Wir bleiben trotz Windböen standhaft und werden unter wolkenbedecktem Nachthimmel 13.
Draußen und davor
Dank Glück oder Global Warming ist es heuer sehr angenehm. Es hat um die 10 Grad, es regnet nicht und es ist kein Schnee in Sicht (ich klopfe trotzdem sicherheitshalber auf Holz). Das einzige Manko: Es stürmt. Und zwar sehr. Wer also nicht da ist und wie ich etwas längeres Haar hat: Bindet es zusammen, um nicht wie ich, mit allen Haaren im Gesicht da zu stehen.
Durch meinen Haarvorhang habe ich allerdings die Neigungsgruppe erspäht, die als Opening Band vor dem Brandwagen aufgespielt haben. Sie waren vor dem Arena Eingang platziert, um die Besucher in der Schlange zu unterhalten. Allzuviel war kurz vor 19 Uhr noch nicht los, allerdings wurden die Gäste von den Klängen der Hits "Polkadots" und "G'fickt für immer" relativ schnell angelockt.
Mauracher
Der erste Gratulant auf der Großen Bühne waren Mauraucher. Sie haben FM4 zum nun erreichten Teenageralter gratuliert und uns "nicht so viele Pickel" gewünscht. Musikalisch hat die Band aus dem Zillertal dann hauptsächlich ihr neues Album "Loving Custodians" vorgestellt. Ich war überrascht, wie sehr ihr Sound mich an die 90er Jahre erinnert hat. Das ist etwas sehr Positives, denn ich habe in ihren Songs immer wieder kleine Referenzen an meine damaligen Lieblinge Garbage herausgehört. Dieser Vergleich könnte allerdings auch mit der Bühnenpräsenz von Sängerin Maja Racki zu tun haben. Streng und stark im Mantel steht sie da, getanzt wird erst gegen Ende des Sets. Mauracher haben ihr Set düster und recht langsam begonnen, es war aber zu erahnen, dass das nicht so bleiben würde. Vor allem bei "Butcher Boy" wurde unverschämt die Sau rausgelassen. Abgeschlossen haben sie das Set, das von elektrischem Piano bis Rockstarposen fast alles abgedeckt hat, mit einem Hip-Hop-angehauchten Stück, das ein wenig an Blondies "Rapture" erinnert hat. Sehr schön!
Oh, wie ich den kessen Hüftschwunge des durchgeknallten Chikinki-Keyboarders Trevor vermisst habe. Es gibt sonst niemanden, der sich so vehement gegen sein Equipment schmeißt und mit derartig wahnsinniger Hingabe an den Knöpfen dreht. Aber irgendwas ist heute mit den Chikinki-Herren. Sänger Ruperts Bühnenansagen sind in sympathischem Denglisch, aber überraschend zurückhaltend und irgendwie ... schüchtern? Vielleicht war den guten Herren nur etwas kalt. Dem Publikum aber sichtlich nicht, den sie haben sich dem ersten Tanz-Pit des Abends gewidmet. Für alle, die vielleicht kurz vergessen hatten, wer denn diese aus Bristol eigentlich sind - es gibt ja so viele Brits mit Gitarren - haben sie gleich am Anfang ihren Hit "Like it or Leave It" gebracht. Sofort war das Publikum dabei. Das Gute bei Chikinki ist die hohe Mitsing- und -gröhl-Qualität der Songs, die auch die, die's nicht so mit dem Texte Merken haben, nicht ausschließen.
"Happy Birthday FM4, you're 13. That's about the same age as us" meint Rupert als Glückwunsch, bevor er FM4 "Assassinator 13" als Ständchen widmet. Mittlerweile weiß ich, was bei Chikinki anders ist - sie sind psychedelisch geworden! Statt jugendlichem Herumgehopse schwebt Rupert in roten Samthosen und unter einem großen schwarzen Hut versteckt über die Bühne. Die trippy Stimmung wird noch dadurch verstärkt, dass man weiter hinten durch den Wind die Musik immer nur häppchenweise zu hören bekommt. Ein sehr eigenartiges Klangbild, gefällt mir. Bleibt noch zu sagen: Duuuude!
Dynamite Deluxe
Es soll sich aber auf der Open-Air-Stage heute nicht alles nur um Gitarrenbands drehen - für die notwendige Dosis Hip-Hop sorgt Dynamite Deluxe, das frisch wiedervereinte Trio aus Hamburg. Nach fast acht Jahren Pause haben sie sich Ende 2007 wieder zusammengefunden, ihr Auftritt heute ist somit eine Art Comeback. Neuen Stoff gibt's auch, der wurde zwischen den vielen, älteren Nummern eingestreut. Nächste Woche gibt's "TNT" dann auch auf Tonträger. "Komm mal klar, Alta" sagen Dynamite Deluxe zu Leuten die Grenzen überschreiten und ihnen zu nahe treten, dem Publikum waren die relativen harten Texte aber natürlich nicht gewidmet, die haben stattdessen ausführliche Anleitungen zum korrekten "wave your hands in the air"-Tanz bekommen. Der druckvolle Wortschwall der zwei MCs wurde ab und zu von den charmanten Background-Sängerinnen unterbrochen, ansonsten gibt es kaum einen ruhigen Moment. Ein kleines Intro vor dem einzigen dezidierten Liebeslied des Abends versetzt uns trotz Rotznasen und kalter Hände ins tropical feeling. Das sollen übrigens nicht die einzigen MCs heute auf unserer Bühne hier gewesen sein...
Nada Surf
Die Lieblinge aus New York sind wieder einmal eingeflogen. Matthew, Ira & Daniel fühlen sich, trotz längerer österreichischer Bühenabstinenz, heute Abend sichtbar wohl. Sänger Matthew gratuliert sogar auf gut einstudiertem Deutsch. Ich hatte schon die Ehre, das ein oder andere Mal einen Blick in den Brooklyner Proberaum der Band zu werfen, und schon damals war ich davon beeindruckt, wie druckvoll diese Band sein kann. Man mag es kaum glauben, wenn man an die schönen Melodien von Nada Surf denkt, aber sie wissen, wie man tadellos und gekonnt durch einen Open-Air Gig manövriert.
Als "Inside of Love" angestimmt wird, gehen sofort alle Arme in Jubelposen in die Luft. Das Publikum würde am liebsten die Band umarmen. Als Matthew "Cats and dogs are coming down", die erste Zeile von "Blonde on Blonde" singt, fängt es auch tatsächlich an zu tröpfeln. Bei Nada Surf macht eben auch das Wetter mit. Es wird dann aber Gottseidank kein Regenwetter-Fiasko, und stattdessen können wir musikalische Auszüge aus dem neuen Album "Lucky" im Trockenen genießen. Danach noch eine kurze Umfrage: Obama oder Clinton (die Band scheint für Ersteren zu sein), damit wir nicht ganz vergessen, was heute Nacht sonst noch für ein wichtiges Ereignis stattfindet. All in all: Ein Konzert von Nada Surf ist wie ein Treffen mit alten Freunden, die man viel zu selten sieht.
Überraschung
Ach ja, da war ja noch was! Eine Überraschung nämlich! Die kommt heuer in Form von drei gut aussehenden Männern aus dem hohen Norden: Fettes Brot sind da!
Die drei sind extra vorbei gekommen, um ihre neue Single "Bettina" vorzustellen. Diese ist bereits ein kleiner interner FM4-Hit, wahrscheinlich wegen der Textzeile: "Bettina, pack deine Brüste ein, zieh' dir bitte etwas an". Ein herrliches Energiebündel, jetzt sind wirklich alle, bis in die letzten Reihen, wach und bereit für die Tortenschlacht, äh, Zeremonie.
Senderchefin Monika Eigensperger und die 13. Torte.
Ein fliegender FM4 Mitarbeiter (Davidek)
Torte für alle!
Let them eat cake
Und schwuppdiwupp ist es auch schon wieder vorbei, das Spektakel auf der großen Bühne. Schade. Aber wir sind ja jetzt Teenager, und machen drinnen in der Halle weiter Party. Um die Zeit bis zum nächsten Fest zu überbrücken, sollte man sich Jonathan Meeses Einstellung zu Herzen nehmen, und einfach jeden Tag Kindergeburtstag feiern. In diesem Sinne: Alles Gute!
Das Fest zum Nachhören und Anschauen
Heute, 21.01.2008
FM4=13: The 'Lost Tapes' Konzertmitschnitte vom FM4 Geburtstagsfest, die sich in der Liveübertragung nicht ausgegangen sind.
Und außerdem wird es heute Abend (21.01) hier das Nada Surf Konzert als Videostream geben!