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Wien | 18.12.2007 | 19:43 
Abstrakte Brutalitäten und Graumarktökonomien

Trishes, Gerlinde, Fuchs

 
 
Burial: Untrue
  2007 war das Jahr in dem Dubstep, der schon lang, keiner weiß genau wie lang, im Underground von Südlondon wobbelte, so richtig zu uns aufs Festland herüberschwappte. Dubstep ist eine Fusion aus UK Garage und Dub, eine sehr basslastige Fusion, mit Drum'n'Bass-, Elektro- und Hip Hop-Einflüssen. Wobei es im letzten Jahr immer schwerer wurde, allgemeingültige Aussagen über das Genre zu treffen, weil Produzenten wie Skream, Kode9 oder Benga sehr individuelle Richtungen entwickelt haben.

Eines der wichtigsten Dubstep-Labels ist Hyperdub, betrieben von Kode9, wo jetzt auch die Platte erschienen ist, die viele Musikjournalisten schon als neuen Evolutionsschritt des Genres feiern. Autoren-Dubstep sozusagen. Die Rede ist von Burial, dessen neues Album "Untrue" Menschen von Croydon bis Donaustadt in Verzückung versetzt, weil es Dubstep auch außerhalb von Clubs mit mega-basslastigen Soundsystemen erfahrbar macht.
 
 
 
Geschichten und große Gesten
  Menschen wollen Geschichten, große Gesten und Gesichter. Die ersten beiden Forderungen kann Burial erfüllen. Sein mit Pathos erfülltes Album "Untrue" könnte für Dubstep das werden, was seinerzeit Goldies "Timeless" für Drum'n'Bass bedeutete. Das letzte Schäufelchen, das noch gefehlt hat, um Dubstep aus dem Underground zu holen, erkennen zu lassen, wie gut diese posteuphorischen Beats ins Hier und Heute passen.
"Untrue" hat weitere Ähnlichkeiten mit "Timeless". Etwa wie Vocals eingesetzt werden, als kurze Momente der Hoffnung, die die düsteren Beats überlagern. Sie sind Erinnerungen an die Euphorie, die man einst empfunden hat, als das, was aus den Boxen gedrungen ist, noch nach Zukunft geklungen hat. Bevor wirtschaftliche und persönliche Depressionen die Clubbesucher eingeholt haben, bevor der Alltag wieder real und noch grauer als zuvor wurde. Davon und viele andere Geschichten erzählen die Nummern "Homeless" und "Dog Shelter".

Goldie ist den Weg des toxisch aufgeblasenen Superstar-Egos gegangen, ist irgendwann von Egomanie zur Soziophatie gelangt - fettes Posen statt Breakbeat Sience, eine Entwicklung, die vielleicht auch ein bisschen symptomatisch für Teile der britischen D'n'B Szene ist.
Burial ist ganz anders unterwegs, er verweigert Informationen, die eine Starmaschinerie speisen könnten.

Kein Name, keine Fotos und keine Interviews. Außer einem Gespräch, das er mit seinem Labelchef Kode9 geführt hat, damit er Fragen wie: "Was ist der Unterschied vom ersten zum zweiten Album?" nur einmal beantworten muss. Sehr spannend ist das, was Burial Kode9 auf die Frage nach den Produktionsbedingungen antwortet.



 
 
  I want to learn one day how to make tunes properly , but I wanted to do a tribute to my rubbish, dying computer. It starts smoking sometimes and the screen flickers like a strobelight, it mashes your eyes. The tunes are made where they're made, somewhere in my building, the roof or wherever, but not in some airtight studio. Loads of the album was made with the TV on. I wish I could make technical proper music one day but people who want technical music maybe won't like my new tunes but it's not for them.
 
 
 
  Burials Musik ist und soll selbsterklärend sein und obwohl durchgängige Erzählungen fehlen, ist "Untrue" ein Album mit größter emotionaler und narrativer Dichte, das wir unabhängig von Geschlecht und sozialem Background verstehen, da es eben nicht von Burials persönlichen Erlebnissen gespeist wird sondern auf abstrakterer aber gleichzeitig universeller Ebene kommuniziert.
"Untrue" ist eine Introspektive, es ist ein radikaler Gegenentwurf zur glamurös dummen Oberflächlichkeit, die in vielen Fällen Clubmsuik befallen hat.

Einfach gesagt: Nix Bling-bling, nix Bäng-bäng. Sondern präzise Analyse von grauem urbanen Alltag, Eskapismus und was das für Folgen für Körper, Psyche und Geist hat.

Burial hat Soul und Dubstep zusammengebracht. "Archangel" ist ein epochaler Track, das ist beim ersten Mal hören klar. Ich kann mir schon ganz gut vorstellen, dass unseren Nachkommen bei Dokus über den Beginn des neuen Jahrtausends diese Nummer vorgespielt werden wird, eine vergangene Erinnerung an die Zukunft.
 
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  www.myspace.com/burialuk
   
 
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