die Rezension als Form zu wählen, die Welt zu fassen hat etwas für sich. Schon allein wegen dieses Teiles sollte man das Werk kaufen. Merkbarim Vergleich zu den früheren Erscheinungen ist die Vergrößerungen der Anzahl der Beitragenden. Über 200 Personen waren Quelle für die Inhalte. Merkbar im Stil und inhaltlichen Details auch der Einfluss vieler neuer deutschen Monochromisten, hervorgerufen durch Einflussbereich der Zweigstelle Bamberg. So gesehen ist diese Vielfalt der eigentliche Leistungsbeweis oder, von mir aus, der Erfolg von Monochrom. Nicht zu verwechseln mit finaziellen Erfolg. Für den Druck wurde ein Kredit aufgenommen, der einmal eingespielt werden muss.
=>Mit Erfolg und Geld ist es bei Monochrom so eine Sache, denn als Martin Blumenau vor einiger Zeit, die Monochrom- Version von Danke im Powerplay gespielt hat, war das zwar ein unglaublicher Erfolg für die Musiker Monochrom, aber die erhöhten Downloadzugriffe auf der Website brachte auch eine gesalzene Rechnung für Bandbreite. Ähnliches passierte mit dem Auftritt als Vertreter Österreich bei der Biennale in Sao Paolo, bei den Kosten für den Druck des Katalogs.
mono 11/14
Kauft und ersteigert es !!!!
Übrigens soll das nächste Monochrom nicht aus 1000 Seiten bestehen, was ja nach dem aufgezeigten Trend zum Wachstum logisch wäre, sondern wahrscheinlich nur drei. Diese werden aber wohl sehr, sehr, sehr groß sein. So, nun geht euch jetzt das Werk kaufen. Ich empfehle es sehr.
Das neue Monochrom (isbn 3-9500731-4-0) kann direkt erworben werden unter monochrom.at, im ausgewählten Buchhandel oder heute, 6.2., bei einer Soirée anlässlich der Erscheinung im Freiraum/MQ Wien ab 19 Uhr. Der Freiraum befindet sich im vorderen Trakt des MQ (auch Q21 genannt), fast bei der Mariahilferstraße.
Weiters gibt es für Sammler und Liebhaber des Besonderen und Seltenen folgendes bei einem bekannten Online-Auktionsportal zu ersteigern:
Der erste Andruck des neuen Monochroms (habe ich gerade vor mir), das es als zweites nicht mehr geben wird. Der Erlös der Versteigerung ist eine Spende an den Verein Monochrom. Hier geht es zur Versteigerung