1992 wurde in Großbritannien die erste SMS verschickt. Die ORF ON-Hauptseite hat eine große Geschichte dazu geschrieben. Wie einige von euch wissen, habe ich ja vor 2 Jahren vom drahtlosen Medium Radio zu dem gewechselt, was man im Branchenrotwelsch "Wireless" nennt. Die Beschäftigung mit SMS gehört seitdem zum Tagesgeschäft, wie früher die mit "Kuchen und Bobby's" (wer wohl, außer den Alt-FM4lern, das noch kennt?).
SMS - Der Missbrauch
Die Geschichte ist bekannt: SMS, das Abfallprodukt, das eigentlich für etwas ganz anderes gedacht war, und die User, die damit ganz andere Dinge angefangen haben, zur freudigen Überraschung der Mobilfunkanbieter. Das ist wie gesagt die Legende, klar ist: Es war alles nicht so geplant. Tatsache ist, dass SMS ein europäisches Phänomen ist. Kurznachrichten werden zwar auch in Japan massenhaft über das Handset verschickt, doch das verwendete i-mode System ist in dieser Hinsicht eher mit Internet zu vergleichen (ist es sogar auch). Der Unterschied zu den europäischen Kurznachrichten: Es gibt keine Beschränkung. Meiner Meinung nach war Beschränkung nie ein Hindernis für neue Wege. Trotzdem, der Craze der Alten Welt für Kurznachrichten über das Handy stößt bei Außenstehenden auf Unverständnis. In den USA ist der gegenseitige Austausch von maximal 160 Zeichen für die man jeweils ca. 10 Cent zahlt, wie z. B. hierzulande massenhaft vollzogen wird, einfach unbegreiflich. "Warum rufen die sich nicht gleich an?"
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SMS - Das Bedürfnis nach telematischer Poetik?
In diversen Marktforschungsergebnissen und Artikeln zum SMS-Phänomen ist immer wieder die Rede von den jungen Usern, mit großem weiblichen Anteil, die den Boom treiben. Dies wird wohl stimmen. Tatsächlich sind die zwei Heavy-User, die ich persönlich kenne, gar nicht mehr so jung, männlich, auf alle Fälle über 30 Jahre alt und bekannte Mitglieder der FM4-Redaktion. Eine interessante Beobachtung bei den zwei Herren: All ihr Geschriebenes, Versendetes, Empfangenes, Beantwortetes wird in der einen oder anderen Form gesammelt. Der eine schreibt sie wegen mangelndem Speicher ab, der andere hat sich extra einen teuren Nokia-Communicator besorgt, zwecks Tastatur und Speicherplatz. Führen die beiden eine Art Poesiealbum? Das Internet hat den Menschen wieder Schreiben und Lesen beigebracht, so sagen viele gescheite Medienfachleute. Ist SMS die moderne "Message in a Bottle"? Was sagt uns die Kurzkommunikation über GSM über Zwischenmenschliches? Was ist Poesie?