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Wien | 15.6.2006 | 19:42 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Nova Rock - Tag 1
  Es ist heiß im Burgenland, sehr heiß und ich werde mich hüten, ein garstig Wort über die brachialen Temperaturen zu verlieren, die mir um vieles lieber sind, als Regen, Gatsch und Kälte. Mindestens so brachial wie die Temperaturen war jedenfalls die schöne Musik, welche da an diesem ersten Tag des Nova Rock von der blauen Bühne für die eher härter gesottenen Damen und Herren luftig wie locker über die Pannonia Fields erschallte.
 
 
 
Bloodsimple, die Überraschung des Tages
  Diese New Yorker Formation war die erste Band des Nova Rock, welche ich da zu hören bekam und was da geboten wurde, ließ mich nicht schlecht erstaunen. Bloodsimple, welche da zu einer wirklich undankbaren Zeit aufspielten, brachten das geneigte Volk vor der Bühne mit ihrer Metalcore meets Todesmetall Mischung schwerst zum Kochen. Angesichts der Tatsache, dass sich die Mitglieder zum Teil aus den Resten von Visions of Disorder und Downset zusammensetzen, war das eigentlich gar nicht so verwunderlich, trotzdem ist das um eine solche Uhrzeit auf einem Festival sicher nicht als alltäglich anzusehen. Hier waren die Menschen am Moshen, Headbangen und Note für Note am Mitschreien, als hätten sie nur auf Bloodsimple gewartet. Eine Band, die man sich ganz bestimmt merken muss und von der man hoffentlich noch viel hören wird.
 
 
 
Metalcore im Emogewand von Bullet For My Valentine
  Diese vier Herrschaften aus Wales sollte man schon gesehen haben und sie zählen wohl zu den interessanteren Metalbands unter den Newcomern der letzten Zeit. Beinah scheint es, als wäre Wales eine der ersten Adressen, wenn es um Metalbands der neueren und mit Emocore angehauchten Spielart geht, denkt man nur mal an die Lostprophets.
 
 
  Bullet For My Valentine
 
 
  Der Auftritt war ein durchaus solider, wobei ich gestehen muss, dass mich Bloodsimple wesentlich mehr mitgerissen haben. Einen ebensolchen Eindruck hatte man vom Publikum, welches die Waliser zwar verdient begeistert feierte, bei den davor auftretenden New Yorkern jedoch wesentlich mehr mitging.
 
 
 
Stone Sour
  Falls Ihnen dieser Bandname nichts sagt, dann klingelt es vielleicht beim Namen Corey Taylor? Spätestens bei Slipknot dürften so manche von Ihnen aber vielleicht doch hellhörig werden, denn niemand geringerer als der Sänger der maskierten Metalbigband aus Iowa enterte mit seinem Zweitprojekt Stone Sour die blaue Bühne des Nova Rock, um sein neues Album vorzustellen, welches da "Come What (Ever) May" heißt.
 
 
  Corey Taylor (Sone Sour)
 
 
  Dass Stone Sour natürlich ganz klar ähnlich wie Slipknot klingen, steht außer Frage und kann man ihnen auch nicht übel nehmen, schließlich ist Slipknot Gitarrist Jim Root ebenso mit von der Partie. Stone Sour ist quasi Corey Taylors Ausgleich zu Slipknot, die, so meinte er selbst im Interview, doch auf einer sehr engen Schiene Musik machen würden, wobei aber keine der beiden Bands ohne die andere existieren könne. Was beim Auftritt gegenüber solchen von Slipknot jedoch besonders positiv auffällt ist die Tatsache, dass Stone Sours Bühnensound ein wesentlich besserer ist. Bei jedem Slipknot Konzert beschlich mich bisher das Gefühl, dass der Mischer mit der Menge an Musikern überfordert war, was hier keineswegs der Fall gewesen zu sein scheint.

Auszüge des Interviews mit dem sehr gut aufgelegten und ausnehmend freundlichen Corey Taylor dürfen Sie übrigens demnächst im schönen "House of Pain" hören.
 
 
 
Creed - Stapp = Alter Bridge
  Mir war offen gesagt nicht bekannt, dass Mark Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall nach der Auflösung von Creed mit einem neuen Sänger namens Myles Kennedy unter dem Namen Alter Bridge weitermachten. Eine Tatsache, die mich denn doch neugierig auf diese Band machte, auch wenn ich Creeds missionarischem Eifer nie etwas abgewinnen konnte.
 
 
  Alter Bridge
 
 
  Mich hat dieser Auftritt angenehm überrascht, erwartete ich mir selbigen Missionierungsdrang, wie schon zu Scott Stapps Zeiten. Zum Glück durfte ich mich irren und wenn es die ehemaligen Creed Musiker mit der Coolness vielleicht ein wenig gar zu gut meinten, Sänger Kennedy wusste das Publikum mit pathetischen Gesten und einer Stimme, die ihresgleichen sucht, in seinen Bann zu ziehen. Verwunderung brach aus, als er plötzlich das Publikum zu beschimpfen begann, dieses dann jedoch als Scherz abtat. "Ein Gaudimax", meinte der Kollege Pfister, dem Alter Bridge auch sehr gut gefielen.
 
 
 
Schweres Erbe bei Alice in Chains
  Eine jener Bands, auf die ich mich am ersten Tage des Nova Rock am meisten freute: Alice in Chains, die sich nach Layne Staleys tragischem Tod vor über vier Jahren wieder dazu entschlossen, sich einen neuen Sänger zu holen und wieder aufzutreten.
 
 
 
 
 
  Das Wort "ungewohnt" mag möglicherweise von mir ein wenig absurd klingen, wenn ich eine Band mit neuem Sänger sehe, die ich davor noch nie in ihrer Original Besetzung erleben durfte. Trotzdem war es so. William DuVall heißt jener Mann, der in die großen Fußstapfen von Layne Staley tritt. Ob er dies dauerhaft tun wird oder mit der Band gar ein neues Album aufnehmen wird, ist zur Zeit noch unklar. Fakt ist, dass er seine Aufgabe ausgezeichnet meisterte. Speziell bei den zweistimmigen Passagen im Duett mit Jerry Cantrell kam Gänsehaut auf und bei geschlossenen Augen meinte man fast, Layne Staley persönlich stünde auf der Bühne und würde uns die Songs singen, für die man Alice In Chains kennt und liebt. "Would", "Down In A Hole", "No Excuses", "Rooster"... eine wahres Fest. William DuVall machte zu Anfang zwar einen etwas arroganten Eindruck, möglicherweise lag das aber mehr an dessen Nervosität, denn gegen Ende des Konzerts suchte er noch hautnahen Kontakt zum Publikum und sang vom Bühnengraben aus. Ein sehr bewegendes Konzert, wobei es an diesem Abend nicht bei diesem Auftritt von Jerry Cantrell blieb. Dazu aber später mehr.
 
 
 
Motörhead
  Lemmy Kilmister machte einen ganz und gar nicht wirklich gesunden Eindruck. Als ich ihn zum letzten Mal vor zwei Jahren auf dem Aerodrome sah, wirkte er noch einigermaßen frisch, dieses Mal konnte jedoch von "frisch" eher nicht die Rede sein. Es scheint ihm wirklich nicht gut zu gehen, dem Herrn Kilmister.
 
 
 
 
 
  Der Motörhead Show selbst tat dies aber eigentlich keinen Abbruch. Nur während Lemmys undeutlichen Ansagen war sein scheinbar schlechter Gesundheitszustand wirklich bemerkbar. Sobald er jedoch spielte, schien sein Kreislauf wieder einigermaßen in Schwung zu kommen. Er wäre nicht der Rocker und "Godfather of heavy music" (Zitat James Hetfield), würde er sich durch solche Nebensächlichkeiten wie seine Gesundheit vom Rocken abhalten lassen. Mit ihrer Show lieferten Motörhead jedenfalls Altbewährtes und Bekanntes. Erlaubt ist, was gefällt und in diesem Fall geht sogar ein minutenlanges Schlagzeugsolo durch.

Auch für Lemmy war dies nicht der letzte Auftritt dieses Abends, aber auch dazu gleich mehr.
 
 
 
Are you with Metallica? Metallica is with you!
  Man mag von mir aus darüber streiten, wer die beste Metal-Band dieses Planeten ist. Eindeutig die größte ist, und da gibt es keine Diskussion, Metallica.
 
 
 
 
 
  James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammet und Robert Trujillo lieferten an diesem Abend ein über zweieinhalb Stunden daurerndes Konzert, auf welchem sie nicht nur ihr übliches Feuerwerk an Metal-Granaten abfeuerten. Die Sensation des Abends war die Feier zum 20-jährigen Jubiläum von "Master of Puppets", welches die Herren in voller Länges und ungekürzt auf dem Nova Rock darboten und selbstverständlich ihrem 1986 bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Bassisten Cliff Burton widmeten.

Die zweite Sensation war, dass Jerry Cantrell von Alice in Chains Herrn Hetfield gesanglich bei "Nothing Else Matters" unterstütze und zur Krönung gab es dann zusammen mit Lemmy auch noch eine Coverversion von "Damage Case".

Es war dies ein großer und denkwürdiger Abend, den Metallica am ersten Tag des Nova Rock darboten. Noch mehr zum Auftritt von Metallica gibt es noch an dieser Stelle vom Kollegen David Pfister.
 
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