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Wien | 22.4.2002 | 10:45 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Alice in Chains
  Lange Zeit war es still um die Band Alice in Chains. Sehr still, und nicht einmal die Mitglieder der Band selbst wussten, ob sie als solche überhaupt noch existieren. Alle Veröffentlichungen nach dem letzten selbstbetiteltem Album 1995 wirkten eher wie Notlösungen, um die Band nicht völlig in Vergessenheit geraten zu lassen. 1996 veröffentlichte man das Konzert bei "MTV Unplugged", 1999 gab es die CD-Box "Music Bank", eine Mischung aus "Best Of" und bisher rarem und unveröffentlichtem Material und ein Jahr später folgte ein Live-Album mit Aufnahmen aus den Jahren 1990 bis 1996. Also lange Zeit nichts wirklich Neues mehr von Alice in Chains. Der Grund: Layne Staleys allseits bekannte Drogenprobleme, die den Rest der Band zur unfreiwilligen Untätigkeit verurteilten. Einzig Gitarrist Jerry Cantrell veröffentlichte sein Soloalbum "Boggy Depot" (sehr fein übrigens, finde ich) und der Nachfolger steht auch schon für Mai in den Startlöchern. Über Layne Staley kursierten in den letzten Jahren die eigenartigsten Gerüchte herum. Das letzte, welches ich vernahm war, dass er seine Drogensucht zwar überwunden hat, er aber nur mehr zu Hause herumsaß, keine Lust zu nichts mehr hatte und sich mit Computerspielen beschäftigte. Was auch immer daran Tatsache oder erfunden war, trauriger Fakt ist, dass durch den Tod Layne Staleys das Kapitel Alice in Chains endgültig und auf tragische Weise beendet ist.
 
 
  Alice in Chains und Managerin Susan SIlver.
Ein seltenes Bild von lachenden Alice in Chains aus glücklicheren Zeiten. Hier zusammen mit Managerin Susan Silver.
 
 
"Ausverkauf"
  Meistens, wenn es über diese Band einen Artikel zum Lesen gab, fiel dieses oder ein ähnliches Wort. Als Alternative gab es noch "Trittbrettfahrerei" oder "Nirvana-Epigonen". Ungerechtfertigte Behauptungen, meiner bescheidenen Meinung nach. Zwar machten A.I.C. mit ihrem ersten Album "Facelift" nicht unbedingt die beste Figur, fiel es doch eher unter die Kategorie "netter Hardrock", allerdings machten Layne Staley & Co. mit dem Nachfolger "Dirt" im Jahre 1992 diesen Ausrutscher mehr als vergessen. Zu dieser Zeit, als Grunge in aller Munde war und Bands wie Pearl Jam, Nirvana und Soundgarden die Musikwelt aufmischten, tauchten eben auch Alice in Chains mit diesem Album auf und hatten (oh ja, Ausverkauf, Komerz) auch noch Erfolg damit. Für die selbsternannten Gralshüter des sogenannten Underground, den es damals sowieso schon nicht mehr gab, war das natürlich nichts. Wo kommen wir denn da hin, wenn eine Band auch noch bekannt und sogar auf MTV gespielt wird? Ja, hätten diese Damen und Herren damals ein wenig genauer hingehört, worüber Layne Staley da so singt, wären sie zur Erkenntnis gekommen, dass solche sehr persönlichen, ja fast schon ans exhibitionistische grenzenden Texte, die unter anderem von Staleys Heroinproblemen handeln, wohl kaum auf dem Reißbrett eines Marketingstrategen der Plattenfirma entstanden sein können. Ganz abgesehen davon ist "Dirt" einfach ein gutes Album und für mich eher so etwas wie die sehr düstere Version von Grunge.

Alice in Chains - Dirt
 Alice in Chains erstes Erfolgsalbum: Dirt
 
 
Weniger dreckig, aber noch dunkler und trauriger
  ...so empfand ich die zwei Jahre später erschienene EP "Jar of Flies". Zwar enthielt die nur ganze sieben Songs, allerdings hatten die es eben einfach in sich. A.I.C. ließen die verzerrten Gitarren mal ein wenig in den Hintergrund treten und spielten sieben akustische Stücke ein, die mich heute noch von der ersten bis zur letzten Minute fesseln. Optimistischer als auf "Dirt" waren die Texte auch hier nicht gerade und bei Textzeilen wie "If I can't be my own, I feel better dead..." (aus Nutshell) wundert es nicht, dass die Bandmitglieder in Interviews offen ihrer Besorgnis über den Gesundheits- und Seelenzustand ihres Sängers Ausdruck verliehen. "Jar of Flies" war übrigens nicht der erste akustische Ausflug von A.I.C., denn bereits vor "Dirt" veröffentlichte man eine akustische 4-Track EP mit dem Titel SAP.

Alice in Chains - Jar of Flies
 "If I can't be my own, I feel better dead..." Seelische Abgründe auf "Jar of Flies".
 
 
Das letzte "richtige" Album
  "Alice in Chains", so der schlichte Titel des letzten Studioalbums. Eines von denen, die sich beim ersten Hören nicht so schnell erschließen wie vielleicht "Dirt" oder "Jar of Flies", trotzdem gehört es zu den Alben, die auch nach sieben Jahren noch das Laserlicht meines CD-Players erblicken. Mein erster Gedanke beim Anhören damals war: "Meine Güte, was ist denn mit denen los?" Noch heavier als "Dirt" nahmen Alice in Chains die dunkle Traurigkeit von "Jar of Flies" mit und vermengten das ganze auf "Alice in Chains" zu einer Mischung, die einen unweigerlich in ihren Bann zieht. Sicher auch mit ein Verdienst von Mike Inez, der bereits bei "Jar of Flies" den Bassisten Michael Starr ersetzte. Wer Musik mit dem Flair eines Falls in tiefe Abgründe mag, wird dieses Album zu schätzen wissen. Wer schlecht drauf ist, sollte es sich besser nicht anhören. Skurilerweise erregte "Alice in Chains" ausgerechnet die bei Filmen sonst nicht so zimperlichen Gemüter in Japan, weil auf dem Cover ein Hund mit drei Beinen abgebildet ist.

Alice in Chains
 Das letzte "richtige" Studioalbum von 1995. In Japan hatte man seine Probleme damit.
 
 
This is the end...
  Es ist nicht leicht, den Abschluss zu einer Geschichte über eine Band zu finden, deren Sänger gerade verstorben ist. Ich könnte jetzt ein paar Namen über viel zu früh verstorbene Rockstars fallen lassen. Auch könnte ich darüber schwärmen, was für ein Ausnahmemusiker Layne Staley denn gewesen wäre. Das zu beurteilen überlasse ich einfach jedem selbst, denn die Musik von Alice in Chains spricht da eine bessere Sprache. Ich für meinen Teil werde jetzt "Jar of Flies" in den Player legen, mir "Nutshell" anhören und einfach ein wenig traurig sein.

Layne Staley R.I.P.
 
 
  Alice in Chains
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  Layne Staley tot
   
 
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