Die 65. Filmfestspiele von Venedig sind gerade mal einen Tag alt und schon darf man sich zwei Meisterwerke merken. Am gestrigen Abend feierte der deutsche Regisseur Christian Petzold (Die Innere Sicherheit, Yella) mit Jerichow am Lido seine Weltpremiere.
Der Film, der im Rennen um den Goldenen Löwen ist, erzählt in der für den Deutschen typischen Konzentration auf Erscheinungen, Wahrnehmungen und die darunter liegenden Gefühlsströmungen vom Ex-Soldaten Thomas (ein fantastischer Benno Fürmann), der nach dem Tod seiner Mutter ins ostdeutsche Dorf Jerichow zurück zieht. Durch einen Zufall lernt er Ali (ein Genuss: Hilmi Sözer) kennen, der mit seiner Frau (eine gewaltig herunter gepegelte Nina Hoss) ein Gastro-Belieferungsunternehmen betreibt. Die drei Figuren formen recht schnell die Ecken einer fatalen Leidenschaftserzählung aus, die sich gleichsam brachial und zärtlich ausbreitet, ihrem Ende entgegen gleitet.
Monster X strikes back: Attack the G8 Summit!
Die zweite Sensation kommt vom japanischen Regisseur Minoru Kawasaki, der von Kindheit an vom klassischen keiju-eiga (Monsterfilm) besessen ist. In Monster X strikes back: Attack the G8 summit! erzählt er, der auch schon Filme mit unsterblichen Titeln wie "The Calamari Wrestler" inszeniert hat, vom Monster Guilala (das angeblich aus der Überhitzung einer außerirdischen Spore entstanden ist), das sich ausgerechnet als sich die großen Acht (vertreten von unfassbaren Parodien auf Politiker, darunter eine eiserne Angela und ein liebestoller Sarkozy!) in Hokkaido zum Klilmaschutzgipfel treffen, anschickt, Japan und die Welt zu verwüsten.
Die versammelten nationalen Vertreter versuchen dann jeweils auf ihre Art der Verwüstung Einhalt zu gebieten (von der britischen Gehirnwäsche über die russische Polonium-Attacke hin zum deutschen Giftgasangriff reichen die Strategien), letztendlich kann der Planet jedoch nur von einer achtarmigen Naturgottheit gerettet werden. Es wäre kein Kawasaki-Film, würde das Monster nicht herzzerreißend dreinblicken und von einem großen Schauspieler im Gummikostüm dargestellt, über Modellstädte stampfen und im grellorangen Sonnenuntergang einen Siegestanz aufführen.
Monster X strikes back ist großes Unterhalungskunstwerk, respektlos und anarchisch, traumhaft analog. Mein bisheriger Lieblingsfilm von Venedig.
Keep rollin'
Das Festival rollt weiter: mit neuen Filmen von Takeshi Kitano, Barbet Schroeder und Claire Denis. Bald mehr!