fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 16.1.2008 | 15:28 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Prime Cuts: Cat Power - "Jukebox"
  A woman left lonely: Cat Power und ihr bester Freund, der Blues.
 
 
 
I'm gonna steal a silver stallion...
  A woman left lonely will soon grow tired of waiting / She'll do crazy things, yeah, on lonely occasions.

Chan Marshall, die Frau die sich fast schon aus Notwehr mal "Cat Power" genannt hat, und seitdem unter diesem Namen Musik macht, wuchs im Süden der USA auf. Wegen turbulenter Familienverhältnisse wurde sie von Oma zu Stiefvater zu Vater jongliert. Von Georgia nach Tennessee, bis South Carolina. Die Zeit mit der Großmutter hat ihr gezeigt, was Religion (im Süden) bedeutet, ihr Vater hingegen was gute Musik ist. Er selbst war Musiker, für ihn war das Klavier im Wohnzimmer sein Leben. Er sah nur ungern wie die kleine Chan darauf herum klimperte und mahnte sie: "Chan... the piano is not a toy!" Und weil sie so ein braves, stilles Mädchen war, spielte sie nur, wenn der Vater außer Haus war. Dann allerdings haute sie wie eine Furie in die Tasten. Das macht sie heute noch.

Außerdem hatte Mr. Marshall auch eine umfangreiche Plattensammlung mit dem Sound der Zeit, Soul und Blues aus den späten 60ern und 70ern, eine Stilrichtung die Chan Marhsall fasziniert und bis heute beeinflusst.

 
 
 
 
These vagabond shoes...
  Schon mit ihrem letzten Album "The Greatest" und den dafür rekrutierten Memphis session musicians, hat Cat Power bewiesen, dass sie sich in Sachen Soul auskennt. Es war das Album, das den Neustart im Leben Chan Marshalls markiert hat (Stichwort "Rehab"). "Jukebox" ist ein Cover-only Album, bis auf eine (zwei?) Ausnahmen, und dokumentiert sozusagen die Songs, die die "neue" Chan Marshall hört und braucht.

 
 
 
  "The Covers Record" mit seiner bekannten Albumart, war Chan Marshalls erster offizieller Versuch, ihren Idolen zu huldigen. "Offiziell", weil bis dahin sowieso schon jeder, der in den Genuss eines Cat Power Liveauftritts kam, wusste, dass die Dame nicht die Finger von fremden Liedern lassen kann. "The Covers Record" war allerdings, zwischen dem manisch-traurigen "Moon Pix" und dem danach folgenden "You Are Free" ein kleiner Ausreißer. Die Songauswahl war zwar interessant (Dylan, Moby Grape, Rolling Stones), aber was wohl am meisten nach dem Anhören hängen blieb, war die Erkenntnis, dass Cat Power jeden Song nehmen und zum traurigsten der Welt machen kann.

So befand ich mich vor dem ersten Hören von "Jukebox" zwischen den Stühlen der Erwartung. Bei "Jukebox" hat die Neo-Soul Diva gewonnen, und nicht die Sängerin, die alles traurig macht. Zwar ist "Jukebox", wie von Cat Power zu erwarten, kein fröhliches Album, aber wir leiden mit ihr nicht mehr klammheimlich im dunklen Kämmerlein sondern auf der großen Bühne zu den Klagen des Blues.

 
 
I once was lost, but now I'm found...
  Auf "Jukebox" gibt es Cover von Billie Holiday, Janis Joplin, Joni Mitchell, Bob Dylan, Nick Cave etc. Chan Marshall hat sich an die "Großen" heran gewagt, ein anderes Unterfangen als etwa ihre Version von "Red Apples", einem Song ihres damaligen Lebensgefährten Bill Callahan von smog. In ihrer bekannten Manier nimmt sie sich Textfreiheiten, kürzt Songs um ganze Strophen, und auch ein Refrain gehört ihrer Meinung nach nur angedeutet. Also keine Sorge, trotz großer Backing-Band (The Dirty Delta Blues Band) bleibt die Verschrobenheit und Einzigartigkeit Cat Powers erhalten. Dass Cat Power Musiker covert, die zum größten Teil recht bekannt sind, hat nichts mit Populismus zu tun. Es sind eben die Songs, die Chan Marshall schon ihr Leben lang begleiten. Wer bei ihrer dramatischen Version von "New York, New York", die ganz ohne den pompösen Glitzer und Glamour der Vorgänger auskommt, keine Gänsehaut bekommt, dem werfe ich ein Herz aus Stein vor.

Chan Marshall singt nicht bloß Songs nach, sie lebt sie, sie steckt so viel Pathos und Herzblut hinein, dass man das Original komplett vergisst oder zumindest als unwahr ansieht. Denn mit Chans Schmerz will und kann keiner konkurrieren.

Es ist natürlich auch erwähnenswert, dass Chan sich auf diesem Album wieder einmal selbst covert. Ihre neue Version von "Metal Heart" ist nicht nur musikalisch spannend sondern auch inhaltlich. Musikalisch, weil es dieses einst simple Gezupfe (eines der wenigen Lieder die ich auf Gitarre spielen kann, das heißt was!) jetzt aufgeblasen und mit richtiger Melodie zu hören gibt. Inhaltlich, weil es die Auseinandersetzung Chan Marshalls mit ihrem "Ich" aus der wohl schwersten ihrer Schaffensphasen ist, der rund um "Moon Pix". She's lived and she's learned.

 
 
Song to Chan
  "Jukebox" ist ein traumhaftes Album, einerseits durch die Songauswahl, andererseits weil es mir, einem langjährigen Cat Power Fan, zum ersten Mal so vorkommt, als ob Chan Marshall endlich all das umsetzen kann, was in ihrem Kopf herumgeschwirrt. Mit ihrer All-Star Band kann sie die Songs musikalisch so hinbiegen, dass sie eben keine Coverversionen mehr sind. Natürlich ist ein spärliches "Satisfaction", wie es auf dem Covers Record drauf war auch ein Wahnsinn, aber ich glaube, dass diese neue musikalische Richtung die ist, an der Cat Power schon die ganze Zeit feilt. Auch textlich ist Chan Marshall, nach ihrem Absturz vor zwei Jahren, eine der glaubwürdigsten Stimmen geworden. "Song to Bobby", die einzige neue Komposition auf "Jukebox", ist ein simples Stück über jahrelanges Fantum, über ihre Obsession mit Bob Dylan. Im Song erzählt sie, wie sie bei einem Konzert in South Carolina steht und bei der dritten Zugabe meint sie zu wissen, dass Dylan nur für sie singt. Und genau dieses Gefühl der Einzigartigkeit, des Anvertrauens von Geheimnissen, vermittelt Cat Power auf jedem ihrer Alben: Sie singt nur für dich allein.

Can you tell me, who were you singing for? / Oh my god, can you tell me, who you were singing to?
 

 
audio
 
title: Prime Cuts: Jukebox
artist: Cat Power
length: 1:11
MP3 (1.148MB) | WMA
   
fm4 links
  myspace.com/catpower
Cat Power auf Myspace, dort erfährt man, dass die Dame derzeit auf Charity Reise in Indien ist.

fm4.orf.at/primecuts
Alle Alben der Woche auf einen Blick.
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick