Entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch vor knapp zwei Jahren hat Al Jourgensen nun also doch nicht aufgehört zu musizieren. Mal ganz davon abgesehen, dass ihm mein Wunsch sowieso eher irgendwo vorbeiging (vermutlich schaut er auch selten auf dieser Website vorbei), ist der Mann im Jahre 2006 offensichtlich nicht zu bremsen und lässt neben den zuletzt mit "Cocked and Loaded" äußerst gelungen wiederbelebten Revolting Cocks demnächst sogar Lard, seine Kooperation mit Jello Biafra, wiederauferstehen.
Mein gravierendes Problem mit Herrn Jourgensens letztem Ministry Aufguss namens "Houses of the Mole" habe ich ja seinerzeit schon ausführlich dargelegt, kurz zusammengefasst war es aber die durchgehende Einfallslosigkeit und das Zurückgreifen auf Sampleschmonz, der vermutlich noch von diversen Ministry-Sessions in des Herrn Jourgensens Pro-Tools Abstellkammerl zu finden war. So etwas geht bei Ministry nicht, fertig aus. Der ausgestiegene Paul Barker mag durchaus ein Grund dafür gewesen sein.
Soso, der Holzmann dieser Lauser hat also "Houses Of The Molé" nicht so mögen...
Da holen wir uns doch jemand dazu
Als hätte Jourgensen eingesehen, dass er zuletzt im kreativen Alleingang nur eher faden Aufguss produziert hat, holte hat er sich neben dem äußerst famosen Prong Gitarristen und Sänger Tommy Victor auch noch dessen Ex-Kollegen Paul Raven (Killing Joke) am Bass und Mark Baker (Ex-Fear) an den Drums mit ins Studiokabinett.
Die gesellige Ministry Runde 2006 v.l.n.r.: Tommy Victor, Al Jourgensen und Paul Raven
Solche Kooperationen müssen nicht unbedingt funktionieren, denn hört man im Vorfeld von einem solch hochkarätigen Aufgebot an Musikern, so darf man spätestens seit dem Auftauchen diverser Müdigkeitsauslöser wie Audioslave schon mal zu dezenter Skepsis neigen.
Alles ist gut
Mit dem Anfang Mai erscheinenden Ministry Album unter dem schönen Titel "Rio Grande Blood", übrigens eine Hommage an ZZ Tops "Rio Grande Mud", mag man Jourgensen nun nicht unbedingt die neuesten Innovationen in Sachen Schwermetall mit Industrial-Touch unterstellen. Nach der einleitenden Ankündigung der "frohen Botschaft" eines gewissen George W. Bush und der nach drei Sekunden einsetzenden, jegliches Lockenhaar glättenden Gitarrenwand des Herrn Victor ist klar: das sitzt, das passt, da ist alles wieder gut im Hause Ministry.
Diese gitarrentechnische Frischzellenkur ist exakt das, was Ministry zuletzt gefehlt hat. Nichts gegen das Samplen von Gitarren (gibt es natürlich auch noch), aber das herkömmliche "Brett" kann doch schon auch wieder mal so einiges. Tommy Victor beweist das, indem er so ziemlich jegliches Gitarrenriff aus seinem Köcher zückt, für welches er mir allein bei der Erwähnung des Namen Prong schon seit jeher neben einem Kniefall auch das Grinsen der Verzückung ins Gesicht zaubert. "Rio Grande Blood" schreit so dermaßen nach Lautstärke und kommt mit einer solch kraftstrotzenden Härte daher, dass es für mich und meine Haustiere nicht mehr gesund sein kann.
Dass der amtierende Präsident der US of A bei Al Jourgensen wieder mal "nicht gerade gut" wegkommt, dürfte nur wenige überraschen. Auch Jello Biafra gibt seinen sarkastischen Senf zum Bush-Bashing hinzu, das an sich seit "Psalm 69" bei Ministry schon Tradition hat, und wenn der "Mr. President" sich Dank Sample-Technologie gar selbst als asshole, evil oder gar brutal dictator bezeichnet, so mögen das die Einen blöd kindisch und die Anderen einfach böse lustig finden, Feigheit kann man Jourgensen jedenfalls nicht unterstellen. Sich so unverblümt direkt zu äußern trauen sich nicht viele, und für so einen Hassbrocken wie "Rio Grande Blood" nehme ich mein einstiges Ansinnen, Al Jourgensen solle zurücktreten, sehr gerne zurück.
Masterbatour 2006
Die Bezeichnung dieser Tour ist ja nun ein wenig eigenartig; ganz und gar nicht eigenartig, sondern eine kleine Sensation ist jenes Ensemble, welches Herr Jourgensen für die anstehende Ministry Tour zusammengestellt hat. Nicht genug damit, dass die Revolting Cocks das Vorproramm bestreiten sollen, werden neben den beiden oben erwähnten Herren Victor und Raven auch noch John Bechdel (Live Keyboarder von Fear Factory) und Joey Jordison (Drums) von Slipknot bei der Livedarbietung von Ministry mitwirken. Schenkt man der offiziellen Website an dieser Stelle Glauben, so wird eines der raren Clubkonzerte gar am 9. August hier in Wien im Planet Music stattfinden. Mein lieber Schwan...