fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 14.5.2008 | 10:49 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
MGMT - "Oracular Spectacular"
  Pagan Mystic Bullshit und Psychedelic Pop. MGMT, das Sprachrohr meiner Generation.
 
 
 
And there were future reflections/On the face and the hands/On a green colored island/On a primitive man/It was the future reflected/It felt familiar but new/A street was missing a building/The kids had something to do
 
 
My predictions are the only things I have
  Ist er das wirklich? Sie klopft ihrer Freundin auf die Schulter und zeigt auf den jungen Mann mit den langen, ungewaschenen Locken, der gerade aus dem Kaffeehaus huscht. Das ist doch ... der. Der mit dem Stirnband. Von der Band. In New York würde er wohl niemanden auffallen, aber im Kölner Kaffeehaus sticht der kleine Neo-Hippie Andrew VanWyngaarden mit seinen blitzblauen Augen und seinem ausgefransten Stirntuch ziemlich klar aus der Menge heraus. Achja, und das Kamerateam, das ihm folgt, könnte auch was damit zu tun haben.

MGMT - Superstars, Weirdos, die wohl erfolgreichsten unambitionierten Stoner Dudes die es gibt. Was? Ist nicht bös' gemeint, sie würden sich wahrscheinlich selbst so definieren. Denn obwohl sie brav am Wesleyan College Musik studiert haben, wollten sie damit nie wirklich große Kohle machen. Zumindest nicht letztes Jahr, als sie noch in irgendenem Brooklyner Proberaum herumexperimentiert haben und die kitschigsten Pop Songs der Welt schreiben wollten. Damals war ihre Bühnenerfahrung noch auf eine Talent-Show am College beschränkt, wo sie 20 Minuten lang das Ghostbusters Theme in einem endlos Loop gespielt haben. Und dann gab es noch den einen Auftritt, bei dem sie nackt waren und die wichtigsten Stellen von ihren Instrumenten bedeckt waren. Aber Pläne? Was für Pläne?
 
 
 
Either there's a purpose
Or I'm heading out at breakfast/Take a drink, take a drag/One more coffee, ugly hat/No more mirrors, woolen bag/And I am gone
 
 
I can amplify the sound and light and love
  Als Andrew und Ben Goldwasser dann im tristen, kalten Winter in New York sich in ihrem post college slump orientierungslos und fast schon hoffnungslos suhlten, klopfte ein Major Label and die Tür und meinte, sie hätten da so eine EP gehört. Und würden die MGMT nicht vielleicht so ein ganzes Album machen wollen? Mit dem Produzenten der Flaming Lips? Wenn man da inmitten der kapitalistischen Hochburg New York City sitzt und am Hungertuch nagt, sagt man nicht nein. Aber nur unter einer Bedingung: sie dürfen das machen, was sie wollen. Uneingeschränkt. Und so kommt es, dass "Oracular Spectacular" ein Big Budget Versuch ist, die Grenzen des guten Geschmacks zu sprengen, neu zu definieren und den Gefühlen eines verloreren Mitt-Zwanzigers ein Outlet zu verschaffen.

"Oracular Spectacular" bringt die Gedanken meiner (lost) Generation so wunderbar auf den Punkt, wie wenige Platten zuvor. Denn: sie ist verschroben und komisch aber nicht so weit aus dem Fenster hinausgelehnt wie zB Animal Collective. Sie ist lustig, aber nicht so ein Ironie-Fest wie eine Adam Green Platte. Sie ist the best of the 60s, 70s, 80s, 90s and today! wie ein amerikanischer Radioslogan sein Programm zusammenfassen würde. Unglaublich eingängige Melodien, aber doch relativ simpel gestrickt, und trotz sechs-stelligem Gehaltszettel keine Spur von Mainstream-Anbiederung. Das wird nochmals vom Foto auf der Innenseite des Covers unterstrichen: das Duo halbnackt und blutüberströmt beim Anzünden von Dollarscheinen. Diese Attitüde ist der wahrscheinliche Grund dafür, warum MGMT quer durch die Bank so viele anspricht: Vom Hipster bis hin zu den Designern bei der Paris Fashion Week.
 

 
audio
 
title: Prime Cuts: Oracular Spectacular
artist: MGMT
length: 1:19
MP3 (1.272MB) | WMA
   
 
 
This is a call to arms/to live and love/and sleep together
  Über was wir aber wirklich sprechen sollten, sind die Texte. Was natürlich herrausticht ist das genzgeniale "Time To Pretend", die sarkastische Ausseinandersetzung mit fame and fortune im Rockgeschäft. Ich hoffe nur, dass hier das Leben die Kunst nicht imitieren wird. Weiters beschäftigt sich "Oracular Spectacular" mit fast schon nihilistischem Hedonismus, mit einer Sehnsucht back to nature und dem Gefühl, ständig auf der Suche nach irgendwas zu sein. Würden meine Freunde und ich jetzt ein Album schreiben, würden wir wohl auch zu diesen Themen texten. Es sind diese neo-psychedelischen Aussteiger-Fantasien die mich so ansprechen, dieses angedeutet heidnische, die Suche nach Community. Die Welt geht unter, wir können uns keine Wohnungen mehr leisten, aber was soll's? Wir verbrennen unsere Ipods und Flatscreens und gründen eine neue Kultur, irgendwo im Wald. Summer of Love meets "Herr der Fliegen". Noch sind es Fantasien, aber wer weiss? Vielleicht blicken wir irgendwann einmal auf diese Texte in einem anderen Licht zurück.
 
 
 
I just shook the handshake/I just sealed the deal/I'll try not to let them/Take everything they can steal
 
 
There's a reason I don't win/I don't know how to begin
  Wenn ich MGMT höre, fühle ich mich als hätte ich in einer grauen, erfolgsgierigen Welt dann doch noch Verbündete gefunden. Endlich mal wer, der zugibt, dass er auch mit fünfundzwanzig noch nicht gewusst hat, wie das Leben ausschauen soll. Und, dass das okay ist. Das man Fehler machen kann, dass das Wichtigste wohl ist, sich immer selbst treu zu bleiben. Klingt wie Hippie-Gefasel, aber ich glaube, es liegt viel Wahrheit darin. Apropos Hippie-Shit: MGMTs Style ist alles andere als durchdacht, sondern hat eher etwas mit Armut und thriftstores zun tun. Und sie haben auch keine Drogen während den Aufnahmen genommen. Aber es kommen schon viele Ideen von ihren Erfahrungen mit psychedelischen Substanzen. Und der Titel "Oracular Spectacular" wurde gewählt, weil es ihnen beim Schreiben des Albums so vorgekommen ist, als würde es von Aliens diktiert werden. Ja, sie meinen das ernst.

Obwohl sie von Jet-Lag und Presseterminen geplagt wohl nicht die allerfittesten Gesprächspartner waren, war einer meiner schönsten Interviewmomente im besagten Kölner Kaffeehaus mit der Band. Sie erzählen mir von der Revolution, die sie anstreben, von dem Aufruf an unsere Generation, doch endlich was zu tun und aufzuhören so selbstgefällig zu sein. Die Revolution stehe vor der Tür, man musste nur mitmachen. Als ich Andrew dann frage, wie man da reinkommt, in diese Revolution, schaut er mich mit seinen großen Augen zum ersten Mal wirklich eindringlich an und meint: You already know how to get in on it. It's all in here. und tappst sich mit seinem Zeigefinger auf's Stirnband. Timothy Leary wäre stolz.

 
 
Das Interview zum Nachhören
  Das Interview mit MGMT gibt es auch als Podcast!

Um diesen FM4-Interview-Podcast-Feed kostenlos zu abonnieren, kopiere diesen Link in Deinen Podcatcher:



Links für [iTunes] und [xml]
 
fm4 links
  Violently Happy
Christian Fuchs über den besten Song aller Zeiten

Neo Psychedelica
Noch mehr Regenbogenkinder

Prime Cuts
Alle Alben der Woche auf einen Blick
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick