Berlin | 2.12.2008 | 08:59 "Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin."
Decemberlist, Zwei
William Fitzsimmons - The Sparrow And The Crow
Im ersten Moment dachte ich: "Och, lass mich bloß in Ruhe, schon wieder so langweiliges Geklimper, jaja, das kennen wir jetzt schon". Dennoch drückte ich nicht auf Stop. Nach ein paar Sekunden fing dann jemand an zu singen und ich dachte: "Och, schon wieder so ein trauriger Mann mit Bart, dem es schlecht geht." Aber ich ließ weiterlaufen. Und nach ungefähr einem halben Song, dachte ich: "Hör nicht auf, hör nicht auf, hör nicht auf."
Ja, William Fitzsimmons hat einen Bart und singt traurige Lieder. Aber das sollte nicht für und nicht gegen ihn sprechen, das ist einfach so. Jetzt im Winter hat er sein drittes Album auf den kleinen Stapel von zwei vorherigen gelegt und während "Goodnight" nur Abschiede beherbergte, wirkt das neue "The Sparrow And The Crow" wieder optimistischer und nicht weniger großartig zum Ende des Jahres. Ein Winteralbum wie kein anderes, abgeklärte Traurigkeit, die aber nicht ohne den hohen Ton am Ende auskommt, der einen Ausblick gibt und einen Horizont. Die große Krise, die auf den vorherigen Alben bearbeitet wurde, ist vorüber gezogen und was jetzt übrig bleibt, ist das Gefühl eines leeren Zimmers, durch das man geht. An den Wänden noch die dunklen Stellen, wo einmal Bilder hingen, und man sieht auch, wo die Möbel damals standen. Die Erinnerungen kommen dann mit dem Blick nach draußen, in den Hof, auf die Straße. Man weiß noch einmal, wer in diesem Zimmer war und wie das Licht am Morgen hinein schien. "The Sparrow And The Crow" ist der Moment, in dem man den Pinsel ansetzt und die Wände weiß übermalt. Wehmütig, aber drüber hinweg. Sensibel, aber realistisch. Und ohne großes Tamtam.
Fitzsimmons selbst ist in Pennsylvania groß geworden. Seine beiden Elternteile sind blind und so wuchs er in einem Haus auf, in dem Geräusche und Töne eine große Rolle spielten. Fitzsimmons spielt und singt bedacht, nie zu laut und nie zu wenig. Denn auf die Nuance kommt es an. Und wie er da so wunderbar unprätentiös sitzt und singt, als habe er nie etwas anderes getan, als sei er nie trauriger und glücklicher in einem Moment gewesen, man muss da einfach hinhören. Weil er singt, was er denkt, weil er sich nicht die Mühe machen muss, Metaphern zu suchen, und das funktioniert auf den Punkt. Und wenn er aus dem frisch gestrichenen Zimmer geht, schließt er leise die Tür.
William Fitzsimmons spielt am 7. 12. in der Szene Wien und am 9.12. im Rockhaus in Salzburg.
Für alle, die einen tragischen Soundtrack für das Videoclipgefühl im Alltag brauchen:
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