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Wien | 11.8.2007 | 13:57 
Hoch die Kragen, tief die Hosen.
Wir gehen ins Museum.

Ondrusova, Zita

 
 
Do it yourself
  Wenn man sich auf anderen Festivals für über 90 Euro ein paar Tage Anarchie kaufen kann, dann ist das temp~ die Antithese. Mehr eine erweiterte Gartenparty mit FreundInnen, ohne brüllende Bierfahnen und ewige Kloschlangen.

Ist es auch, denn gestartet hat das Festival für elektronische Musik in Greifenstein bei Wien eigentlich als Geburtstagsparty. Das war vor fünf Jahren, und auf einigen Telefondisplays wird wohl in den letzten Tagen wieder einmal 'Patricias Geburtstag' erschienen sein. Also rein ins Geburtstagsfest von Irradiation. Und danke für die Einladung.
 
 
  Stil: Champing in Cord
Stil: Camping in Cord
 
  Frech: Was ihr da baut ist größer als das Dach der temp~ Open Air Stage.
Frech: Was ihr da baut ist größer als das Dach der temp~ Open Air Stage.
 
  Ungeschlagen: Das Angebot an Sofas am temp~
Ungeschlagen: Das Angebot an Sofas am temp~
 
 
Rotterdam
  Scheiß auf Dogma. Das temp~Festival hat nämlich gar nichts gegen akustische Instumente, wenn sie nur in einen elektronischen Kontext eingebaut sind, erklärt Festival-Host Mieze Medusa, während sich die hinter den Wolken verzogene Sonne dann auch noch hinter den Horziont verzieht.

Rotterdam sind ein elektroplastisches Hybrid aus Akkustik-Gitarre, Chello und Sampler. Die Art der Produktion erinnert an FSK. Sequenced Music auf analogem Werkzeug performt, nur halt ohne Folk-Referenzen. Techno unplugged.
 
 
 
 
 
Musikarbeiterkapelle
  Und dann passiert's. Das erste Highlight hab' ich gleich einmal versäumt. Eine Blaskapelle soll einmarschiert sein, und Daft Punk soll's zu hören gegeben haben. Übriggeblieben von der Performance ist nur er:
 
 
 
Gestresster Do-It-Youself Hackler. Grad erst noch Flyer für den Gürtel Nightwalk verteilen und dann gleich drei Live-Gigs mit Band.
 
 
Tent Stage
  Schade, aber fast ein wenig paradigmatisch für Festivals. Wobei Versäumen am temp~ eine eher schlechte Ausrede ist. Einmal über die offenen Schuhbänder stolpern und schon ist man vor der nächsten Bühne.
 
 
  Tribbledam auf der Tent-Stage
Tribbledam auf der Tent-Stage
 
 
  Schrecklich schön: Wenn sich ein Rauschen im Rücken harmonisch in die Noise-Harmonien von vorne einfügt: der Schnellzug nach Wien zieht zehn Meter neben dem Strombauamt vorbei.
 
 
 
Darf auf keinem guten Elektronik-Festival fehlen: Retrosounds, um auch die Spiele-Nerds dort abzuholen, wo sie aufgewachsen sind. Vor dem Atari. Kelvin Raah auf der Centerstage trällert synthetische 80er-Sounds in die Nacht.
 
 
Musikarbeiterkapelle II
  Jeder verdient eine zweite Chance und so komm' auch ich noch ins Vergnügen der Musikarbeiter-Kapelle. Sie covern sich quer durch die populäre Elektronik-Geschichte und präsentieren Kylie Minogues La-La-La Nummer, Kraftwerks 'Model' und Two Unlimiteds 'No Limit' in bodenständig niederösterreichischem Blasmusik-Gewand. Heiteres Popquiz: Wieviele Takte brauche ich, um das Original zu erraten.

 
 
 
 
  Vor ein paar Jahren hat Jeremy Deller im Rahmen der Ausstellung 'crossings' eine traditionelle englische Brass Band auf den Wiener Rathausplatz geholt und Acid-Klassiker wie 'Jibaro', 'What Time Is Love' oder 'Vodoo Ray' gecovert. Charmanter ist nur noch die Musikarbeiterkapelle, und noch nie hab' ich so eine sympathische Version von Jeans Teams 'Das Zelt' gehört.
 
 
 
m.a.r.s.
  Hat sich das temp~ bis auf die blasmusikalischen Umbauperformances bisher eher in die Noise-/Abient-Ecke gefletzt, bringt m.a.r.s. die Hüften erstmals ins sanfte Wippen. Es stellt sich eins dieser wunderbaren Gefühle ein, wenn die Beats den Weg durch die Dunkelheit suchen und sich langsam dort verlieren. Es dürfte mehreren so gehen, denn vereinzelte 'Juhus' und 'Yeahs' tauchen auf, wenn m.a.r.s. seine Bassdrum endlich wieder aus dem Break befreit.

Hätten die Franzosen von Kitsune einen Spion nach Greifenstein geschickt, wäre m.a.r.s. wahrscheinlich mit einen Plattenvertrag nach Hause gegangen. "Wann kommt das nächste Vinyl?" frag' ich ihn nach dem Gig. "Das nächste? Das erste."
 
 
  Der geheime Headliner? Keinem wurden mehr Zugaben abverlangt.
Der geheime Headliner? Keinem wurden mehr Zugaben abverlangt.
 
 
 
 
Der Imperator
  Dann wird's stressig. Kollegin Astrid Schwarz stürzt zur Backstage-Tür rein und zwingt mich vor die Tent Stage. "Der Imperator, der Imperator". Dort vorne steht Amos und zieht eine Disco-Show ab, dass Boney M allein beim Zusehen ein paar Steine aus dem Glitzerkorsett gefallen wären.
 
 
  Amos - der Imperator des Pop
Amos - der Imperator des Pop
 
 
  Amos will einfach nur die Lücke schließen, die Michael Jackson und Prince aufgetan haben. Live schafft er das auch und verwandelt die verkrampftesten Elektonik-Frickler zu einem fröhlichen Discokracher-Chor.
 
 
  Zurück vor der Open-Air Stage und bei einem sehr soliden Liveset von Shanti Roots
Zurück vor der Open-Air Stage und bei einem sehr soliden Liveset von Shanti Roots
 
 
Al Haca & Stereotyp feat. Joyce Muniz
  'Könnt' ihr uns hören!' Nicht so gut. Al Haca und Stereotyp haben Soundprobleme am Anfang ihres Set. Eine schöne Gelegenheit, um beim improvisierten Soundcheck zu zeigen, dass die beiden wirklich live spielen und nicht nur ihre Emails vor Publikum lesen.

"So klingt zum Beispiel unsere Fanfare." Den Unmüt über den missglückten Start spülen die beiden mit weniger charmanten Stadionrockposen runter und halten ihre Wodkaflasche hoch.
 
 
  Al Haca & Stereotyp feat. Joyce Muniz
Al Haca & Stereotyp feat. Joyce Muniz
 
 
Club Stage
  Auf dem Weg zurück fällt mir auf, dass ich heute noch gar nie die Club Stage besucht hab.

Aus den gnadenlos übersteuerten Boxen dröhnt Digitalisms 'Moonlight', und ein aufgeregter Kollege Schönswetter hüpft euphorischer hinter den Plattenspielern herum, als die gesamte Menge vor ihm. (Was gar nicht einfach ist.)

Da muss ich morgen öfter mal hin.
 
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Website zum Festival
   
 
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