Ungeordnete Eindrücke, zufällige und geplante Highlights
Das Sonar, ein über die Jahre stetig gewachsenes Festival für elektronische Musik und digitale Kunst, das mitten in der Altstadt von Barcelona stattfindet und aufgrund dieser Umgebung und wegen dem exzellent zusammengestellten Programm einzigartig ist, hat dieses Jahr zum ersten Mal die 90. 000 Besucher Marke überschritten.
Alles zu sehen ist unmöglich und selbst die Punkte auf der selbst zusammengestellten Wunschliste zu erfüllen ist ein freizeittechnischer Gewaltakt. Jahr für Jahr schafft Sonar den Spagat zwischen Großraum-Rave für gehobene Geschmäcker und digitalem Underground. Fixstarter wie Jeff Mills und Richie Hawtin, die Chemeical Brothers, die dieses Jahr schon vor Beginn des Festivals für das: "Ausverkauft!" sorgten.
Bringing the Voice back
Ein Schwerpunkt bei der diesjährigen Programmierung des Festivals war die menschliche Stimme und ihre verschiedenen Rollen im weiten Produktionsfeld elektronischer Musik, die organischen, emotionellen Aspekte digitaler Musik und Kunst. Stimme soll so, Georgia Tagletti auch als Artikulationsmöglichkeit von politischen Haltungen und Identitätskonzepten verstanden werden.
Roisin Murphy stellte ihr Soloalbum vor und war während des Konzertes wesentlich ruhiger und verhaltener als man es von Moloko-Konzerten gewohnt war. Sie war sehr konzentriert, die Komplexität des von Matthew Herbert produzierten Albums auch live umzusetzen.
M.I.A.
M.I.A, die Frau auf die sich die Aufmerksamkeit der Medien konzentrierte: kein Sonarbericht ohne ein Bild von ihr. M.I.A, die einen möglichen Ausweg aus der identitätstechnischen Sackgasse aufzeigt, in der sich in Großbritannien Dancehall, Grime und HipHop verloren hat, spielte abgesehen von diesen poptheoretischen Diskurs auch ein perfektes Set, Sonntag um halb sechs Uhr früh.
Mu
Mu und ihr DeathDisco Karaoke waren vor allem eine akrobatische Höchstleistung.
Jesus walks
De La Soul machten mir persönlich die größte Freude indem sie den Mann, mit dem man am wenigsten bei einem Festival für elektronische Musik und digitale Kunst rechnet, als speziellen Gast mitbrachten. Kanye West der mehr Grammys als ich Kaffehäferln zu Hause hab, stand plötzlich im weißen Smoking auf der Bühne: Jesus Walks.
Doppelter Betrug
Das Sonar ist nicht nur musikalisch durchkuratiert, der Versuch eine Identität zu schaffen, die das Sonar von allen anderen Festivals unterscheidet beinhaltet auch die optische Umsetzung sprich Plakate, Flyer usw. Das Thema dieses Jahr war Betrug, als Sujet wurden aufgrund der Dreistigkeit ihrer Taten zu Ruhm gekommene Betrüger und Hochstapler gewählt, wie zum Beispiel Jessie Gomez, die Frau die den New York Marathon gewann und dann entlarvt wurde, mit der U-Bahn gefahren zu sein. Oder der gewitzte Geschäftsmann, der den Eifelturm mehrmals an verschiedene Käufer verscherbelt hat. Aber der Betrug war ein doppelter: Die abgebildeten Personen waren nicht die historischen Figuren sondern Verwandte der Sonar- Organisatoren.