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Wien | 23.8.2007 | 19:09 
Abstrakte Brutalitäten und Graumarktökonomien

Trishes, Gerlinde, Fuchs

 
 
Pull up the people! Pull up the Poor!
  Das ist von der ersten M.I.A. Platte das, was noch am besten in Erinnerung ist. Diesmal kehrt M.I.A., "Missing In Action", "Missing In Acton" oder auch "Missing in America" zurück und verkündet das Anbrechen der dringend überfälligen Third World Democracy.
 
 
 
Guerilla Godess
  Das Schicksal von M.I.A. erklärt vielleicht, wie diese Frau dazu fähig ist, diese Art von Musik zu machen, die das reflektiert, was auf den Straßen von Kingston Jamaica abgeht, in den Clubs von London, den Favelas von Rio und dem von Bürgerkrieg und Naturkatastrophen erschütterten Sri Lanka. Nu World statt Nu Rave. Maya Arulpragasam verwendet Sounds, die mit verschiedenen Kulturen verbunden sind, nicht als ästhetisches Gimmick, sondern um politische und kulturelle Statements zu formulieren.
"Kala" ist das zweite Album von M.I.A, in dem sie dem rauhen, von Ragga Hip Hop und Cut Up Electronics treu bleibt, über die sie auf ihre ganz eigene Weise rappt, toastet und singt. "Guerilla Godess" hat der Rolling Stone M.I.A genannt. Die Tracks von "Kala" funktionieren genau wie die von "Arula" wunderbar in Clubs, aber auch die politische Komponente ihres Werkes macht M.I.A. so faszinierend.

 
 
 
 
  Arul Pragsam, Mayas Vater, war Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eeelam oder auch Tamil Tigers. Die Tamil Tigers kämpfen seit Jahrzehnten einen blutigen Krieg gegen die Regierung Sri Lankas, um die Unabhängigkeit der von Tamilen bewohnten Gebiete. Maya wurde zwar in London geboren, kam aber noch als Baby zurück mit ihrer Familie nach Sri Lanka, wo sie auch aufwuchs. Während ihrer Kindheit lebte ihr Vater im Untergrund und die Familie musste mehrmals vor dem Militär flüchten. Als in den späten 80ern der Bürgerkrieg in Sri Lanka neuerlich eskalierte, flüchtete die Familie zurück nach London. Maya lernte Englisch und Hip Hop kennen und lieben.

Sie studierte Kunst im St. Martins College und ihre erste Ausstellung waren Stencils (Schablonengraffitis) von Palmen und Tigern in buntem Camouflage, vermischt mit Bomben, Maschinengewehren und Handgranaten. Ein Stil, den wir auch von den Cover ihrer Alben kennen.
Justine Frischmann von Elastica bat sie, das Cover des Elastica-Albums zu gestalten und das Video zu der Elastica Single "Mad Dog" zu drehen.

 
 
 
Roher Sound
  Die Dreharbeiten sollten während der USA-Tour von Elastica stattfinden. Peaches war als Support Act mit auf Tour und während der langen Stunden im Bus lehrte Peaches Maya, wie man mit der Roland 505 Groovebox umgeht, und in Nu waren mit einfachsten Mitteln erste Songs aufgenommen. Ein rohen Sound zu behalten, war ihr auch ein Anliegen auf "Kala". Das Album ist an verschiedensten Orten der Welt aufgenommen worden, nachdem M.I.A die Einreise in die USA, wo sie eigentlich arbeiten wollte, verweigert worden war, so konnte das Album auch nicht von Timbaland produziert werden, wie es eigentlich geplant gewesen war.
 
 
 
 
 
Piracy Founds Terrorism
  Ihr erster Release war eine Art Mash up Mixtape mit dem Titel "Piracy Founds Terrorism" und viele der Songs waren in überarbeiteter Form auf "Arular", dem ersten regulären Album zu finden. "Arular" ist der Name, unter dem ihr Vater politisch aktiv war, und das Album ist auch ihm gewidmet.

Das neue M.I.A-Album ist ein Tribut an M.I.A.s Mama. Laut M.I.A. geht es auf dem Album auch darum, wie man als Frau seinen Platz in der Welt findet, und im speziellen in der Musikindustrie, ohne aufzugeben oder Integrität zu verlieren. Es ist ein Album, auf dem sie bewusst weniger politisch ist, weil der Umstand, dass sie auf der Liste ist, für sie schon Indikator war, dass sie politisch ist.

Texte wie "Like the PLO I never surrender" , oder "I got more records than the KGB" dürften den US- Behörden nicht besonders munden. "Kala" ist ein Album, das on the Road entstanden ist. M.I.A hat die letzten zwei Jahre auf Reisen verbracht: Trinidad, Africa, Australia, Liberia und London. Dort hat sie aufgenommen und auch die Texte geschrieben, die zum Teil aus der Perspektive der Menschen formuliert sind, die in diesen Ländern leben. Das macht "Kala" zu etwas sehr politischem. Man hört nicht das Studio sondern die Orte, an denen M.I.A gelebt hat, während sie ihr Album aufgenommen hat.

Im Dezember 2006 war M.I.A. in Liberia und arbeitete in einem der desolatesten, von einem furchtbaren Bürgerkrieg zerstörten Land der Welt einerseits an ihrem Album, andererseits auch an einem Projekt für ehemalige Kindersoldaten und einer Dokumentation über Liberia.
 

 
audio
 
title: Prime Cuts: 'Kala'
artist: MIA
length: 1:08
MP3 (1.095MB) | WMA
   
 
 
 
 
  Wo immer M.I.A hinkam, begann sie das Studio und das Set Up vom Nullpunkt an aufzubauen, gemeinsam mit den Musikern, mit denen sie zusammengearbeitet hat.

In Indien war das A.R. Rahman, laut M.I.A der Timbaland von Indien, der auch sehr viele Soundtracks von Bollywoodfilmen macht. Switch, Diplo und DJ Blaqstarr aus Baltimore waren als Produzenten neben M.I.A am Entstehungsprozess beteiligt. Viele verschiedene Einflüsse sind auf Kala zu hören - Dancehall, Hip Hop, Dirty South, Baltimore Club, Bollywood Disco. Zusammengehalten wird es von einer Rohheit, die bei M.I.A. Konzept ist.
 
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