fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 28.7.2003 | 11:21 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
The time is right for Killing Joke
  Die bitterbösen Engländer rotzen nach sieben Jahren wieder ein gewaltiges Monument an Album daher. Was unlängst erst Wire bewiesen haben, gelingt auch Jaz Coleman und Co. Man kann jenseits der 40 Lenze durchaus noch Musik machen, von der sich einige jüngere Musikerkollegen eine Scheibe abschneiden können, denn Killing Joke haben die Messlatte (wieder einmal) ein schönes Stück höher gelegt.
Das grandiose Debüt
 
  Killing Joke
 
 
  25 Jahre Killing Joke. Eine lange Zeit, wohl wahr und es gibt sehr wenige Bands, welche sich über einen solch langen Zeitraum nicht bereits bis zum Erbrechen so lange selbst kopiert und karrikiert haben, bis sogar der Hardcore-Fanatic der ersten Stunde das Handtuch wirft und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass man sich doch auflösen möge. Bei Killing Joke gibt es dazu keinen Grund, denn man war immer offen für alles, egal ob Punk, Pop, New Wave oder gar Metal. Vor allem wurden Killing Joke niemals peinlich.

Sieben Jahre sind seit dem letzten Album "Democracy" vergangen. Sieben Jahre Funkstille sind Grund genug zur Annahme, dass die Band nicht mehr existent sei. War sie wahrscheinlich auch nicht, denn Sänger Jaz Coleman arbeitete in der Zwischenzeit mit dem Prager Symphonie Orchester,dem Auckland Philharmonic Orchestra und machte Aufnahmen mit Künstlern wie Nigel Kennedy und Mick Jagger. Bassist Youth war zwischenzeitlich als Produzent für Tom Jones, The Orb, Paul McCartney, Heather Nova und zuletzt für Flint tätig. Der Herr an der Gitarre namens Geordie widmete sich seiner Band Damage Manual. Jeder, der bei Killing Joke dabei ist oder war, hat bei der einen oder anderen lässigen (oder vielleicht auch weniger lässigen) musikalischen Sache seine Finger im Spiel. So auch Paul Raven, der den zwischenzeitlich ausgestiegenen Youth am Bass ersetzte, machte später tiefe Töne ganz ausgezeichnet bei Prong und zuletzt bei den mittlerweile leider aufgelösten Godflesh.

Geordie und Jaz Coleman
 
 
  Genug der Historie, bei der sich mir eh schon der Kopf vor lauter musikalischen Verästelungen dreht, welche schon beinahe komplizierter sind als jene der Queens of the Stone Age.

Endlich erscheint ein Album, mit dem ich nun wirklich nicht mehr gerechnet habe: Trommelwirbel und Tusch! Hier ist es und heißt, wie das Debüt, ganz einfach nur "Killing Joke". Ein böse, gemein fauchendes, Gift und Galle spritzendes Gerät, welches einen schier überrollt wie eine Dampfwalze. Kaum zu glauben, aber Killing Joke klingen immer noch so energetisch und frisch, als wär nichts gewesen, als wären da keine 25 Jahre Bandgeschichte, als wäre "Democracy" gerade mal vor zwei Jahren erschienen. Jaz Coleman ist nicht im geringsten anzuhören, dass er bereits seit so langer Zeit wie ein Wahnsinniger seinem Unmut Luft macht. Lärmorgien ala "The Death & Resurrection Show" und "Asteroid" wechseln sich wunderbar mit (für Killing Joke Verhältnisse) ruhigeren Stücken wie "You'll Never Get To Me" ab. Letzteres wage ich sogar als Ballade zu bezeichnen, wobei das in keinster Weise in peinlichen Kitsch ausartet und schon überhaupt nicht auf irgendeine schwindlige Kuscheldingenskirchen-Compilation passen würde.

Die lange Pause und Beschäftigung mit völlig anderen Bereichen der Musik haben dieser Band hörbar gut getan. Das Ergebnis ist ein großes Album, welches man sich von Killing Joke nicht nur erhofft, sondern erwartet hat.

Killing Joke
 Schlicht, böse und giftig: wie das Cover, so auch der Inhalt des neuen Albums von Killing Joke
 
 
Diesen Herren kennt man doch?
  Möglich, dass Killing Joke alle möglichen Hypes der letzten Jahre überstanden haben, weil sie sich einfach rar gemacht haben, denn nicht wenig ist passiert seit "Democracy". Nu-Metal, das 70er mit dem darauf folgenden 80er Revival und was weiß ich noch alles. Killing Joke haben das alles schadlos überstanden. Warum? Weil Killing Joke immer diejenigen waren, welche andere beeinflusst haben und einen feuchten Schmutz darauf gaben, was gerade hip, cool oder trendy sein mag. So gut wie jede Band der gröberen Spielart nennt Killing Joke als einen maßgeblichen Einfluss. Eine verdiente Tatsache, welche einer Band namens Nirvana zu Zeiten von "Nevermind" dann auch einigen Stress mit Jaz Coleman einbrachte, klingt das Intro von "Come As You Are" doch mehr als verdächtig, wenn auch sicher nicht beabsichtigt, nach dem Song "Eighties" von Killing Joke's 85er Album "Night Time". Nach dem tragischen Tod von Kurt Cobain wurde die eingereichte Klage allerdings zurückgezogen und trotzdem ist es mehr als bemerkenswert, dass jetzt kein geringerer als der erklärte Killing Joke-Fan und Trommelgott Dave Grohl in eben dieser Funktion am neuen Album seiner Idole mitgewirkt hat. Ich bilde mir ein, man hört das mehr als deutlich und was immer jemand von den Foo Fighters halten mag, in Sachen Schlagzeug ist Herr Grohl ganz gewiss unter den Top-Ten der Welt anzusiedeln. Das behaupte ich natürlich ganz objektiv, so gehört sich das schließlich.

Night Time
 Ein Song des Albums "Night Time" dürfte Nirvana Fans sehr bekannt vorkommen.
 
  Dave Grohl und Jaz Coleman
Legenden unter sich: Dave Grohl und Jaz Coleman
 
 
  "It's not about reclaiming our throne. Anyone who knows music knows who's who. We just know that the time is right for Killing Joke again. And we're ready."
Jaz Coleman, 2003

Genau, Herr Coleman. Wir auch.
 
 
 
Killing Joke Live
  Jaz Coleman wird sich wieder seinem üblichen Ritual der Gesichtsbemalung hingeben und für uns demnächst mit seinen musikalischen Mitstreitern an folgenden Orten aufspielen:

3.8. Wien - Flex
4.8. Leipzig - Moritzbastei
5.8. Prag - Palac Akropolis
6.8. Berlin - Columbiahalle
10.8. Düsseldorf - Tor 3

Ob Dave Grohl dabei sein wird, war nicht herauszufinden. Ich bezweifle es.

Alle aktuellen Tourdaten gibt es auf der offiziellen Website von Killing Joke unter www.killingjoke.com.

Jaz Coleman
 
 
Killing Joke im House of Pain
  Christian Fuchs hat Jaz Coleman interviewt. Ausschnitte daraus und natürlich auch einige Cuts des neuen Albums gibt es am Mittwoch, den 30. Juli ab 22 Uhr im House of Pain.
 
fm4 poll
Sapperlott, ich hab bis jetzt noch nie ein Vote gemacht. Also wer ist der werte Herr da oben links von Jaz Coleman?
Der frühere Schagzeuger von Nirvana
Der Schlagzeuger der Queens of the Stone Age
Der Schlagzeuger von Killing Joke
Der Hans Schlagzeugerdampf in allen Gassen
Der Sänger der Foo Fighters
Keine Ahnung
 
 
Das ist der aktuelle Stand bei 170 Stimmen:
Der frühere Schagzeuger von Nirvana 32% (54)
Der Schlagzeuger der Queens of the Stone Age 3% (5)
Der Schlagzeuger von Killing Joke 8% (13)
Der Hans Schlagzeugerdampf in allen Gassen 26% (45)
Der Sänger der Foo Fighters 22% (38)
Keine Ahnung 9% (15)
   
 
 
  Der oder die GewinnerIn darf sich eines der Bilder dieser Story auf der Festplatte speichern.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick