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Wien | 13.4.2006 | 14:05 
Taste the waste.

Trishes, Gerlinde, Fuchs

 
 
Tribe Vibes Party mit The Streets
  Am Nachmittag hat ein apathischer Mike Skinner über Paparazzi gesprochen, darüber wie es ist, ein Leben unter Beobachtung zu führen. Er ist es ja gewohnt; als 'Lad from Birmingham', der Stadt mit der größten Dichte an Überwachungskameras.

Über die Jahre hat er auch schon einige Zusammenstöße mit der Presse gehabt, aber das ist alles nicht so wichtig, meint Mike. Das nimmt er alles gerne in Kauf, weil er täglich Musik machen kann, denn das ist das einzige, das ihn interessiert. Und er bekommt dafür auch noch Geld und Anerkennung. Bingo!

Ich habe diese Aussage als Floskel zur Kenntnis genommen. Dass es aber etwas sehr Grundsätzliches ist, habe ich erst am Abend verstanden. Da war Mike Skinner nämlich nicht der freundliche, leicht apathische junge Mann, da war er The Streets, The One Man Party Army. Professionell, aber nicht exstatisch, wie die Nörgelliese neben mir zu bekritteln hat.
 
 
 
Bilder: Pia Reiser
 
 
  The Streets kam mit dreiköpfiger Band und mit Leo the Lion, ein gern gesehener, eigentlich gehörter, Gast auf den Streets-Alben. Unter anderem wird Leo The Lion bei den Mitchell Brothers und auch auf Tracks von Kano gefeatured.

Ich spekuliere mal: Leo und sein Kumpel Mike, die mögen Miami Vice.
Das unterstelle ich ihnen wegen ihrer Anzüge mit aufgekrempelten Ärmeln und der auf dem Kopf platzierten "I wear the darkest Sunglasses at night"-Brillen.

Was ist mir noch an Schnellen und Vergänglichem aufgefallen?
Ein zur Bar ausgebautes Schlagzeug, jeweils eine mit Portionsspender versehene Vodka- und Brandy-Flasche direkt am Schlagzeug befestigt?

Was war das bitte?
 
 
 
 
 
"Lüg deine Freundin nie an,..."
  Als erste Nummer spielen sie 'Prangin' Out', da wurde sofort klar, dass wir es nicht mit 'grimey' Rüpeln zu tun haben, sondern mit Gentlemen, die vor allem eines haben: Soul.

"Lüg deine Freundin nie an, dann musst du dich nicht erinnern, was für einen Scheiß du ihr erzählt hast." (Geschlecht ist hier austauschbar)
Das sind Textzeilen in Liebesliedern, die mein Herz rühren, pragmatisch, realistisch und doch hört man den guten Willen durch. Danke Mike für 'All Goes out the Window.'

Dann ein Ansteigen des Energielevels, das Feurzeug wird wieder weggepackt. Der erste Hit des Abends, 'Push Things Forward'.
 
 
 
 
 
  Ist es nicht so, dass wir Mike Skinner wegen seines auf Tonträgern vorgetragenen Wortwitzes zu Füßen liegen? Da kriegen The Streets 10 von 10 Punkten. Aber bei Bühnenansagen, 4 Punkte mit viel guten Willen, großzügigen über Austria/Australien-Scherze Hinwegsehens und auch nur wegen des Q&A Spiels (Fragt Leo irgendwas, er weiß alles). Was einerseits dazu führte, dass ein verzweifeltes Paar in der ersten Reihe von Leo the Lion die X-Rated-Version des 'Sugar Pussy Irgendwas Cat Dolls'-Hits vorgesungen bekam. 'Dont Ya wish your boyfriend licked you as good as me'. Und andererseits dazu führt, dass Mike und Leo sich für zwei Minuten als die Gallagher Brüder ausgeben: Wonderwall.
 
 
 
 
 
  Ein Blick auf die Uhr und die Angst begann mich zu beschleichen, dass wie im Vorfeld angekündigt, der Streets-Auftritt tatsächlich nur ein 30-minütiges Kurzgastspiel ist.
Nach 45 Minuten der erste Abgang von der Bühne.
Aber nix da, Mike, Zugabe muss sein, du willst ja nicht, dass wir wirklich glauben, dass du ein von Millionenverkaufszahlen korrumpierter Showbizprofi geworden bist.

Ah, sehr gut, drei Nummern im Zugabenblock.
Darunter 'Blinded By The Lights', einer der besten, ernüchterndsten und emphatischsten Nummern, die jemals über den Konsum syntethischer Drogen geschrieben wurden. Dann noch von Ska inspiriertes Gehopse bei 'Fit but You Know It' und vorbei ist der Zauber. Eine Stunde - doppelt so lang wie befürchtet - gab uns Mike Skinner die Ehre.
 
 
 
 
 
  Damit sind wir ganz gut gefahren, weil eure engagierte Reviewschreiberin hat die Setlist von der Bühne gekratzt: 12 Songs, der letzte, die aktuelle Single fehlt auf der abgerissenen Setlist.
Demgegenüber das reguläre Konzert im Cafe Moskau, Berlin am 10.2.2006: 14 Songs.
Damit können wir leben, oder?
 
 
 
 
 
  Den ganzen Abend hat er uns damit geteast und dann war es soweit. Der Sprung.
 
 
 
Bild: Petra Pfann
 
 
Heute abend in Tribe Vibes
  Wer nicht dabei war: Das Konzert heute Abend in FM4 Tribe Vibes, ab 22 Uhr.
 
 The Streets, Wuk, 12.4.2006 
 
artist title
  Pranging Out
 Don't Mug Yourself
 All Goes Out The Wind
 Push Things Forward
 Church
 War of Sexes
 Dry your Eyes
 Celebrity
   
 
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