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Weimar | 28.8.2002 | 16:18 
Der alltägliche Wahnsinn geköchelt in kleinen süffisanten Geschichten, gewürzt mit rockigen Klängen, garniert mit digitalen Weisheiten...

Pamela, Fuchs

 
 
Metal Heavy Soft At The Core
 
 
 
  von http://www.motor.de
Joshua Homme und Nick Oliveri in trauter Zweisamkeit
 
 
Glückseeligkeit, danke!
  Das ist das Gefühl, so hört es sich an. Auf der Schulter von Giganten stehend und am endlosen Horizont nichts als Flimmern und verschwommene Schemen zu sehen. Die Schwüle der Beliebigkeit will gereinigt sein.

Die Kraft der Natur kann befreiend wirken. Blitze, welche düstere, triefend nasse Kriechwolken zerfetzen und urknallgleiches Donnergrollen, erlöst von der Trägheit des Tages.

"Songs For The Deaf" fällt unbarmherzig über dein Hirn her, bohrt sich mit köstlichem Schmerz in dein Herz und packt dich mittels festem Griff bei allem, dem unterhalb der Gürtellinie noch eine Bedeutung zu rocken inhäriert. Die Queens Of The Stone Age sind zurück, waren niemals weg, der Belanglosigkeit in den Arsch zu treten. Der Masterplan gleicht einem Flickenteppich, gewebt von kollaborierenden Musikanten unterschiedlichster Couleur unter dem Symbol der Gitarre. Nenn' es Rock, doch du bekommst es nicht zu fassen. Es wird durch deine feuchten Finger gleiten.

Die Kraft der Musik kann befreiend wirken. Elegisch heulende Saiten, dröhnendes Bassgrollen, hektisch wirbelnde Stöcke, die auf Klangkörper einschlagen, deren wummernde Zielstrebigkeit durch abrupte Richtungswechsel verunsichert. Der Soundtrack zu unserem Leben lässt das Kartenhaus des Gewöhnlichen in sich zusammenfallen. "Songs For The Deaf" wird die Tauben nie erreichen. Sie werden weiter hämisch grinsend im Schleim ihrer Bedeutungslosigkeit waten.
 
 
  by mathiashiebsch@southside2002
Bereits eine 'Legende' - der Auftritt der Queens auf dem Southside 2002. Inzwischen verabschiedete sich Dave Grohl aus dem Dreamteam.
 
 
Der Fixpunkt ist überholt.
  Vor mehr als einem Jahrzehnt manifestierte sich ein fester Punkt. Ein neues Genre wurde beschrieben, erschrieben, umschrieben. Langsamkeit war der Mittelpunkt, um die schleppende, harmonisierende Rhythmen kreisten. Kyuss nannte sich die gerühmte Ziehmutter vieler kleiner Bastarde. Zieh' den Mantel mit dem abgewetzten Label 'Stoner Rock' über deine schmächtigen Schultern oder nenn' es wie du willst. Ein Gütesiegel für die Orientierungslosen löste sich allmählich in scheinbar unüberschaubare Sandkörnchen auf. Doch die Wüste lebt.

Seit 1997 werkeln Josh Homme und Nick Oliveri, zwei Kinder aus dem Schoß der Ziehmutter, unter dem Banner Queens Of The Stone Age an einem neuen Pantheon. Sie brauchten ein Album (1998, selbstbetitelt) und den innovativen Ideentümpel der "Dessert Sessions", um sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Hatten insbesondere die Alben der "Dessert Sessions" die Funktion inne kreative Köpfe zu vereinigen und atypische Facetten jenseits bestehender Bandgefüge auszuleuchten. So rücken die Queens Of The Stone Age spätestens seit ihrer zweiten Platte "Rated R" (erschienen 2000) ins Epizentrum jenes offenen Kollektivs.

"Songs For The Deaf" ist die Krönung der musikalischen Inzucht in der Bandgeschichte der Königinnen. Neben den Konstanten Homme, Oliveri und Mark Lanegan und einem fabulösen Aushilfstrommler namens Dave Grohl webten weiterhin Gene Trautmann, Dean Ween, Alain Johannes, Natasha Shneider, Chris Goss, Anna Lenchantin, Paz Lenchantin, Brendon McNichol, Molly Maguire, John Gove, Kevin Porter, Brad Kintscher, C-Minus, Twiggy Ramirez, Dave Catching, Blag Dahlia, Casey Chaos an dem wunderschönen Flickenteppich.

Herausgekommen ist eine weiche, an manchen Stellen angenehme rauhe Unterlage - "metal heavy soft at the core" - auf der wir uns lieben können, allein, zu zweit, zu vielen. Im Strudel mehrerer Höhepunkte hoffen wir, die Leere danach wird nicht folgen.


 
audio
 
Queens Of The Stone Age - Songs For The Deaf
title: Songs For The Deaf
artist: Queens Of The Stone Age
length: 0:50
MP3 (603KB) | WMA
   
 
 
Top that...
  "Top that, nigger!" verlangte im vergangen Jahrhundert Jerry Lee Lewis von Chuck Berry, als er von der Bühne ging. Währenddessen soll das Klavier, auf dem er zuvor gerockt hatte, in Flammen aufgegangen sein. Die gegenwärtigen Klischees sind leicht verschoben. Auch die Queens Of The Stone Age wandeln wie so viele andere in einer Scheinwelt zwischen flammenbenähten Lederkluften, testosteronvergifteter Luft, gitarrenzerhämmernden Möchtegernbrutalos, dem Glauben an bewusstseinerweiternde Mittelchen und dennoch umgibt sie ein Leuchten. Eine Aura, die schon lange verloren geglaubt im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. "Top that, ihr Retter des Rock'n'Roll!"
 
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  qotsa.com
Offizielle Homepage der Queens

'Rated R'
Auch das Vorgänger-Werk war schon 'Album der Woche'...

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