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Wien | 23.4.2006 | 14:31 
Lach- und Sachgeschichten.

Janis, Schoenswetter, Reiser

 
 
Der Torwart ist der Drummer des Fußballs
  Ein eigentümlicher Vergleich
 
 
 
  Der Torwart darf sich keine Fehler erlauben. Er muss schon serienweise mit Glanzparaden brillieren, um ansatzweise aufzufallen, steht aber beim ersten großen Patzer im Mittelpunkt. Während beispielsweise dem Stürmer der eine oder andere Schnitzer gerne verziehen wird, wenn er dafür zwei Traumtore reinknallt, sind die Heldentaten des Torwarts mit dem ersten groben Fehler wieder vergessen.

Der Drummer kann auch nur mit einem minutenlangen Solo zwischenzeitlich in den Mittelpunkt rücken, spielt dann aber weiter und fällt höchstens auf, wenn er durch schwere Schnitzer einen Song verhaut. Der Leadgitarrist kann sich dreimal vergreifen und sich doch noch irgendwie rausschummeln, während der Schlagzeuger kaum Fehler gut hat.

Die Mehrheit der kleinen Buben, die beim Einschlafen von Heldentaten auf dem grünen Rasen träumen, malt sich Volley-Tore von der Mittellinie im WM-Finale aus, nur eine Minderheit pariert in Gedanken Schüsse der Gegner.

Ein Großteil träumt davon, die coole Sau zu sein, die auf der Bühne den Platz 'Erste Reihe Mitte' gepachtet hat, Gitarren-Soli hinrotzt und mit jedem Wort Wellen der Ohnmacht im Publikum auslöst, nur wenige träumen von dem undankbaren Platz an der Perkussion, dessen Wichtigkeit nur wenigen bewusst ist.

Sowohl für Drummer als auch für Torhüter gilt, dass - um es vorsichtig auszudrücken - äußerliche Makellosigkeit nicht besonders wichtig ist:

 
 
 
 
 
 
  Beiden Berufsständen wird es am Anfang nicht immer leicht gemacht, sich in ihrer Leidenschaft zu üben. Während man als angehender Goalie immer jemanden braucht, der einem Bälle zuschießt und nur schwer alleine üben kann, etwa durch das Schießen gegen Wände, werden auch Anfängern am Schlagzeug Steine in der Form von lärmbelästigten Mitmenschen und genervten Nachbarn in den Weg gelegt.

Beide kommen ihrer Aufgabe - ob auf dem Platz oder der Bühne - in der Regel hinter den Kollegen nach.

Sowohl Torwart als auch Perkussionist müssen sozusagen ihre Hände, mit denen sie hauptsächlich arbeiten, verstärken, mit ledernen Handschuhe oder hölzernen Stöcken.

Menschen mit rudimentären Fußball-Kenntnissen können ad hoc, wenn es gut geht, fünf berühmte Torhüter aufzählen, jedoch wesentlich mehr Spieler aus anderen Positionen.

Leuten, für die Musik nur eine Fußnote im Alltag ist, würden auch nicht viel mehr berühmte Drummer einfallen.

In keiner Position im Fußball ist es schwieriger als im Tor, einen eigenen Stil zu entwickeln, dem Spiel eine persönliche Note zu geben, neue Ideen zu verwirklichen. Die Nummer 1 hat nicht besonders kreativ zu sein, muss aber doch aufmerksam mitspielen und -denken.

Auch als Schlagzeuger ist es schwierig, die Musik einer Band wirklich mit- oder umzugestalten, mit einem Schlagzeug alleine ist schlecht Musik zu machen, Kreativität ist bei Drummern entweder nicht gefragt oder wird selten bemerkt.

Letztendlich sind Torhüter aber tendenziell recht lässige, abgebrühte Typen, weil sie schließlich und endlich ja auch immer cool sein müssen.

Auch Drummer sind sehr oft, wenn man genauer hinsieht, in punkto Coolness mit dem Star der Band gleichauf. Ein Groupie-Geheimtipp sozusagen.

 
 
Der Torwart ist der Drummer des Fußballs
  Wie gesagt, ein eigentümlicher Vergleich, aber den Willen zur Argumentation kann man mir nicht absprechen ...
 
 
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