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Wien | 14.4.2004 | 16:24 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Fear Factory - Archetype
  Und wieder einmal eines meiner Dauerthemen, welches sich da Fear Factory nennt. Nach dem ganzen Kasperletheater um deren Auflösung, welche just zu meinen Einstand als Host über die Bühne ging, Melkkuhaktionen wie dem B-Seiten und Remix-Sammelsurium 'Hatefiles', von dem ich ja nun überhaupt nichts hielt, stand ich den Meldungen über eine Wiedervereinigung dieser einst(?) hervorragenden Metalband nicht ohne gerüttelt Maß an Skepsis gegenüber.
Fear Factory
 
 
  Aktuell ist es jedenfalls eine Tatsache, dass Gitarrist Dino Cazares nicht mehr bei Fear Factory dabei ist. Bassist Christian Olde Wolbers hat dessen Posten übernommen und seinen Viersaiter einem gewissen Byron Stroud überlassen, welcher bisher bei den ebenso nicht unflotten Strapping Young Lad in Lohn und Brot stand. So weit, so "schau mer mal". Fraglich war nämlich, ob Fear Factory es in dieser neuen Konstellation wieder schaffen würden, an frühere Metal-Meilensteine wie 'Demanufacture' und 'Obsolete' anzuschließen. Wer diese beiden Alben zu schätzen weiß, wird wissen, dass dies keine leichte Aufgabe sein kann, wie übrigens das letzte eher unambitioniert klingende Album 'Digimortal' bewiesen hat.
 
 
 
  Ob tatsächlich der geschasste Dino Cazares für diese Misere verantwortlich war, sollen von mir aus die Klatschtanten der in Zahnarztwartezimmern aufliegenden Gazetten herausfinden. Was zählt, ist das Jetzt und nennt sich 'Archetype'.



Nach dieser insgesamt recht unschönen Vorgeschichte, die regelrecht der Fantasie von Drehbuchautoren diverser Seifenopern entstammen könnte, habe ich mich bereits darauf eingestellt, 'Archetype' in der Luft zu zerreißen. Genug Angriffsfläche für böseste Polemik würden Fear Factory zu Hauf bieten. Allein Songtitel wie 'Cyberwaste' und 'Corporate Cloning', die schon wieder das in der Zwischenzeit mehr als ausgelutschte Thema Mensch-Maschine-Blabla aufgreifen, gäben einem Grund genug, das alles in Grund und Boden zu schimpfen.



Das Dumme daran ist nur eines: 'Archetype' ist ein verflixt heftiges Stück Industrial-Metal, mit welchem Fear Factory zweierlei zeigen: sie haben wieder so richtig Lust und sind nach wie vor die uneingeschränkten Könige jenes Sounds, den sie selbst in dieser Form perfektioniert haben. Raymond Herreras typische und unter hunderten von Drummern unverkennbare Fußarbeit an der Doublekick, Burton C. Bells nach wie vor unnachahmliche Wechsel zwischen choralem Gothic Singsang, lässigen Mitsingrefrains und Hardcore-Brüllerei wie das technoid angehauchte Gitarrengefudel von Christian Olde Wolbers. Letzterer hat in den langen Jahren als Bassist dem Herrn Cazares scheinbar nicht nur zugehört, sondern offensichtlich auch eine Menge von ihm gelernt und wohl kein Problem damit, die entstandene Lücke zu füllen.

Fear Factory - Archetype
 
 
  Angenehmerweise wurde der auf 'Digimortal' bis zum Erbrechen ausgereizte Elektronik-Schmäh auf ein erträgliches Mindestmaß reduziert, was auch daran liegen mag, dass Rhys Fulber dieses Mal nicht mit involviert war und das Album von der Band in Eigenregie produziert wurde. Dass ein Song wie der Opener 'Slave Labor' verdächtig wie 'Shock' von 'Obsolete' konstruiert ist, mag möglicherweise einige etwas vor den Kopf stoßen. Abgesehen von den bereits oben genannten althergebrachten Themen haben es Fear Factory aber immerhin geschafft, sich auch mit aktuellen Ereignissen auseinanderzusetzen, was Songs wie 'Act Of God', 'Default Judgement' und 'Human Shields' eindrucksvoll beweisen. Interessant übrigens auch die Coverversion von Nirvanas 'School'. Zwar geht mir das inzwischen inflationäre Nachspielen legenderärer Songs von legendären Bands schön langsam etwas auf den Geist, eine musikalische Verbeugung vor dem vor zehn Jahren verstorbenen Kurt Cobain geht jedoch sehr wohl in Ordnung. Angeblich soll Herr Bell sogar im Video zu 'Smells Like Teen Spirit' als Statist auftauchen. Wer's glaubt...
 
 
 
  Prinzipiell könnte man 'Archetype' zwischen 'Demanufacture' und 'Obsolete' ansiedeln und wäre dieses Album bereits 1997 erschienen, hätten sich die meisten Kritiker vermutlich vor Begeisterung überschlagen. Was in dieser Form keine Band so wirklich gerne hören wird und im ersten Moment wie eine vernichtende Kritik klingen mag, ist in diesem Fall nicht als solche gemeint. Wie Metallica bereits sehr eindrucksvoll bewiesen haben, braucht man für einen Schritt zurück ebenso Mut, wie für den innovativen Step nach vorne. Letzterer fiel bei Fear Factory mit 'Digimortal' eine Spur zu verkrampft aus und mit 'Archetype' ist man wohl wieder auf einem guten Weg. Damit haben sich die in Los Angeles ansässigen Herren eine zweite Chance mehr als verdient.
 
 
 
  Erscheinen wird das Album zwar erst am 19. April, am Mittwoch, den 14. April, gibt es im House of Pain jedoch bereits einige Songs vorab zu hören. Dass Fear Factory persönlich auch wieder einmal in Österreich auftauchen, ist sowieso längst fällig.
 
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  fearfactory.com
   
 
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