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Wien | 23.9.2007 | 15:48 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Das ist doch kein Problem!
  "Nichts ist sicher, macht nichts!"- Der Künstler Jonathan Meese stellt in der Sammlung Essl in Klosterneuburg aus.
 
 
 
Aus meiner Festung
  "Und hier haben sie noch ein Manifest, das der Herr Meese heute Nachmittag spontan verfasst hat", meint die Pressefrau, als sie mir einen Packen Papier bei meiner Ankunft in der Sammlung Essl in Klosterneuburg in die Hand drückt.

Handgeschriebene last-minute Manifeste, gurgelnde Geräusche, die aus einer riesigen Erzkreuz-Vulkan-Ton-Skulptur entstehen, und jede Menge ernste Kunstbetrachter im kleinen Schwarzen. Willkommen in der Welt des Künstlers Jonathan Meese, von der er uns seit Donnerstag ein Stück nach Klosterneuburg verfrachtet hat.

Der Name Jonathan Meese sagt vielen Leuten etwas, auch denen, die mit "Kunst" eigentlich nicht viel am Hut haben. Geboren 1970 in Tokio, formative Jahre in Hamburg, jetzt in Berlin daheim, wo ihn seine 77-jährige Mutter managt. In den letzten Jahren war der junge Künstler fast schon allgegenwärtig: Die Hamburger Deichtorhallen haben ihm letztes Jahr eine Retrospektive gewidmet, das Tate Modern und das Centre Pompidou zeigen seine Werke, und eine Performance an der Berliner Staatsoper ist auch schon absolviert. Meese ist einer der aktivsten und produktivsten deutschen Künstler, und ist nicht nur im europäischen Raum ein shooting star. Auch in Amerika feiert er Erfolge, und man munkelt, dass Meese mit seiner Kunst mittlerweile zum Millionär geworden ist.

 
  Foto: Jan Bauer / Essl Museum / CFA Berlin
 
 
  Eigentlich klingt das jetzt alles nach trockenem art-house talk, aber das, was Jonathan Meese macht, hat nichts mit Konvention oder schnöseligen Vernissagen zu tun. Als Eröffungsauftakt letzten Donnerstag in der Sammlung Essl, da hatte Meese eine Performance angekündigt. Diese würde in der Rotunde im Essl stattfinden. Die Wände wurden dafür im typischen Meese Mix aus Humor, Revolutionsansporn und kindlichem Design, angemalt. Bei der Eröffnung steht der Künstler am Grund der Rotunde, hetzt um die Skultpur in der Mitte herum, das Publikum lehnt sich über das Geländer oben und begutachtet ihn wie ein wildes Tier im Käfig. Meese setzt sich ab und zu eine Hexenmaske auf, und hält einen einstündigen Monolog über die Diktatur und die Revolution der Kunst.

Klingt anstrengend, ist aber tatsächlich bewegend (Sätze werden andauernd propagandahaft wiederholt), faszinierend (Meese geht in eine Sprech-Trance bis sich Schaum um seinen Mund formt) und natürlich auch lustig (einerseits die teils entsetzten Gesichter des Publikums, andererseits die angedeutete Hysterie, in die sich der Künstler steigert). Meese wird oft nicht umsonst als "Rockstar" in der deutschen Kunstzene gehandelt. Gegen Ende der Performance lässt sich Meese von einem Lift aus der Rotunde heben, um mit schwarzer Farbe "Demut" an die Decke zu malen. Denn trotz des Wahns, den diese Show teilweise versprüht, geht es hier eigentlich nur ums demütig sein.

 
  Foto: Jan Bauer / Essl Museum / CFA Berlin
 
 
 
 
"Das Beste ist, jeden Tag Kindergeburtstag zu feiern"
  Demütig, meint Meese, muss man auch sein. Man soll die Kunst den Ton angeben lassen, keine unnützen Theorien aufstellen. Genauso geht er auch seine Kunst an. Spielerisch, wie ein Kind. Man merkt, dass er ganz große Gedanken hat, die er zum Ausdruck bringen will, aber diese werden bei den Gemälden, Skulpturen oder Installationen, die es im Essl zu sehen gibt, nie an die große Glocke gehängt. Meese ist zwar jemand, der andauernd in seiner Arbeit zitiert, andeutet, Referenzen zieht, diese vermischen sich aber in einem poppigen Durcheinander von knallbunten Farben oder Fotographien.

Für mich war beim Rundgang klar, dass die Message die Meese vermitteln will, hauptsächlich mit der Art, wie man Kunst schafft, zu tun hat: Seine Bilder reizen, weil auf den überdimensional großen Flächen sehr viel passiert. Meese arbeitet mit Wiederholung und Überforderung. Wie er selbst im Interview meint: "Es muss immer Ausnahmezustand sein."

Um dies zu vertiefen, meint er dann auch, dass das Beste, was man tun kann, ist "Kindergeburtstag zu feiern". Probleme haben in der Kunst nichts verloren, es soll um eine joie de vivre gehen, nicht um das Leiden. Jonathan Meese, der wohl best gelaunteste und freundlichste Künstler, hat sich diesem Kampf gewidmet.
 
 
  Foto: Jan Bauer / Essl Museum / CFA Berlin
 
 
  Alle Künstlerporträts: Jan Bauer / Essl Museum / CFA Berlin
 
 
 
Fräulein Atlantis
  Jonathan Meeses Ausstellung "Fräulein Atlantis" ist noch bis zum 3. Februar 2008 in der Sammlung Essl in Klosterneuburg zu sehen. Dort wird Jonathan Meese am 10. November den eigens gestalteten Ausstellungskatalog, der auch die angesprochene Performance dokumentiert, präsentieren. Am 9. Dezember wird der Künstler am selben Ort, zusammen mit seiner Mutter, Weihnachtsmärchen lesen.
 
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