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Stockholm | 29.12.2002 | 10:10 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Alltag' ("Alltag Strich")
  Mathematiker wissen, dass die erste Ableitung etwas mit Extremwerten zu tun hat. Man denkt da an Höhen und Tiefen von Kurven oder an den maximalen Flächeninhalt eines Rechtecks, das einem Halbkreis eingeschrieben wird.
 
 
 
Die Titelübersetzung für Nichtmathematiker:
  Wie ein Studium den Alltag vollkommen umkrempeln kann: Jeden Montag um 5:00 aufstehen (und den Rest der Woche auch viel zu früh) anstelle von jeden Tag ausschlafen, dicke-fette Informatikskripten lesen anstelle von feinen Romanen, informativen Zeitungen und 'Lustigen Taschenbüchern', und - last but not least - C++ statt Solitär. Ja, ja, Wissen hat seinen Preis!
 
 
 
Janis, heute vor einem Jahr:
  Noch 18, so was wie blond, AHS-Absolventin im wohlverdienten Pausenjahr dazwischen.
 
 
 
Damals, in noch (relativ) unbeschwerten Zeiten, diente der Computer noch hauptsächlich dem Privatvergnügen.
 
 
  Man lebte so einfach in den nächsten Tag hinein und hielt sich (meistens) nur mit dem auf, was einen wirklich interessierte. Mit Sachen wie Fernsehen, Lesen, Leute treffen, Computer spielen und auf Reisen gehen. Den 2002-Beginn verbrachte ich beispielsweise in Berlin (kalt und eisig), wo ich Cocktailbar-Erfahrung und Museumsbildung sammelte.
 
 
 
  Wofür am meisten Zeit war: Nachdenken. Und, ach herrje, über was alles? Über große und kleine Dinge und meistens über ganz Belangloses, das auf diese Weise an Wichtigkeit gewann. Meinen Erfahrungswert damit möchte ich als nicht gerade wundervoll bezeichnen. Ja, klar, viel Freizeit haben klingt fein, aber was ist, wenn man sich dabei depressiv denkt? Irgendwie scheint dem Menschen ein kleines destruktives Etwas in die Wiege gelegt zu sein, das ihn dann verblendet, wenn es um Glück geht. Oder geht das nur mir so?

Naja, egal, mit Arbeitslosigkeit konnte ich also nicht glücklich werden. Frankly speaking, ich freute mich wirklich auf den Beginn meines bevorstehenden Studiums.

 
 
Janis, heute:
  Noch 19, so was wie knallrote Haare mit sieben pfirsichfarbenen Dreads, Erstsemestlerin in 'Medien und Telekommunikation' an der Fachhochschule St. Pölten.
 
 
 
Heutzutage heißt es reinklotzen, sobald die Kiste eingeschaltet wird.
 
 
  Jeder Tag ist eine Herausforderung. Oder zumindest fast. Jedenfalls bin ich in einem beklemmend fest verplanten (Schul-)System drinnen, das mich stärker in Anspruch nimmt als gedacht. Aus weiser Voraussicht räumte ich mir zumindest geografischen Abstand zur Bildungsstätte ein - oder war das gar nicht mal so weise? Drei Stunden wochentagtägliches Pendeln fordert ihre Opfer. Ein paar meiner Wiener Mitstudenten sind schon längst nicht mehr meine Wegbegleiter.

Und abends? Man kommt gegen 18:00 oder 19:00 nach Hause (und jeden zweiten Mittwoch erst kurz vor Mitternacht). Hungrig natürlich. Aber irgendwie zu müde, um sich noch etwas Gutes zu kochen. Hat man noch genügend Restenergie, ruft man Freunde (aus angenehmeren Zeiten) an und hofft auf ihre spontane Kooperationsbereitschaft. Man will sich ja nicht zum totalen Asozialentum zwingen lassen. Eigentlich wären da noch einige Übungen zu erledigen, aber die Konzentration ist ja sowieso schon längst flöten gegangen. Deswegen verschiebt man das am besten aufs Wochenende oder so. Wer hätte gedacht, dass man jemals ein schlechtes Gewissen haben könnte, wenn man sich zwischendurch einen ganzen Tag Pause gönnt? Oh la la!
 
 
 
  Natürlich ist man dankbar für all das feine angebotene Wissen, doch möchte man nicht gleich davon erschlagen werden. Danke für Kirchoff'sche Maschenregel! Danke für die T-Listen für Bilanzen in Betriebswirtschaft! Danke für die Gesetze des freien Falls! Ich weiß zwar nicht wirklich, womit ich euch verdient habe (ich ahne nur, dass das meiste für den Ingenieurstitel ist), aber ... ja, ähm, ihr seid sicherlich wissenswert.

Naja, egal, mit Überarbeitung bin ich also auch nicht wirklich glücklich. Aber ich will unbedingt durchhalten. Und ich pack das schon.

 
 
Im Sinne der Allgemeintauglichkeit
  Man verzeihe mir die persönlich-emotionale Verunreinigung der mathematischen Grundformel, die natürlich nicht auf Mitleid abzielen soll, sondern viel eher auf eine reine Darstellung einer wundersamen Totalmetamorphose durch (Erfahrungs-)Tatsachen.

Hm, warum fällt einem in solchen Momenten immer nur diese Erkenntnisregel der goldenen Mitte ein? Wäre das kein sinnvoller Vorschlag für einen guten Vorsatz fürs nächste Jahr?
 
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