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Wien | 13.5.2008 | 15:36 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Neo Psychedelica
  oder, die Regenbogenkinder aus dem Internet
 
 
 
  MGMT, Animal Collective, Coco Rosie das sind die bekannten Aushängeschilder eines wiederentdeckten Trends. Ich spreche von den Regenbogenkindern, die vor 40 Jahren (Summer of Love) ihre Blütezeit hatten und dann unter GlamRock, Disco und sonstigem Zeug tief begraben wurden. Aber sie sind zurück: Irgendwo zwischen den heruntergekommenen Industriestädten Baltimore, Philadelphia und New York hat sich eine neue, äußerst bunte Musikszene zusammengefunden. In hippie-esquen Formationen geben sich Bands wie Ponytail oder die Fuck Buttons dem experimentellen Wahnsinn hin. Diese farbenfrohe Wiedergeburt des experimentellen "Stoner" Rocks der Neo-Psychedeliker hat sich mittlerweile auf der ganzen Welt als Geheimtipp breit gemacht. Und wie bei jedem Trend, gibt's den heißesten Scheiß im Internet:

 MGMTs Aussteiger Phantasien...
 
 
In Rainbows am Teeth Mountain
  Radiohead haben ihre neue, ziemlich traurige Platte fast schon süffisant "In Rainbows" genannt. Da war es irgendwie klar: triste Themen und das Übel in der Welt sollen nicht mehr die kreative Stimmung der Musiker trüben. Regenbogen als banales Gegenmittel zum omnipräsenten Weltschmerz. Immer mehr Musiker geben sich dem fast schon überschwänglichen Hedonismus und einem Faible für's Kindliche hin. Frei nach dem Motto: live now, pay later. Deswegen wird es immer mehr deutlich, dass eine neue Schar an Regenbogenkindern die Musiklandschaft bevölkert. Knallbunte Neon-Outfits sind das Haupt-Erkennungsmerkmal, diese so lose und willkürlich zusammengestückelt wie die Bands, in denen sie spielen. Teeth Mountain aus Baltimore orientieren sich an afrikanischen Rhythmen und Songstrukturen aus dem Mittleren Osten. Sie bearbeiten ihren Sound allerdings mit moderner Technologie und das ganze klingt dann wie Hintergrund-Musik für ein Sit-In, würde es sowas 2008 noch geben. Es lebe der Experimentalismus under the influence!

 Teeth Mountain Album Artwork
 
 
Staring at the Sun, 2008?
  Auch die Band mit dem klingenden Namen Fuck Buttons schwimmen mit auf der psychedelischen Welle. Sie machen zwar fast hauptsächlich trance-artige elektronische Musik, aber auch ihre ganze Symbolik besteht aus knallbunten Farben und mythischen Figuren und Zeichen. Gerade Fuck Buttons machen es deutlich, dass diese Musik nicht nur für eindeutig positive Dinge steht - ihre Songs spielen mit der Gegensätzlichkeit von Ambient und Noise und dekonstruieren sich selbst. Als kleiner akustischer Vergleich: das extrem lange, augedehnte "Sweet Love for Planet Earth" vermittelt das gleiche Gefühl wie TV on the Radios "Staring at the Sun", nur mit einem Hauch mehr Tragik. Ähnlich wie beim Beispiel Radiohead, kann ihre Selbsternennung als "Rainbow Rock"-Band wohl nur mit einem Augenzwinkern gesehen werden. Ihr aktuelles Album "Street Horrsing" bedrückt und bewegt mit seiner erschütternden Unmittelbarkeit.

 Was will es uns sagen? "Street Horrsing" Artwork
 
 
Dark in their hearts: die Fuck Buttons
 
 
Fata Morgana
  Aber nicht nur in Amerika, auch in Barcelona tut sich einiges auf diesem Gebiet. Der ausgeflippte El Guincho bezieht sich in seinen Songs auch auf Weltmusik, allerdings nicht auf "Drone" sondern eher auf beschwingte afrikanische Rhythmen, wie zum Beispiel Kwassa-Kwassa. Das haben zwar Vampire Weekend auch schon entdeckt, aber El Guincho verbrät seine Referenzen nicht in einem drei-minütigen Pop-Strudel. Im Alleingang unterwegs, benützt er fast ausschließlich Samples und Synths, die er dann zu einer Art endlosen Animal Collective Melange zusammenstückelt. El Guincho ist übrigens auf dem spanischen Neo-Psych-Label Discos Compulsivos unter Vertrag, die zur Zeit als heißer Tip in Sachen weird Musik aus Europa gelten.

 Die obligatorische Vereinung von Natur und Geometrie am Cover des El Guincho Albums
 
 
El Guincho im M.I.A. Style
 
 
  Zurück in Baltimore, wohl der Haupstadt des wiederentdeckten Psych Rocks, sind Ponytail eine der zur Zeit aktivsten Bands. Das Quartett veröffentlicht im Juni sein zweites Album "Ice Cream Spiritual" und genauso könnte man ihren Sound auch beschreiben. Ein transzendentaler Zuckerschock, der ziemlich süchtig macht. Sie bezeichnen sich selbst als große Grateful Dead Fans, was in ihren Jam-Session-artigen Sounds deutlich durchklingt. Ihr Artwork beschränkt sich fast ausschließlich auf kitschig tropische Sujets und man kann sich sicher sein, dass mit Ponytail und Co das Erbe von Albert Hoffman und Timothy Leary - zumindest musikalisch - gesichert ist.


 Disco Compulsivos Logo-das ist nicht New Rave!
 
 
 
 
  Mehr zu den Bands der Neo-Psychedelica gibt es heute, 13. Mai in der Homebase (19-22) zu hören.
 
 
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