Weimar | 7.3.2002 | 14:32 Der alltägliche Wahnsinn geköchelt in kleinen süffisanten
Geschichten, gewürzt mit rockigen Klängen, garniert mit digitalen Weisheiten...
Dort stehst du nun. Die Nabelschnur deiner Gewohnheiten abrupt durchtrennt. Desorientiert, hilflos schaust du auf die vorbeihuschenden Silhouetten. Sie blicken auf dich nieder, durchdringen mit leeren Augen deinen Schädel. Sie schreien dich an aus geifernden Münden. Du hörst sie nicht. Sie greifen nach dir, bekommen nur ihre eigene Leere zu fassen. Zaghaft schreitest du voran, durchbrichst die düsteren Schatten deiner selbst.
title: Psychopharmacology - Hookmix artist: Firewater length: 1:58 Plus: Tod A.'s theory of sunshine MP3 (1.415MB) | WMA
Tod Ashley
Dann vernimmst du die unvertrauten Klänge. Sie greifen behutsam nach deinem Inneren. Geschmeidig becircen sie dich. Du bist angekommen, ohne zu wissen, je aufgebrochen zu sein. Doch so könnte das Ziel klingen. Wenige Sekunden purzeln in den Schlund der Vergängnis, da vernimmst du seine Stimme. Die kriecht die Sprossen deiner Wirbel empor, versetzt deine Synapsen in sanfte Schwingungen, belebt die weichen Härchen auf deinem Rücken.
Diese dunkle Stimme, welche die Färbung tiefer Lungenzüge beißenden Qualms angenommen hat, sie flüstert, schreit, kreischt in die Windungen deiner Ohrmuscheln. Doch sie erschreckt dich nicht. Ehrfurchtsvoll lauscht du ihren Geschichten. Traurige Geschichten - triefend von Schwermut. Gelegentlich aber zucken deine Mundwinkel und winzige Furchen graben sich ihrer seitlich versetzt in dein Gesicht. Du schmunzelst.
Firewater
Für das Protokoll Der Rausch kann etwas mehr als 40 Minuten anhalten. Das Psychopharmakon, in einen kleinen Silberling gebrannt, ist freiverkäuflich zu erhalten. Mittels einer Klanginitialisierungsmaschinerie kann es durch betätigen des umgekippten, gleichschenkligen Dreiecks fortwährend abgerufen werden.
Die Zusammensetzung von "Psychopharmacology" lässt sich dem Beipackzettel entnehmen: "Seine Stimme" ist irgendwo zwischen Mike Ness, Nick Cave und Mark Oliver Everett zu verorten. Letztendlich gehört sie unverkennbar Tod A(shley). Das instrumentalisierte Konglomerat "Firewater" bedient sich Ingredienzien von den Bazaren der Weltmusik. Dabei entsteht ein feinsinnig strukturiertes Arrangement aus unterschiedlicher Gitarren, Trommeln, aus Schlagzeug, Piano, Violine, Saxophon und anderen exotischeren Instrumenten, welches Blues, Rock, Folk und Pop vereint - nicht selten in ein und dem selben Zeitabschnitt.
Für die Statistik Der ehemalige Cop Shoot Cop-Sänger Tod Ashley braute seit 1995 mit Firewater und beständig wechselnden Musikanten drei imposante Mixturen zusammen. 1996 erschien "Get Off The Cross (We Need The Wood For The Fire)", zwei Jahre später "The Ponzi Scheme" und vergangenes Jahr das erst kürzlich in Europa veröffentlichte Werk "Psychopharmacology". Unter den zehn Titeln auf "Psychopharmacology" befindet sich mit "Bad, Bad World" eines der intensivsten Duette der musikalischen Bewusstseinserweiterung. Neben Tod A. haucht Jennifer Charles von Elysian Fields ins Mikro.
Zu Risiken und Nebenwirkungen belästigt nicht eure Plattendealer, sondern gebt euch im Selbstversuch diesem Genuss hin.